Stadtohr

Stadtrundgang Koblenz · Station 5 von 16

Oberpräsidium Rheinprovinz

1907–1910 · verwaltung, preussen, historismus

Ausführlich

Sie stehen vor dem ehemaligen Oberpräsidium der Rheinprovinz, und dieses Haus erklärt, was Koblenz im 19. Jahrhundert war: eine Verwaltungsstadt. 1815 fiel die Stadt an Preußen, ab 1822 war sie Hauptstadt der Rheinprovinz. Der Oberpräsident saß im Erdgeschoss des Kurfürstlichen Schlosses, gleich nebenan. Dort wurde es zu eng. Kaiser Wilhelm II. setzte sich persönlich für einen eigenen Bau ein, und von 1907 bis 1910 wurde er errichtet, nach Entwürfen der Bauräte Richard Saran und Thielen auf der Grundlage von Vorentwürfen des Baurats Alfred Bohnstedt, der 1906 starb. Das Geländer der Haupttreppe und die Haupttür stammten aus der Werkstatt des Godesberger Kunstschmieds Georg Gernhard. Die Tür ist nicht erhalten. Nun schauen Sie sich den Grundriss an, auch wenn Sie ihn nicht sehen können. Das Gebäude ist 170 Meter lang und auffällig flach, also mit geringer Tiefe. Das liegt daran, dass nur ein sehr schmales Gelände im Norden des Vorgeländes des Schlosses zur Verfügung stand. Wie beim Nachbarn gibt es einen Mittelrisalit und Eckrisalite, dazu ein hohes Mansarddach. Gebaut ist es aus Ziegel- und Bimssteinen, die Fassade teils mit Terranova, teils mit ausgedehnten Werksteinflächen aus rotem Sandstein. Der Stil ist eine Botschaft. Es sind süddeutsche Barockformen mit Jugendstileinflüssen, angeregt von Werken Balthasar Neumanns und Johannes Seiz, und sie stehen in stilistischem Bezug zum Südflügel des Kurfürstlichen Palais in Trier. Eine preußische Behörde baut sich ein Haus, das aussieht wie ein kurtrierisches Schloss. Die neue Macht stellt sich in die Reihe der alten. Jetzt die Blickanweisung. Suchen Sie die Zone zwischen dem ersten und dem zweiten Obergeschoss. Dort waren die Porträtmedaillons der ersten acht Oberpräsidenten angebracht. Fünf davon sind heute noch erhalten. Drei fehlen. Das hat mit dem 6. November 1944 zu tun, dem schwersten Luftangriff auf Koblenz. Das Gebäude wurde beschädigt und ab 1947 verändert wiederhergestellt. Der geschweifte Giebel über dem Mittelpavillon ist nicht zurückgekommen. Zwischendurch war dieses Haus noch etwas anderes. Von 1920 bis 1929, während der alliierten Rheinlandbesetzung, war es der Dienstsitz von Paul Tirard, dem Oberkommissar des Interalliierten Hohen Ausschusses für die Rheinlande. Und von 1947 bis 1950 saß hier die Landesregierung von Rheinland-Pfalz, danach bis 1999 die Bezirksregierung Koblenz, seit 2000 die Struktur- und Genehmigungsdirektion Nord. Die ehemalige Dienstvilla des Oberpräsidenten links neben dem Hauptbau am Rhein wird vom Oberlandesgericht genutzt. Seit 2002 gehört dieses Gebäude zum Unesco-Welterbe Oberes Mittelrheintal, wie fast alles, was wir heute besuchen. Die nächste Station ist klein, und ich muss Ihnen dort etwas erklären.

Kurzfassung

Sie stehen vor dem ehemaligen Oberpräsidium der Rheinprovinz in der Stresemannstraße. Gebaut wurde das 170 Meter lange Gebäude von 1907 bis 1910 auf einem sehr schmalen Gelände nördlich des Kurfürstlichen Schlosses. Heute ist es Sitz von Landesbehörden.

Für Kinder

Dieses Haus ist 170 Meter lang, aber von vorn nach hinten ganz schmal. Das war Absicht: Es gab nur einen schmalen Streifen Platz. Hier arbeitete der oberste Beamte der ganzen Region. Vorher saß er im Schloss nebenan, da war es ihm zu eng. Schau in die Wand zwischen dem ersten und dem zweiten Stock. Dort hingen acht runde Bilder aus Stein, eines für jeden Chef dieses Hauses. Heute sind nur noch fünf da. Drei gingen verloren, als 1944 Bomben auf Koblenz fielen. Kannst du die fünf Köpfe finden?

Quellen

Koordinaten: 50.3574, 7.60194 · auf der Karte

Kartendaten © OpenStreetMap-Mitwirkende, ODbL. Routing: Valhalla auf OSM-Daten. Objektdaten: Wikidata (CC0). Fotos: Wikimedia Commons, Urheber und Lizenz je Bild.