Stadtohr

Stadtrundgang Kassel · Station 13 von 16

Palais Bellevue

1714 · palais, observatorium, landgraf karl, literatur und musik

Ausführlich

Sie stehen vor dem Palais Bellevue, Schöne Aussicht 2. Es ist eines der letzten historischen Gebäude im Stadtgebiet Kassels, das in seiner Gesamtheit eine historische Bausubstanz und Ausstattung besitzt, die in allen Teilen erhalten geblieben ist. Begonnen hat es als Sternwarte. 1714 ließ Landgraf Karl am südwestlichen Ende der barocken Oberneustadt, oberhalb der Karlsaue, ein Observatorium errichten, als Architekt gilt Paul du Ry. Es löste die astronomischen Einrichtungen von Landgraf Wilhelm IV. im Stadtschloss ab. Das Dach sah anders aus als heute. Anstelle des heutigen Mansarddaches gab es einen kreuzförmigen, flachgedeckten Aufbau mit runden Öffnungen für die Fernrohre. Schon seit 1709 bestand neben dem Palais ein Observatorium auf dem Zwehrenturm. Dann wurde es ein Wohnhaus. Das Palais Bellevue wurde früh von Personen der Hofgesellschaft bewohnt, und mit den benachbarten fürstlichen Palais der Straße Bellevue wuchs es im 18. Jahrhundert zum Schloss Bellevue zusammen. Besonders Landgraf Wilhelm IX. nutzte es und ließ es um 1790 von Simon Louis du Ry in seinen heutigen Zustand versetzen. Nachdem 1811 unter französischer Herrschaft das alte Stadtschloss abgebrannt war, ließ Jérôme Bonaparte das Schloss umbauen und nutzte es bis zu seiner Vertreibung als königliche Residenz. Nach 1866, in der Preußenzeit, folgten andere Nutzungen, etwa durch die Kunstakademie. Das Palais Bellevue überdauerte den Zweiten Weltkrieg fast unbeschadet, während das restliche Schloss stark beschädigt wurde. Die Trümmer wurden nach dem Krieg komplett abgeräumt. Von dem ehemaligen Schlossgarten ist der Frühstückspavillon erhalten. Bis 1956 gehörte das Palais dem Haus Hessen, dann verkaufte es an die Stadt Kassel. Schauen Sie auf die Vorderfront. Sie hat fünf Achsen und entspricht im Wesentlichen dem barocken Ursprungsbau. Die klassizistische Raumausstattung ist fast vollständig unverändert. Bemerkenswert sind die Rokoko-Stuckierungen in einem Saal des ersten Obergeschosses und das dreiflügelige Treppenhaus mit einem sich kreisförmig emporschraubenden Geländer. Die Nutzung: Von 1956 bis 1970 war hier die Städtische Kunstsammlung untergebracht. 1959 war das Palais der dritte Ausstellungsort der documenta neben dem Museum Fridericianum und der Orangerie. Hier war die Druckgrafik zu sehen. 1972 zog das Brüder-Grimm-Museum in das Erdgeschoss ein und schloss im Oktober 2014. Danach blieb das Palais bis auf eine Zwischennutzung durch die documenta 14 im Jahr 2017 geschlossen. Seit September 2023 ist es ein Haus für Literatur und Musik. Das Literaturhaus Kassel, das Spohr Museum und eine Stiftung für Ausstellungen sind die drei Ankernutzer. Seit November 2025 betreiben sie gemeinsam in den Ausstellungsräumen des Spohr Museums einen öffentlichen Bücherschrank.

Kurzfassung

Sie stehen vor dem Palais Bellevue, das Landgraf Karl 1714 als Observatorium errichten ließ. Als Architekt gilt Paul du Ry. Lange war hier das Brüder Grimm-Museum untergebracht. Im September 2023 wurde das Haus als Haus für Literatur und Musik neueröffnet.

Für Kinder

Du stehst vor einem Haus, das ursprünglich eine Sternwarte war. Landgraf Karl ließ es 1714 bauen, damit man von dort den Himmel beobachten konnte. Später wohnten Menschen aus der Hofgesellschaft hier, und aus dem Haus und den Nachbarhäusern wurde ein Schloss. Im Zweiten Weltkrieg wurde das Schloss stark beschädigt, das Haus hier aber fast nicht. Lange war hier ein Museum für die Brüder Grimm. Heute ist es ein Haus für Literatur und Musik. Dort gibt es einen öffentlichen Bücherschrank. Welches Buch würdest du hineinstellen?

Quellen

Koordinaten: 51.3097, 9.49389 · auf der Karte

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