Stadtohr

Stadtrundgang Jena · Station 16 von 16

Karmelitenkloster Jena

· kloster, mittelalter, reformation, bauernkrieg

Ausführlich

Sie stehen am ehemaligen Kloster zum heiligen Kreuz, dem Karmelitenkloster Jena. Hier endet dieser Rundgang, und das ist kein Zufall. Wir haben mit einem Turm begonnen, den man von überall sieht, und wir enden an einer Anlage, von der nur kleine Teile erhalten sind. Das Kloster lag an der Kirche zum heiligen Kreuz in der Siedlung Zweifelbach, südlich vor der mittelalterlichen Stadt. Bereits 1382 bestand in Jena eine Terminei der Karmeliten aus Pößneck, eine Außenstelle also. 1414 berichtete der Provinzial des Ordens, er habe ein Grundstück in Jena für eine Klostergründung erhalten. Von 1418 ist eine Urkunde erhalten, in der der Rat der Stadt Jena den Karmeliten ein Grundstück in Zweifelbach überlässt, dazu die Nutzung der Heilig-Kreuz-Kirche. Die Markgrafen Friedrich und Wilhelm von Meißen unterstützten die Gründung und wurden in jenem Jahr in eine Bruderschaft des Ordens aufgenommen. Nach denen der Dominikaner und der Zisterzienserinnen war dies das dritte Kloster der Stadt. Die Zisterzienserinnen kennen Sie schon: Ihr Kloster schloss sich nördlich an die Stadtkirche St. Michael an. In den Anfangsjahren scheinen die Bauarbeiten hier langsam vorangegangen zu sein, in späteren Zeiten konnte das Kloster von Zuwendungen und Besitz gut existieren. Wie dieser Konvent gelebt hat, lässt sich an den Funktionen ablesen. Ihm stand ein Prior vor, der im 15. Jahrhundert zugleich Lesemeister war. Das Kloster war gemäß den Ordensidealen besonders an Ausbildung orientiert, wovon Schul- und Studentenmeister sowie eine Bibliothek zeugen, die in Teilen auch nach der Auflösung erhalten blieb. Genannt werden außerdem ein Kaplan, ein Prediger und ein Küster. Gestiftet wurde vor allem für Seelenmessen. Dazu kamen geringer Grundbesitz an Ländereien, darunter einige Weinberge, und eine kleine Brauerei, vor allem für den Eigenbedarf. Dann kommt das Ende, und es kommt in zwei Schritten. 1524 brachte der Rat der Stadt den Großteil des Besitzes auf das Rathaus und verkaufte ihn: neben etwa 80 Messgewändern auch fast den gesamten Barbesitz sowie Hausrat wie Tische und Bettzeug. Der Erlös wurde der armen Bevölkerung der Stadt gegeben. Dieses Inventar von 1524 belegt, dass der Konvent zu einem gewissen Wohlstand gekommen war. Im Jahr darauf, 1525, wurde das Kloster während des Bauernkrieges geplündert und beschädigt. Danach lebten noch neun Mönche dort. 1529 war es wohl aufgelöst. Danach verfiel die Anlage und wurde teilweise als Baumaterial genutzt. Damit schließt sich der Kreis dieses Rundgangs. In dieser Stadt wurde mehrfach abgeräumt, um Platz für etwas Neues zu machen: ein Kloster, aus dem Steine für andere Häuser wurden, ein Stadtviertel am Eichplatz, das 1969 für einen Turm fiel, ein Werksgelände, auf dem heute eine Universität lehrt. Danke, dass Sie mitgegangen sind.

Kurzfassung

Sie stehen am ehemaligen Karmelitenkloster, dem Kloster zum heiligen Kreuz. Es bestand vom 15. bis zum 16. Jahrhundert in der Siedlung Zweifelbach, südlich vor der Stadt. 1418 überließ der Rat der Stadt den Karmeliten das Grundstück, 1529 war es aufgelöst. Erhalten sind nur kleine Teile.

Für Kinder

Hier stand früher ein Kloster. Mönche wohnten darin, sie hießen Karmeliten. Die Stadt schenkte ihnen 1418 ein Grundstück, und sie durften auch die Kirche daneben nutzen. Die Mönche hatten eine Bibliothek und eine kleine Brauerei. 1524 holte der Rat der Stadt fast alles aus dem Kloster und verkaufte es. Das Geld bekamen die armen Leute in Jena. 1525 wurde das Kloster im Bauernkrieg geplündert, und 1529 war es leer. Die Steine nahmen die Leute für andere Häuser mit. Wo sind die Steine wohl hin?

Quellen

Koordinaten: 50.9261064, 11.5843865 · auf der Karte

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