Stadtohr

Stadtrundgang Heilbronn · Station 12 von 16

Haus Schulz (Heilbronn)

1912 · jugendstil, kino, käthchen, verfolgung

Ausführlich

Sie stehen an der Kaiserstraße, gegenüber dem Marktplatz. Hier stand das Haus Schulz, ein Jugendstilbau von 1912, den der Architekt Ludwig Knortz für den Stuttgarter Bankier Paul Schulz entwarf. Es beherbergte das größte Kino Heilbronns. Nachbar war die Sicherer’sche Apotheke. Der Ort hat eine lange Geschichte. Schon 1621 ist hier das Patrizierhaus des Schultheißen Ludwig Imlin belegt, der einen Privatbrunnen anlegen ließ. 1635 bis 1649 gilt das Gebäude als Haus des Bürgermeisters Spölin. 1746 entstand ein viergeschossiges Fachwerkhaus, in dem um 1800 Charlotte Elisabethe Zobel lebte. Sie gilt als das Ur-Käthchen, als Vorlage für Kleists Käthchen von Heilbronn. Ihr Wappenstein ist erhalten. 1911/12 wurde das Haus abgerissen, um Platz für den Neubau zu machen. Zur Fassade: Das Erdgeschoss war nüchtern gehalten, darüber bestimmten geometrische Formen des Jugendstils die Fassade, ein kräftiger Konsolfries setzte das letzte Obergeschoss ab, und über dem Kranzgesims lag eine Veranda mit offener Säulenstellung. Ab 1914 gab es im Hintergebäude das Central-Theater, ein Kino. 1922 war es eines von drei Heilbronner Lichtspielhäusern. Bis 1919 war die Kolonialwarenfirma J. Koch im Haus, seit 1920 Kaiser’s Kaffee Geschäft. Am 6. August 1931 eröffnete nach einem Umbau die Neue Filmbühne. Im Haus wohnte auch der jüdische Arzt Oskar Moos, der hier seine Privatpraxis führte. 1933 musste er sie aufgeben. Am 2. Februar 1939 wanderten er und seine Frau Else nach Holland aus. 1943 wurden sie nach Westerbork und dann nach Theresienstadt deportiert, wo sie im Mai 1945 befreit wurden. Zwei seiner Söhne starben im KZ Auschwitz, Kurt 1942 und Hans Otto Hermann 1945. Das Jugendstilhaus wurde 1944 beim Luftangriff zerstört. Nach dem Krieg entstand ein Geschäftshaus mit Metallfassade, 1986 erhielt es eine Sandsteinfassade mit Erker. Heute ist dort eine Filiale der Kreissparkasse Heilbronn.

Kurzfassung

Sie stehen an der Kaiserstraße, gegenüber dem Marktplatz. Hier stand das Haus Schulz, ein Jugendstilbau von 1912 des Architekten Ludwig Knortz. Es beherbergte das größte Kino Heilbronns und wurde 1944 zerstört. Heute steht hier ein Geschäftshaus von 1986.

Für Kinder

Hier stand ein großes Haus im Jugendstil, gebaut 1912. Darin war das größte Kino der Stadt. Früher lebte hier um 1800 Charlotte Elisabethe Zobel. Sie gilt als Vorlage für das Theaterstück Das Käthchen von Heilbronn. Im Krieg, 1944, wurde das Haus bei einem Luftangriff zerstört. Danach baute man ein neues Geschäftshaus. 1986 bekam es eine Fassade aus Sandstein mit einem Erker. Heute ist dort eine Filiale der Kreissparkasse. Was würdest du in einem Kino am liebsten anschauen?

Quellen

Koordinaten: 49.141867, 9.218409 · auf der Karte

Kartendaten © OpenStreetMap-Mitwirkende, ODbL. Routing: Valhalla auf OSM-Daten. Objektdaten: Wikidata (CC0). Fotos: Wikimedia Commons, Urheber und Lizenz je Bild.