Stadtohr

Stadtrundgang Hamburg · Station 7 von 16

Orgel der Hauptkirche Sankt Jacobi

1693 · orgel, barock, schnitger, bach

Ausführlich

Sie stehen vor der Orgel der Hauptkirche Sankt Jacobi. Der Orgelbauer Arp Schnitger baute sie von 1689 bis 1693. Sie hat vier Manuale, Pedal und 60 Register, darunter 15 Zungenstimmen, mit insgesamt knapp viertausend klingenden Pfeifen. Sie ist das größte Orgelwerk aus der Zeit vor 1700 und zählt zu den bedeutendsten erhaltenen Barockorgeln. Schauen Sie auf die Schauseite, den Prospekt. Er ist das größte erhaltene Beispiel des Hamburger Prospekts. Typisch sind die symmetrische Anlage mit den großen seitlichen Pedaltürmen und die Höhenstaffelung der Manualwerke. Die Orgel hat Vorgänger. Wann die erste gebaut wurde, ist nicht dokumentiert. Um 1300 ist ein „Meister Rudolf“ als Organist bezeugt, und von 1512 bis 1516 wurde eine zweimanualige Orgel gebaut. Aus dem Vorgängerinstrument übernahm Schnitger 27 Register, von denen das älteste noch von 1516 stammt. Die übrigen baute er selbst und erweiterte das Instrument auf 60. Gegen den Rat von Johann Adam Reincken, Organist an Sankt Katharinen, erhielt das Pedal einen Principal und eine Posaune in 32 Fuß, die als besonders prestigeträchtig galten. Der Bau kostete 29.108 Mark. Und dann Bach. 1720 bewarb sich Johann Sebastian Bach um die Organistenstelle an Sankt Jacobi. Er bekam sie nicht. Johann Joachim Heitmann erhielt sie, weil er im Gegensatz zu dem berühmt gewordenen Mitbewerber der Kirchenkasse 4000 Mark zahlen konnte und außerdem die Tochter des Hauptpastors heiratete. Der Hauptpastor Erdmann Neumeister hielt dazu eine Strafpredigt, die Johann Mattheson überliefert. Selbst wenn einer der Engel von Bethlehem vom Himmel käme, göttlich spielte und Organist werden wollte, aber kein Geld hätte, so möge er nur wieder davonfliegen. Belegt ist, dass Bach an der großen Orgel der benachbarten Katharinenkirche spielte. Der Zustand der Jacobi-Orgel war vorübergehend nicht gut, und Bach reiste vor dem offiziellen Probespiel ab. Im 20. Jahrhundert wäre die Orgel beinahe verloren gegangen. 1917 mussten die Prospektpfeifen im Ersten Weltkrieg für Kriegszwecke abgegeben werden. 1919 entdeckte Hans Henny Jahnn bei einem Spaziergang mit seinem Freund Gottlieb Friedrich Harms die „trostlos abgetakelte“ Orgel. Als Harms auf ihr spielte, erkannte Jahnn ihren Wert. Die beiden erfuhren, dass sie abgerissen und durch einen Neubau ersetzt werden sollte, und schrieben sofort an den Kirchenrat. Im Zweiten Weltkrieg brannte die Kirche vollständig aus. Gerettet wurden die klangbestimmenden Teile, weil man Windladen, Pfeifenwerk und Schnitzereien 1942 ausgelagert hatte. Verloren gingen das Gehäuse Schnitgers, die Balganlage und der Spieltisch von 1774. 1950 wurde die Orgel provisorisch im Südschiff aufgestellt, 1961 stand sie wieder an alter Stelle im Westen des Hauptschiffs.

Kurzfassung

Sie stehen vor der Orgel der Hauptkirche Sankt Jacobi. Arp Schnitger baute sie von 1689 bis 1693. Sie hat vier Manuale, 60 Register und knapp viertausend klingende Pfeifen. Es ist das größte Orgelwerk aus der Zeit vor 1700 und eine der bedeutendsten erhaltenen Barockorgeln.

Für Kinder

Du stehst vor einer riesigen Orgel. Ein Orgelbauer namens Arp Schnitger hat sie vor mehr als dreihundert Jahren gebaut. Sie hat knapp viertausend Pfeifen. Kannst du dir so viele Pfeifen vorstellen? Der berühmte Johann Sebastian Bach wollte hier einmal Organist werden. Er bekam die Stelle nicht. Der andere Bewerber zahlte der Kirche viel Geld. Im Krieg brannte die Kirche ab. Die wichtigsten Teile der Orgel waren vorher in Sicherheit gebracht worden. Deshalb gibt es sie noch heute.

Quellen

Koordinaten: 53.550366, 10.000302 · auf der Karte

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