Stadtohr

Stadtrundgang Gotha · Station 12 von 16

Winterpalais (Gotha)

1822–1823 · palais, klassizismus, herzogin caroline, abriss

Ausführlich

Sie stehen am Winterpalais in der Friedrichstraße 2. Das klassizistische Stadtschloss wurde überwiegend 1822 erbaut und galt als bedeutendes Kulturdenkmal. 2010 wurde es zu weiten Teilen abgerissen und durch einen 2014 fertiggestellten Neubau ersetzt. Vorgängerbauten sind schon auf einer Stadtansicht von etwa 1730 zu erkennen. Damals lag das Grundstück außerhalb der Stadtbefestigung, vor dem Siebleber Tor. 1798 erwarb Herzog Ernst II. von Sachsen-Gotha-Altenburg das Wohnhaus, um es als Gästehaus zu nutzen. Nach der Besetzung Hessen-Kassels durch Napoleon 1806 floh das hessische Kurfürstenpaar ins Exil. Die Kurfürstin Wilhelmine Karoline verbrachte diese Jahre bei ihrer jüngeren Tochter Caroline Amalie in Gotha und wurde zeitweise im Winterpalais untergebracht, das 1811 dafür wesentlich erweitert wurde. 1813 kehrte das Kurfürstenpaar nach Kassel zurück. Das Palais wurde nun immer öfter von Herzogin Caroline bewohnt. 1821 schenkte Herzog Emil August seiner Frau das Winterpalais und das gegenüberliegende Schloss Friedrichsthal als Sommerresidenz. Am 17. Mai 1822 starb Emil August. Seine Witwe wünschte einen Anbau: 38 heizbare Zimmer samt Speisesaal, 25 Kammern und Kabinette, eine Remise für vier Wagen und Stallungen für acht Pferde. Der Hofbaurat Heinrich Andreas Poersch legte drei Pläne vor. In Betracht kam nur Plan III, weil sein Kostenanschlag nicht mehr als 8475 Taler erforderte. Am 19. August 1822 genehmigte Herzog Friedrich IV. ihn. 1823 war der Bau weitgehend abgeschlossen. Mit der nördlichen Verlängerung, dem Seitenflügel mit Durchfahrt, einem neuen Treppenhaus und neu gestalteten klassizistischen Fassaden war praktisch ein Neubau entstanden. Im August 1845 besuchten die britische Königin Victoria und ihr Mann Prinz Albert Alberts geliebte Stiefgroßmutter Caroline im Winterpalais. Am 22. Februar 1848 starb die Herzoginwitwe dort. Zur Erinnerung an seine Kindheit ließ Prinz Albert durch Ferdinand Rothbart mehrere Aquarelle der Innenräume anfertigen, wie sie zu ihren Lebzeiten aussahen. Später wohnte hier ab 1849 der Staatsminister Camillo von Seebach, bis 1888. 1937 zog die Redaktion der nationalsozialistischen Tageszeitung Gothaer Beobachter ein, 1949 die DDR-Tageszeitung Das Volk, ein Organ der Bezirksleitung der SED. 1990 ging das Palais in das Eigentum der Stadt über. Nach einer Nutzung durch einen Jugendclub bis 1991 stand es leer.

Kurzfassung

Sie stehen am Winterpalais, Friedrichstraße 2. Das klassizistische Stadtschloss wurde überwiegend 1822 erbaut. 2010 wurde es zu weiten Teilen abgerissen und durch einen 2014 fertiggestellten Neubau ersetzt. Hier wohnte die Herzogin Caroline Amalie.

Für Kinder

Dieses Haus war früher ein Stadtschloss. Eine Herzogin wohnte darin, sie hieß Caroline Amalie. Eines Tages kamen sogar die britische Königin Victoria und ihr Mann, Prinz Albert, zu Besuch, denn Caroline war Alberts Stiefgroßmutter. Das war im August 1845. Später arbeiteten hier Zeitungen. Im Jahr 2010 wurde das Haus zu weiten Teilen abgerissen, und 2014 war ein neuer Bau fertig. Wie würdest du entscheiden, ob man ein altes Haus erhält oder abreißt?

Quellen

Koordinaten: 50.9478, 10.7092 · auf der Karte

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