Stadtohr

Stadtrundgang Jena · Station 14 von 16

Astrophysikalisches Institut und Universitäts-Sternwarte Jena

1813 · sternwarte, astronomie, goethe, universität

Ausführlich

Sie stehen vor dem Astrophysikalischen Institut und der Universitäts-Sternwarte Jena, kurz AIU. Die Anfangsgeschichte ist in einem Satz erzählt und doch merkwürdig. Im Auftrag von Herzog Karl August von Sachsen-Weimar-Eisenach ließ Johann Wolfgang von Goethe eine Sternwarte im Stadtgebiet von Jena einrichten. Der erste Bau wurde 1813 errichtet, und zwar als Anbau am Hause von Friedrich Schiller. Halten Sie das einen Moment fest. Die Jenaer Astronomie beginnt als Anbau an einem Dichterhaus, veranlasst von einem anderen Dichter, der hier im Dienst des Herzogs für Wissenschaft und Kunst zuständig war. Goethe ist uns auf diesem Rundgang schon im Botanischen Garten begegnet, und Schiller begegnen wir gleich an der nächsten Station. Erster Direktor war Karl Dietrich von Münchow, der von 1778 bis 1836 lebte. 1889 wurde ein Neubau auf einem Nachbargrundstück errichtet. Die Liste der Direktoren verbindet diese Station mit mehreren anderen dieses Rundgangs. Johannes Friedrich Posselt leitete das Haus von 1819 bis 1823. Von 1877 bis 1900 war es Ernst Abbe, derselbe Mann, dessen Gedenkhalle am Carl-Zeiß-Platz steht und nach dem der Platz auf dem alten Zeiss-Gelände benannt ist. Ein Optiker und Industrieller als Sternwartendirektor: In dieser Stadt passt das zusammen, denn Linsen für Mikroskope und Linsen für Teleskope stammen aus derselben Werkstatt. Heinrich Vogt folgte von 1929 bis 1933, Heinrich Friedrich Siedentopf von 1933 bis 1945, und seit 2003 leitet Ralph Neuhäuser das Institut. Nun das Problem, das jede Stadtsternwarte irgendwann hat: Licht. In Jena ist optische Astronomie aufgrund der Lichtverschmutzung nicht mehr möglich. Seit 1962 betreibt das Institut deshalb eine Außenstelle im etwa zehn Kilometer westlich gelegenen Dorf Großschwabhausen. Die Beobachtungsstation liegt dort im Wald auf der Hochfläche und bietet für mitteleuropäische Verhältnisse zumindest erträgliche Bedingungen. Das größte Teleskop ist ein Spiegelteleskop mit einem Hauptspiegeldurchmesser von 90 Zentimetern, das sich zu einer Schmidt-Kamera mit einer Apertur von 60 Zentimetern umbauen lässt. Daran können CCD-Kameras, Glasfaser-Spektrometer und Photon-Counting-Kameras angeschlossen werden. Seit 2006 wird dort wieder allnächtlich beobachtet. Die Stadt, die sich Lichtstadt nennt, hat ihre Sterne also aus dem eigenen Licht hinausgeschoben.

Kurzfassung

Sie stehen vor der Universitäts-Sternwarte Jena. Im Auftrag von Herzog Karl August ließ Johann Wolfgang von Goethe hier eine Sternwarte einrichten. Der erste Bau wurde 1813 errichtet, als Anbau am Hause von Friedrich Schiller. 1889 entstand ein Neubau auf dem Nachbargrundstück.

Für Kinder

Hier war die Sternwarte der Universität. Von einer Sternwarte schaut man mit einem Fernrohr in den Himmel. Eingerichtet hat sie Johann Wolfgang von Goethe, im Auftrag des Herzogs. Das erste Gebäude wurde 1813 gebaut, und zwar als Anbau an das Haus des Dichters Friedrich Schiller. Heute kann man von hier aus kaum noch Sterne beobachten, denn in der Stadt sind zu viele Lampen an. Deshalb steht das große Fernrohr seit 1962 in einem Dorf im Wald, zehn Kilometer weiter. Wie viele Sterne siehst du abends über deinem Haus?

Quellen

Koordinaten: 50.92527, 11.58277 · auf der Karte

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