Stadtohr

Stadtrundgang Kempten · Station 6 von 16

Bachschmidhaus

· kaufhaus, neorenaissance, stadtgeschichte, ns-zeit

Ausführlich

Sie stehen vor dem Bachschmidhaus am Residenzplatz 1. Gegenüber liegt die Fürstäbtliche Residenz, und das neue Haus sollte ihr Gegenstück sein. 1898 kaufte der Münchner Michael Hurler zwei Anwesen, an der Klostersteige und am Residenzplatz, wo die einfachen Verkaufsläden der Kurzen Stände standen. Ab dem 11. März 1898 wurde abgebrochen, unter Erhaltung eines Teils der mittelalterlichen Stadtbefestigung, der noch heute unter Denkmalschutz steht. Der Kemptener Architekt und Bildhauer Robert Riester plante einen Bau mit drei Flügeln und einer Fassade im späten Stil der Neorenaissance, als Gegenstück zur Residenz. Der Kontrast sollte durch einen Erker mit Doppelzwiebelhaube und Dreieck- und Segmentgiebel noch stärker werden. Veranschlagt waren 150.000 Mark. Dann kritisierte das Stadtbauamt die Wandlänge von über 18 Metern, und der Bauherr nahm Abstand und bot das Grundstück zum Verkauf an. Es fand sich der Kemptener Uhrmachermeister Johann Georg Bachschmid, der sein Geschäft mit einer Wohnung zusammenlegen wollte. Er griff auf Riesters Pläne zurück und plante sechs bis acht Läden und zwölf Wohnungen. Der erste Mieter war Ferdinand Zintl, mit Vertrag zum 1. August 1899. Am 22. Oktober eröffnete er das Kaufhaus Fillisch, eines der größten Modekaufhäuser Kemptens. Später baute man aus baustatischen Gründen die markanten Giebel und die Doppelzwiebelhaube zurück, und um 1960 erhielt das Haus sein heutiges Aussehen. Zintl war 1906 nach München gezogen und führte die Geschäfte von dort weiter. Am 24. März 1930 wurde das Geschäft an den Kaufmann Jakob Mannheimer verkauft. Zum Haus gehört auch eine dunkle Geschichte. Mannheimer musste das Geschäft Anfang 1938 wegen der ab 1933 einsetzenden Repressalien gegen jüdische Geschäftsinhaber aufgeben und emigrierte am 15. März 1939 mit seiner Frau nach New York. Auch die Familie Kohn betrieb hier zwei Schuhgeschäfte. Nach der Reichspogromnacht musste sie den Betrieb unter Marktpreis an die Konkurrenz abtreten. Fast alle Familienmitglieder wurden deportiert und umgebracht, nur Bruno Kohn überlebte das Konzentrationslager Theresienstadt und führte das Schuhgeschäft bis Anfang der 1970er Jahre weiter. Stolpersteine erinnern an die deportierten Kaufleute.

Kurzfassung

Sie stehen vor dem Bachschmidhaus am Residenzplatz 1, gegenüber der Fürstäbtlichen Residenz. Das Geschäfts- und Wohnhaus entstand nach Plänen des Architekten Robert Riester für den Uhrmacher Johann Georg Bachschmid. Ab 1899 gab es hier das Kaufhaus Fillisch. Sein Aussehen stammt von etwa 1960.

Für Kinder

Dieses Haus liegt gegenüber der Residenz. Früher war hier ein Kaufhaus, das auf Postkarten als größtes Kaufhaus im Allgäu warb. 1898 hat jemand das Grundstück gekauft und ein Haus mit einem Erker und einer Zwiebelhaube geplant. Aber die Stadt fand die Wand zu lang. Dann hat ein Uhrmacher das Haus gebaut. Später hat man die Giebel und die Zwiebelhaube wieder abgebaut, aus Gründen der Statik, also der Standfestigkeit. Heute sind dort Wohnungen, Praxen und Geschäfte. Welche Geschäfte siehst du im Erdgeschoss?

Quellen

Koordinaten: 47.727474, 10.313433 · auf der Karte

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