Stadtohr

Stadtrundgang Gotha · Station 1 von 16

Schloss Friedenstein

1643 · residenzschloss, frühbarock, ernst der fromme, kunstsammlungen

Ausführlich

Willkommen in Gotha. Wir beginnen oben, auf dem Schlossberg, denn das Schloss beherrscht das Stadtbild. Sie stehen vor Schloss Friedenstein, einer frühbarocken Vierflügelanlage und einem der bedeutendsten Schlossneubauten Deutschlands aus dem 17. Jahrhundert. Zuerst der Name. 1640 erhielt Herzog Ernst I., genannt Ernst der Fromme, bei einer Erbteilung Gotha als Hauptstadt seines neuen Herzogtums. Eine geeignete Residenz gab es nicht, also plante er früh einen Neubau. Nach den Plänen des Architekten Caspar Vogel führte der Baumeister Andreas Rudolph ihn von 1643 bis 1654 aus. Am 26. Oktober 1643, um zwölf Uhr, wurde der Grundstein gelegt. Der Herzog sehnte sich nach den Zerstörungen des Dreißigjährigen Krieges nach Frieden, und auch der Ort erzählt davon: Das Schloss steht an der Stelle des geschleiften Schlosses Grimmenstein. Zur Jahreszahl gibt es zwei Angaben: Der Grundstein wurde 1643 gelegt, Wikidata nennt 1656. Nun zur Größe. Ernst wollte nicht nur Wohn- und Repräsentationsräume, sondern auch Verwaltung, Wirtschaftsräume, Zeughaus, Münze und Kirche unter einem Dach. Die Münzstätte richtete er 1650 im Westflügel ein. Von 1654 bis 1672 wurde das Schloss befestigt. Große Teile der Kasematten sind erhalten und können besichtigt werden. Später kam der Garten. Nach den Vorstellungen von Herzog Ernst II. von Sachsen-Gotha-Altenburg entstand ab 1765, noch vor seiner Regentschaft, südlich des Schlosses der erste neu geplante Englische Garten auf dem europäischen Kontinent. In seiner Regierungszeit von 1772 bis 1804 trug man die Festungsanlagen ab. Im Schloss wurden eine Interims-Sternwarte und ein Physikalisches Kabinett eingerichtet, außerdem ein ständiges Theater, zu dem wir gleich kommen. Das ist Gothas Rolle: Weimar wurde das künstlerische Zentrum der ernestinischen Dynastie, Gotha ihr naturwissenschaftliches Pendant. Bis 1825 war Friedenstein Residenz der Herzöge von Sachsen-Gotha-Altenburg, danach bis 1918, neben Coburg, der Herzöge von Sachsen-Coburg und Gotha. Und Coburg kommt noch einmal vor, 1945. Mitglieder der herzoglichen Familie ließen Kunstwerke nach Coburg bringen, als Rettungsmaßnahme. Die Werke kehrten nicht zurück. Die Familie argumentiert, sie befänden sich rechtmäßig in Coburg. Die Friedenstein Stiftung Gotha bemüht sich um einvernehmliche Lösungen. Im Juli 1945 beschlagnahmte die Rote Armee einen Großteil der Kunstsammlungen, die Bibliothek mit 330.000 Hand- und Druckschriften und das Münzkabinett. Ab 1955 kamen Kunstwerke zurück, bis 1959 etwa 1,5 Millionen Objekte, darunter das Gothaer Liebespaar, das berühmteste Stück der Sammlungen.

Kurzfassung

Sie stehen vor Schloss Friedenstein, der ehemaligen Residenz der Herzöge von Sachsen-Coburg und Gotha. Die frühbarocke Vierflügelanlage entstand ab 1643 an der Stelle des geschleiften Schlosses Grimmenstein. Der Name erinnert an die Sehnsucht nach Frieden nach dem Dreißigjährigen Krieg.

Für Kinder

Du stehst vor einem riesigen Schloss. Es heißt Friedenstein. Der Herzog, der es bauen ließ, sehnte sich nach dem Dreißigjährigen Krieg nach Frieden. Darum hat das Schloss diesen Namen. Im Schloss sollte alles unter einem Dach sein: Wohnräume, Verwaltung, Wirtschaftsräume, ein Zeughaus, eine Münze und eine Kirche. Deshalb ist es so groß. Unter dem Schloss liegen Kasematten. Im Zweiten Weltkrieg suchten Menschen dort Schutz vor Bomben, heute kann man sie besichtigen. Wofür würdest du so viel Platz brauchen?

Quellen

Koordinaten: 50.9458, 10.7044 · auf der Karte

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