Sie stehen vor dem Kurfürstlichen Schloss, und dieses Haus ist ein Lehrstück darüber, wie knapp Geschichte manchmal ist. Gebaut wurde es von 1777 bis 1793 für Clemens Wenzeslaus von Sachsen, den letzten Erzbischof und Kurfürsten von Trier. Die alte Residenz in Ehrenbreitstein, bei der wir gerade waren, war renovierungsbedürftig und dem neuen Erzbischof aus sächsisch-polnischer Königsfamilie nicht repräsentativ genug. Die Landstände, die zahlen sollten, wollten das kaum akzeptieren und mussten erst nach längeren Diskussionen zur Geldbewilligung bewogen werden. Entwerfer war zunächst der Pariser Pierre Michel d Ixnard. Nach Kritik an seinen Plänen holte man ein Gutachten der Pariser Architektenakademie ein, das die Kritik bestätigte. D Ixnard wurde entlassen. Antoine-François Peyre der Jüngere übernahm und plante einen wesentlich einfacheren und kleineren Baukörper. Auf ihn geht das heutige Erscheinungsbild zurück. Allerdings musste er sich an den bereits gelegten Fundamenten orientieren. Am 23. November 1786 zogen der Kurfürst und seine Schwester Maria Kunigunde ein. Im selben Jahr wurde das Schloss an die neue kurfürstliche Wasserleitung aus Metternich angeschlossen, ein Jahr später eröffnete unweit das neue Theater, und 1791 ließ der Kurfürst den Clemensbrunnen errichten, den ersten öffentlichen Brunnen an dieser Leitung. Beides sind spätere Stationen dieses Rundgangs. Dann kam die Französische Revolution. Erschreckt durch ihren Ausbruch stellte der bisher reformfreudige Kurfürst alle Reformen ein und führte ein strengeres Regiment. Clemens Wenzeslaus war ein Onkel des französischen Königs Ludwig XVI. Den Emigranten und den flüchtigen Mitgliedern des französischen Hofes bot er Zuflucht, vor allem im Schloss Schönbornslust vor den Toren der Stadt. Koblenz wurde damit ein Zentrum der französischen Royalisten. Am 7. Oktober 1794 musste er selbst fliehen. Zwei Wochen später nahmen die Franzosen unter General Marceau die Stadt ein. Die Innenausstattung wurde nie vollendet. Was beweglich war, hatte der Kurfürst noch vor der Flucht auf Schiffe verladen und nach Augsburg bringen lassen. Große Teile aus den Repräsentationsräumen gingen später an das Königreich Bayern. Das Schloss war danach Kaserne und Militärlazarett und ab 1815, nun preußisch, nur noch Kaserne. Von 1823 bis 1842 saßen hier Behörden und Gerichte. Und auf dem Belvedere des Südflügels stand von 1833 bis 1852 ein optischer Balkentelegraf, die Endstation 61 der preußischen Telegrafenlinie Berlin, Köln, Koblenz. Von 1850 bis 1858 amtierte hier der Prinz von Preußen, der spätere Kaiser Wilhelm I., mit seiner Frau Augusta. Sie gab den Anstoß, die Rheinanlagen anzulegen, und besuchte Koblenz, ihr rheinisches Potsdam, bis wenige Wochen vor ihrem Tod im Januar 1890.
Sie stehen vor dem Kurfürstlichen Schloss. Es wurde von 1777 bis 1793 für Clemens Wenzeslaus von Sachsen gebaut, den letzten Erzbischof und Kurfürsten von Trier. Es gehört zu den bedeutendsten Schlossbauten des französischen Frühklassizismus in Südwestdeutschland.
Das ist ein Schloss, aber keines mit Türmen und Zinnen. Es sieht eher aus wie ein sehr langes, strenges Haus. Gebaut wurde es vor etwa zweihundertfünfzig Jahren für einen Fürsten. Der erste Architekt arbeitete so schlecht, dass er entlassen wurde. Ein zweiter musste weiterbauen, durfte das Fundament aber nicht ändern. 1786 zog der Fürst ein. Acht Jahre später musste er fliehen, weil in Frankreich eine Revolution war. Darum wurden viele Zimmer nie fertig. Stell dir vor, du musst schnell weg: Was nimmst du mit?
Koordinaten: 50.3556, 7.60222 · auf der Karte