Sie stehen vor dem Deutschen Schauspielhaus im Stadtteil St. Georg. Mit 1200 Plätzen ist es das größte Sprechtheater Deutschlands. Zur Jahreszahl gibt es zwei Angaben: Wikidata nennt 1901, andere Quellen den 15. September 1900. Ich nenne Ihnen die ältere. Dieses Haus ist eine Bürgerinitiative. Hamburg entwickelte sich ab den 1870er Jahren zu einer modernen Stadt von Weltformat, und das gewachsene Selbstbewusstsein des Großbürgertums verlangte nach einem repräsentativen Theater. Bis dahin gab es ein Sprechtheater und das Stadttheater, in denen Unterhaltung und Oper gepflegt wurden. Der Theatermanager Bernhard Pollini leitete beide und besaß ein Theater-Monopol. Es endete erst mit seinem Tod 1897. Der Verein Hamburger Bürger zu St. Georg und der Theaterkritiker Heinrich E. Wallsee planten dann ein Sprechtheater nach dem Vorbild des Wiener Burgtheaters. Im Juni 1899 wurde die Aktiengesellschaft Deutsches Schauspielhaus mit 84 Teilhabern gegründet. Man wählte die Wiener Architekten Ferdinand Fellner und Hermann Helmer. Sie bauten ein neobarockes Haus für eine gute Million Mark, nach dem Vorbild des Deutschen Volkstheaters in Wien. Ursprünglich hatte es 1831 Zuschauerplätze. Erster Intendant wurde Baron Alfred von Berger, bis dahin Literaturprofessor in Wien. Am 15. September 1900 war die Eröffnung: ein Prolog Bergers, Beethovens Die Weihe des Hauses und Goethes Iphigenie auf Tauris. Im ersten Jahrzehnt spielte man vor allem Klassiker, Shakespeare, Goethe, Schiller. Einziges Manko waren die langen Aufführungen. Wegen der Umbaupausen dauerten sie bis zu sechs Stunden, auch weil Bergers Bühnenbilder aufwendig und detailfreudig waren. Als Berger 1910 nach Wien zurückging, begann die Moderne. Carl Hagemann wollte das Dichterwort in den Mittelpunkt stellen, mit weniger prachtvollen Bühnenbildern. Die Kritik war begeistert, das Publikum trauerte Berger nach. Nach drei Jahren gab Hagemann auf. Die Weimarer Jahre waren hart. Die neuen Lichtspieltheater wurden zu einer ernstzunehmenden Konkurrenz, und die 1920er Jahre waren finanziell besonders kritisch. 1928 stand das Haus vor dem Bankrott und wurde mit dem Thalia Theater zusammengelegt, unter Hermann Röbbeling. 1929 kam es zum größten Theaterskandal seiner Geschichte. Ferdinand Bruckners Stück Die Verbrecher wurde von nationalsozialistischen Kreisen unter Führung von Bürgerschaftsabgeordneten der NSDAP gesprengt. Nach nur elf Vorstellungen wurde es abgesetzt. 1932 trennte man die beiden Häuser wieder. 1934 wurde das Schauspielhaus verstaatlicht und damit vor dem Bankrott gerettet. Zum Namen: Er knüpft an das Hamburger Nationaltheater an, das Mitte des 18. Jahrhunderts von Bürgern betrieben wurde und an dem Gotthold Ephraim Lessing als Dramaturg arbeitete.
Sie stehen vor dem Deutschen Schauspielhaus im Stadtteil St. Georg. Mit 1200 Plätzen ist es das größte Sprechtheater Deutschlands. Bürger gründeten dafür eine Aktiengesellschaft, die Wiener Architekten Fellner und Helmer planten den neobarocken Bau. Eröffnet wurde das Haus am 15. September 1900.
Du stehst vor dem größten Sprechtheater Deutschlands. Hier passen 1200 Menschen hinein. Bezahlt haben es Hamburger Bürger. Sie wollten ein Sprechtheater, ein Haus für Schauspieler und Theaterstücke. 1900 war die Eröffnung, mit einem Stück von Goethe. Am Anfang dauerten die Vorstellungen bis zu sechs Stunden, weil man die Bühne so oft umbauen musste. Stell dir vor, du müsstest so lange still sitzen. Der Name erinnert an ein altes Hamburger Theater, an dem Gotthold Ephraim Lessing als Dramaturg arbeitete.
Koordinaten: 53.55430556, 10.00886111 · auf der Karte