
Sie stehen vor der Seeburg, gegenüber der Kunsthalle an der Kieler Förde. Eine Burg im eigentlichen Sinne ist sie nicht. Sie war nie Sitz eines adligen Ritters und hatte nie eine militärische Funktion. Der volkstümliche Name entstand offenbar aufgrund der Lage des Baus und seiner Erscheinung, und der Architekt Theodor Fischer ließ sich bei seinem Neubau durch den Namen inspirieren. Vorher stand hier ein Haus, das älteste Wohngebäude am Düsternbrooker Weg, aus einer Zeit, als dieser noch ein einfacher Waldweg war. Der königlich dänische Landesbaumeister Johann Adam Richter erwarb 1767 den Uferstreifen der Förde, der vom Schloss bis zum Schwanenweg reichte, ließ am Strand Boden aufschütten und errichtete 1783/84 ein Landhaus. Richters Hof war ein zweigeschossiger Backsteinbau, von Efeu umrankt. Wegen seiner Kompaktheit und der Lage am Wasser hieß er im Volksmund Seeburg. 1803 verkaufte Richter das Haus an Graf Christian zu Rantzau, den Kurator der Universität. Auch nach dessen Tod 1813 blieb das Haus unter seiner Frau, Gräfin Charlotte Rantzau, ein geistiger Treffpunkt Kiels. Als die Universität 1907 das Grundstück erwarb, wurde das Haus wegen Hausschwamms noch im selben Jahr abgerissen. Dann kam das Studentenhaus. Der Großkaufmann Theodor Wille hatte seiner Heimatstadt Kiel zwei Millionen Mark hinterlassen. Kaiser Wilhelm II. genehmigte das Studentenhaus im August 1906. Die Universität erwarb das Grundstück am Düsternbrooker Weg 2 mit Kaufvertrag vom 26. Oktober 1907 für zweihunderttausend Mark. Es lag in unmittelbarer Nähe der Universität am Schlossgarten und am Wasser, was für den studentischen Ruder- und Segelsport günstig war. Am 14. Mai 1909 legte der Rektor Erich Schaeder den Grundstein. Die Kosten zwangen dazu, die Höhe und Länge des Gebäudes zu reduzieren und auf einen Teil der geplanten Terrassen zu verzichten. Am 12. November 1910 weihte der Rektor Götz Martius die Seeburg in Anwesenheit von Prinz Waldemar von Preußen feierlich ein. Sie solle eine Stätte der Erholung und Anregung für viele werden, sagte er. Anfang 1913 kam eine Doppelkegelbahn dazu. Im Zweiten Weltkrieg wurde das Gebäude schwer beschädigt, der Umbau von 1958 bis 1961 machte es zu Restaurant und Mensa, Studentenwohnheim mit siebenundzwanzig Betten und Heimat von Wassersportgruppen. 1989 wurde das Internationale Begegnungszentrum mit dreißig Appartements angebaut. Heute gibt es drei Veranstaltungsräume, zwei davon mit Blick auf die Förde, und von April bis Oktober einen Biergarten. Mittelfristig soll die Seeburg umgebaut und zur Wasserseite hin geöffnet werden, als Schaufenster der Wissenschaft und Begegnungsort.
Sie stehen vor der Seeburg am Düsternbrooker Weg, gegenüber der Kunsthalle an der Kieler Förde. Der Architekt Theodor Fischer baute sie als Haus für Studenten und Professoren, am 12. November 1910 wurde sie eingeweiht. Eine Burg ist sie nicht.
Die Seeburg sieht aus wie eine kleine Burg, aber sie ist keine. Hier hat nie ein Ritter gewohnt, und sie wurde auch nie zur Verteidigung gebraucht. Ihren Namen bekam sie im Volksmund, wegen der Lage am Wasser und weil sie so kompakt wirkt. Zuerst stand hier ein Landhaus. Dann baute die Universität ein Haus für Studenten und Professoren, 1910 war es fertig. Heute gibt es Veranstaltungen und im Sommer einen Biergarten mit Blick auf die Förde. Warum, glaubst du, nennen die Leute das Haus Burg?
Koordinaten: 54.3281961, 10.1465249 · auf der Karte