Stadtohr

Stadtrundgang Jena · Station 5 von 16

Johannistor

· stadtmauer, stadttor, mittelalter, studenten

Ausführlich

Sie stehen vor dem Johannistor. Von der Stadtbefestigung Jenas ist dies das einzige noch weitgehend erhaltene Tor, und die Mauer, zu der es gehört, ist über 700 Jahre alt. Erstmals urkundlich erwähnt wurde der westliche Torturm 1304. Im 15. Jahrhundert baute man ihn nach spätgotischem Vorbild um und setzte einen Erker an. Jetzt die Maße, denn sie erklären, wie so ein Tor funktioniert. Der Grundriss ist fast quadratisch, 7,72 auf 7,85 Meter Kantenlänge. Die Gesamthöhe beträgt 31,70 Meter. Das steinerne Kegeldach ist 9,20 Meter hoch und sitzt auf dem angedeuteten Umgang, der 22,50 Meter über dem Boden liegt. Laut Baugutachten wiegt der Turm 2.181 Tonnen. Und nun das Entscheidende: Der einzige Zugang in den Turm führte vom Wehrgang der Stadtmauer über eine schmale Pforte, 7,75 Meter über dem Boden. Vom Boden aus kam man nicht hinein. Im Inneren geht es über Leitern und Treppen weiter nach oben. Über der Durchfahrt liegt ein steinernes Gewölbe, in dessen Zentrum sich eine Gussöffnung befindet. Durch sie konnte man nach unten wirken, auf jeden, der im Torweg stand. Die weiteren Geschosse sind mit hölzernen Balken und Decken abgeschlossen, erhellt werden sie überwiegend durch schmale Schlitzfenster. Auch in der Turmspitze sitzen Öffnungen, als Rauchabzug. Denn im Mittelalter nutzte die Stadtwache den Turm, und die hatte auch die Brandwache für das Stadtgebiet zu gewährleisten. Schauen Sie jetzt an die Fassade. Auf steinernen Konsolsteinen ragt der Erker heraus. Im Volksmund heißt er Käsekorb. Einst schmückte den Turm auch eine Heiligenfigur unter einem steinernen Baldachin, von dem noch Reste erkennbar sind. Die Turmspitze ist als Giebelblume ausgeführt und trug stets eine Wetterfahne. Eine umfassende Sanierung wurde 1816 vorgenommen, die letzte 2001 abgeschlossen. Nun zur Lage. Anfang des 19. Jahrhunderts wurde das äußere Vortor entfernt, weil der Verkehr zunahm. Außen vor dem Tor lag die Johannisvorstadt, eine von ehemals vier Vorstädten Jenas. Weiter nach Westen führte eine Handelsstraße durch die heutige Wagnergasse nach Weimar und weiter nach Erfurt. Nach innen gelangt man über die Johannisstraße zur Stadtkirche St. Michael, an der wir eben waren. Bis zum Abriss der Häuser auf der Südseite der Johannisstraße im Juni 1969 war das Johannistor der einzige westliche Zugang zur Jenaer Altstadt. Dieser Juni 1969 ist derselbe Monat, in dem das Viertel am Eichplatz für den Turm fiel, den Sie von hier aus sehen. In unmittelbarer Nachbarschaft steht der 2004 erbaute Philisterbrunnen. Und noch etwas: Unter den Studenten in Jena gibt es den Brauch, nicht durch dieses Tor zu gehen. Einem Aberglauben nach besteht man die nächste Prüfung nicht, wenn man hindurchschreitet. Achten Sie darauf, wer hier außen herumgeht.

Kurzfassung

Sie stehen vor dem Johannistor, dem einzigen noch weitgehend erhaltenen Stadttor Jenas. Erstmals urkundlich erwähnt wurde der westliche Torturm 1304. Er ist 31,70 Meter hoch und wiegt laut Baugutachten 2.181 Tonnen. Über einen rekonstruierten Wehrgang ist er mit dem Pulverturm verbunden.

Für Kinder

Das ist das Johannistor, ein altes Stadttor. Früher war die ganze Stadt von einer Mauer umgeben, und wer hinein wollte, musste durch ein Tor. Von den Toren in Jena steht nur noch dieses. Der Turm ist fast 32 Meter hoch und wiegt 2.181 Tonnen. Eine Tür unten gab es nicht. Man kam nur über die Stadtmauer hinein, durch eine schmale Pforte, die fast acht Meter über dem Boden liegt. Oben wachte die Stadtwache und hielt Ausschau nach Feuer. Hättest du Lust, da hinaufzuklettern?

Quellen

Koordinaten: 50.9294, 11.5841 · auf der Karte

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