Stadtohr

Stadtrundgang Koblenz · Station 1 von 16

Festung Ehrenbreitstein

1828 · festung, preussen, museum

Ausführlich

Willkommen in Koblenz. Wir fangen oben an, weil man von hier aus versteht, warum es diese Stadt gibt. Schauen Sie nach Westen, über den Rhein. Dort unten fließt die Mosel in den Rhein. Der römische Name der Siedlung war Confluentes, die Zusammenfließenden. Koblenz hat 1992 sein zweitausendjähriges Bestehen gefeiert. Und Sie stehen auf dem Felsen, der diesen Punkt kontrolliert. Der Bergsporn ist 180 Meter hoch, im Süden, Osten und Westen von hohen Steilhängen begrenzt. Nur nach Nordosten, zum Plateau hin, musste er stark verteidigt werden. Bei Ausgrabungen fand man 2005 unter der Großen Traverse Reste eines Pfahlgrabens aus dem 10. Jahrhundert vor Christus, Teil einer bronzezeitlichen Wehranlage: An einer nur etwa dreißig Meter breiten Stelle sicherte eine von hinten mit Erde verstärkte Palisade den Zugang. 2003 kamen unter dem Fahnenturm Reste eines keltischen Adelssitzes zum Vorschein. Um das Jahr 1000 entstand die Burg Ehrenbreitstein, benannt nach ihrem Erbauer Erembert oder Ehrenbrecht. Um 1020 kaufte sie Erzbischof Poppo von Babenberg, und damit gehörte sie den Fürstbischöfen von Trier. Sie galt als deren sicherste Burg, und das hatte Folgen: In unsicheren Zeiten lagerte man hier die wichtigsten Heiligtümer des Landes, den Kopf des heiligen Matthias von 1380 bis 1422 und den Heiligen Rock mit kurzen Unterbrechungen von 1657 bis 1794. Jetzt zu einem Stück, das mehr gereist ist als die meisten Menschen. Erzbischof Richard von Greiffenklau baute die Burg im frühen 16. Jahrhundert zur Festung aus und ließ die ersten Kanonen gießen. Die größte heißt Greif, gegossen 1524 von Meister Simon aus Frankfurt am Main, neun Tonnen schwer, 4,66 Meter lang. 1799 nahmen die Franzosen den Ehrenbreitstein ein und brachten die Kanone nach Frankreich. 1940 kam sie kurz zurück, 1946 ging sie wieder nach Paris. Erst 1984 kehrte sie als Dauerleihgabe hierher zurück, nachdem Staatspräsident Mitterrand und Bundeskanzler Kohl oben auf dieser Festung einen Vertrag unterzeichnet hatten. Vierhundertsechzig Jahre alt, und zweimal Kriegsbeute. Das Ende der alten Festung: Am 23. Oktober 1794 nahmen französische Revolutionstruppen Koblenz ein und belagerten die Festung ab 1795 viermal. Am 27. Januar 1799 wurde sie übergeben, nach fast einjähriger Blockade, weil die Besatzung kaum noch Verpflegung hatte. Durch den Frieden von Lunéville mussten die Franzosen 1801 das rechte Rheinufer aufgeben. Um die Anlage nicht den Gegnern zu überlassen, sprengten sie sie planmäßig. Was Sie heute betreten, ist der preußische Neubau von 1817 bis 1828, geleitet vom Ingenieur-Offizier Carl Schnitzler. Im 19. Jahrhundert galt diese Festung als uneinnehmbar. Heute gehört sie dem Land Rheinland-Pfalz. Gehen wir hinunter, dorthin, wo bis 1801 ein Schloss stand.

Kurzfassung

Sie stehen auf der Festung Ehrenbreitstein, gegenüber der Moselmündung. Eine Befestigung gibt es hier seit dem 16. Jahrhundert, zuerst kurtrierisch, später preußisch. Die heutige Anlage wurde zwischen 1817 und 1828 neu errichtet. Heute gehört sie dem Land Rheinland-Pfalz.

Für Kinder

Du stehst auf einem Felsen, 180 Meter über dem Fluss. Schau nach unten: Da fließen zwei Flüsse zusammen, die Mosel und der Rhein. Wer diesen Felsen hat, kann beide Flüsse überwachen. Deshalb bauten hier schon vor dreitausend Jahren Menschen einen Wall aus Holzpfählen. Hier oben steht eine riesige Kanone. Sie heißt Greif, ist neun Tonnen schwer und über vierhundertfünfzig Jahre alt. Französische Soldaten nahmen sie zweimal mit nach Paris. Erst 1984 kam sie zurück. Wie viele Autos wiegen neun Tonnen, was denkst du?

Quellen

Koordinaten: 50.365, 7.61528 · auf der Karte

Kartendaten © OpenStreetMap-Mitwirkende, ODbL. Routing: Valhalla auf OSM-Daten. Objektdaten: Wikidata (CC0). Fotos: Wikimedia Commons, Urheber und Lizenz je Bild.