Stadtohr

Stadtrundgang Jena · Station 4 von 16

Botanischer Garten Jena

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Ausführlich

Sie stehen im Botanischen Garten Jena. Viereinhalb Hektar, etwa 12.000 verschiedene Pflanzen, der zweitälteste botanische Garten Deutschlands. Am Anfang stand kein Schönheitssinn, sondern ein Rezept. Die Medizinische Fakultät brauchte frische Kräuter. Johannes von Schröter, der erste Rektor der Universität, bat 1579 den Kurfürsten August von Sachsen um einen Garten mit Kräutern, Früchten und fremden Gewächsen. 1586 wurde er als Hortus Medicus angelegt und später als Hortus Botanicus eröffnet. Eine Quelle über diesen Garten nennt 1548 als Gründungsjahr der Universität, eine Quelle über die Stadt nennt 1558. Ich nenne Ihnen beide Angaben und sage dazu, dass es zwei gibt. Um 1630 wurde der Garten erneuert und erweitert, vor allem durch Werner Rolfinck, der zwei Jahre zuvor aus Padua berufen worden war. 1640 überließ Herzog Wilhelm der Vierte der Universität ein weiteres Gelände nördlich der Stadtmauern, den Fürstengarten. 1674 erhielt der Collegiengarten ein beheizbares Gewächshaus, und erst damit konnten tropische Pflanzen überwintern. 1770 wurde die binäre Namensgebung von Linné eingeführt. Und dann kommt Goethe. 1776 an den Weimarer Hof berufen, erhielt er am 24. Oktober die Oberaufsicht über die Anstalten für Wissenschaft und Kunst und vom Herzog Carl August den Auftrag, in Jena eine Botanische Anstalt einzurichten. Er hielt sich oft im Garten auf, zu botanischen Studien und zur dichterischen Muße. Angeregt durch den Botaniker August Johann Georg Carl Batsch half er, dessen Neuentwurf der Anlage umzusetzen. Der Garten sollte nicht mehr Lebensgemeinschaften zeigen, sondern die Verwandtschaft der Pflanzen. Daraus wurde später Goethes Metamorphose der Pflanzen. 1794 wurde Batsch Direktor. Goethe veranlasste eine Wasserleitung vom Stadtgraben auf die Anhöhe des Gartens, die sich als umständlich erwies. In Mangelzeiten musste Wasser aus der Leutra und der Saale angefahren werden. Batsch starb 1803 mit 42 Jahren. Sein Nachfolger Franz Josef Schelver verließ die Stadt fluchtartig, nachdem er in den Wirren der Schlacht bei Jena und Auerstedt am 14. Oktober 1806 von den Franzosen ausgeplündert worden war. Der Garten hatte schwere Kriegsschäden, das botanische Kabinett war vollständig ruiniert. Aus dem Jahr 1819 sind Daten über den Bestand erhalten: etwa 50 Topfpflanzen in einem einzigen Gewächshaus und etwa 200 Freilandpflanzen, versorgt von zwei Tagelöhnern. Bis 1836 hatte Friedrich Siegmund Voigt den Garten nach dem System von Jussieu umgestaltet und das Alpinum angelegt. Die Wissenschaftshistorikerin Ilse Jahn urteilt, der Garten habe sich in der ersten Hälfte des 19. Jahrhunderts langsamer entwickelt als andere, weil stets nur bescheidene Mittel zur Verfügung standen. Der Etat war so hoch wie das Jahresgehalt des Direktors.

Kurzfassung

Sie stehen im Botanischen Garten Jena, dem zweitältesten botanischen Garten Deutschlands. Angelegt wurde er 1586 als Hortus Medicus, als Garten mit Heilpflanzen. Heute wachsen hier auf viereinhalb Hektar etwa 12.000 verschiedene Pflanzen. Der Garten gehört der Friedrich-Schiller-Universität.

Für Kinder

Du bist in einem Garten, in dem etwa 12.000 verschiedene Pflanzen wachsen. Angelegt wurde er im Jahr 1586, also vor mehr als vierhundert Jahren. Der Grund war ganz praktisch: Die Ärzte an der Universität brauchten frische Kräuter für ihre Arzneien. Später kamen Pflanzen aus fernen Ländern dazu. Weil es im Winter kalt ist, baute man 1674 ein Gewächshaus, das man heizen konnte. Auch Goethe ist hier oft spazieren gegangen und hat Blätter und Blüten untersucht. Welche Pflanze hier gefällt dir am besten?

Quellen

Koordinaten: 50.9311, 11.5861 · auf der Karte

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