Stadtohr

Stadtrundgang Kempten · Station 1 von 16

St. Lorenz (Kempten)

1652 · basilika, barock, fuerststift, doppelstadt

Ausführlich

Willkommen in Kempten. Wir beginnen in der Stiftsstadt, vor der Basilika St. Lorenz. Zuerst ein Satz zur Stadt. Kempten liegt im Allgäu, hat rund 67.645 Einwohner und zählt zu den ältesten Städten Deutschlands. Das Stadtbild prägt das jahrhundertelange Nebeneinander zweier Stadtkerne: der Stiftsstadt der Fürstabtei und der Reichsstadt. Man spricht von einer Doppelstadt. Hier stehen Sie in der Stiftsstadt. St. Lorenz ist die ehemalige Kirche des Fürststifts, heute Pfarrkirche im Bistum Augsburg. 1632 besetzten und plünderten die Schweden das Fürststift, danach zerstörten die Bewohner der Reichsstadt die Gebäude systematisch. Noch während des Dreißigjährigen Krieges begann der damals 29-jährige Abt Roman Giel von Gielsberg mit den Vorbereitungen für den Neubau. Die Grundsteinlegung war am 13. April 1652. Eine Quelle zum Fürststift nennt den 16. April, ich nenne Ihnen beide Daten. Den Baumeister Michael Beer löste 1654 Johann Serro ab, und der veränderte den Bau grundlegend: Er brach das gedrückte Gewölbe ab und setzte ein höheres Tonnengewölbe ein, das Langhaus wurde im Scheitel 70 Zentimeter höher, dazu kam ein Emporengeschoss. Vom ursprünglichen Plan blieb nur der Grundriss. Besonders war die Teilung der Kirche: Der Chor unter der Kuppel war dem Konvent vorbehalten, durch ein Chorgitter getrennt war das Langhaus die Kirche für das Volk. 1670 war der Bau weitgehend fertig, an der Doppelturmfassade arbeitete man bis 1673. Die Türme blieben wegen der hohen Bauschulden unvollendet, nur mit einem Walmdach über dem Glockengeschoss. Der Fürstabt musste sich beim Nuntius in Luzern gegen eine Verschwendungs-Anklage seiner Kapitulare verteidigen, 1671 wurde er nach Rom abberufen. Schauen Sie hinauf zu den Türmen. Fertig wurden sie erst 1900, in neubarocken Formen und aus unterschiedlichen Materialien, darunter Beton. Die Folge: Sie pendeln leicht bei starkem Wind, und zwischen Türmen und Hauptbau sind Risse sichtbar. 1802 traf die Säkularisation das Fürststift, seitdem ist die Kirche nur noch Pfarrkirche.

Kurzfassung

Sie stehen vor der Basilika St. Lorenz, der ehemaligen Kirche des Fürststifts. Die Grundsteinlegung war am 13. April 1652, kurz nach dem Dreißigjährigen Krieg. Der Bau war eine der ersten großen Kirchen in Deutschland nach diesem Krieg. 1969 erhielt sie den Titel Basilica minor.

Für Kinder

Das ist eine große Kirche mit zwei Türmen. Sie wurde ab 1652 gebaut, nach dem Dreißigjährigen Krieg. Der Abt, der sie bauen ließ, war damals erst 29 Jahre alt. Innen war die Kirche geteilt: Der Chor war für die Mönche des Klosters reserviert, ein Gitter trennte ihn vom langen Teil, dem Langhaus, in dem die Gemeinde feierte. Die Türme wurden erst 1900 richtig fertig. Weil man dafür auch Beton benutzte, schwanken sie bei starkem Wind ein wenig. Wie fühlt es sich wohl an, in einem Turm zu stehen, der im Wind pendelt?

Quellen

Koordinaten: 47.7285, 10.3116 · auf der Karte

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