Sie stehen auf dem Ernst-Abbe-Platz. Nehmen Sie sich einen Moment für den Boden unter Ihren Füßen. Dies ist das Gelände des ehemaligen Hauptwerks von Carl Zeiss. Namensgeber des Platzes ist Ernst Abbe, Physiker, Statistiker, Optiker, Industrieller und Sozialreformer. Der Platz markiert einen städtebaulichen Neuanfang nach dem Niedergang des industriellen Sektors in Folge der politischen Wende auf dem Gebiet der DDR. Das ist der Satz, hinter dem die Geschichte dieser Stadt in den letzten Jahrzehnten steckt. Jena begann sich ab dem Bau der Saalbahn 1874 zu einer Industriestadt zu entwickeln. Sie wurde ein Zentrum der deutschen Optik- und Feinmechanikindustrie rund um Carl Zeiss. Das Kombinat Carl Zeiss hatte seinerzeit etwa 60.000 Mitarbeiter und war das größte Kombinat der DDR. Nach der Wiedervereinigung 1990 wandelte sich Jena vom Industrie- zum Bildungs- und Wissenschaftszentrum. Was mit einem Werksgelände passiert, wenn das Werk kleiner wird, sehen Sie hier: Die Universität entwickelte sich zur Stadtuniversität, und ihre Gebäude rahmen heute diesen weitgehend straßenverkehrsfreien Platz. Auf engem Raum liegen hier der Abbe-Hörsaal als Audimax, eine Mensa des Studentenwerks und Geschäftsstellen des Einzelhandels. Neben der Straßenbahnhaltestelle führt ein Eingang in das Einkaufszentrum Goethe Galerie. Auch die Konzernzentrale der Jenoptik AG liegt an diesem Platz, führt aber die Postanschrift Carl-Zeiss-Straße 1. Viele der Gebäude ringsum stehen unter Denkmalschutz, darunter Bau 15, Bau 36 und Bau 59. Im Jahr 1995 installierte der Objektkünstler Frank Stella auf Anregung von Lothar Späth mehrere Metallplastiken auf dem Platz. Gehen Sie einmal um sie herum, sie sehen von jeder Seite anders aus. Und nun eine Jenaer Besonderheit, die man kaum glauben will. Die Ernst-Abbe-Hochschule, das Ernst-Abbe-Denkmal, das Abbeanum, das Ernst-Abbe-Gymnasium und die städtische Ernst-Abbe-Bücherei liegen allesamt nicht am Ernst-Abbe-Platz. Der Mann hat in dieser Stadt so viele Einrichtungen nach sich benannt bekommen, dass der Platz, der seinen Namen trägt, keine einzige davon enthält. Wen das ärgert, der kann es gleich prüfen: Das Denkmal für Abbe ist eine Station dieses Rundgangs, und es steht woanders.
Sie stehen auf dem Ernst-Abbe-Platz, dem Gelände des ehemaligen Hauptwerks von Carl Zeiss. Benannt ist er nach dem Physiker, Optiker und Sozialreformer Ernst Abbe. Heute umrahmen vor allem Universitätsgebäude den Platz. 1995 stellte der Objektkünstler Frank Stella hier Metallplastiken auf.
Du stehst auf einem großen Platz ohne Autos. Früher war hier eine Fabrik: das Hauptwerk der Firma Carl Zeiss, in dem Linsen, Mikroskope und Ferngläser gebaut wurden. Zu DDR-Zeiten arbeiteten dort etwa 60.000 Menschen. Nach 1990 wurde die Fabrik viel kleiner, und die Universität zog in die Gebäude ein. Heute gehen hier Studenten zur Vorlesung und zum Mittagessen. Auf dem Platz stehen Figuren aus Metall, die ein Künstler 1995 aufgestellt hat. Geh einmal darum herum. Sehen sie von jeder Seite gleich aus?
Koordinaten: 50.92817307, 11.58203316 · auf der Karte