Stadtohr

Stadtrundgang Göttingen · Station 1 von 16

Sternwarte Göttingen

· sternwarte, universität, astronomie

Ausführlich

Willkommen in Göttingen. Wir fangen hier an, weil an diesem Haus sichtbar wird, wie die Stadt gebaut ist. Göttingen ist eine Universitätsstadt in Südniedersachsen, rund zwanzig Prozent der Einwohner sind Studenten, und die Georg-August-Universität ist die älteste und größte Universität Niedersachsens. Das erklärt die meisten Stationen dieses Rundgangs. Zur Sache. Schon 1734, in der Gründungsphase der Universität, gab es Pläne für eine Sternwarte. Als König Georg II. 1748 Göttingen besuchte, wurden die Mittel bereitgestellt. Johann Andreas von Segner richtete das Observatorium auf einem Turm der südlichen inneren Stadtmauer ein, weil man von dort freien Blick hatte. 1751 nahm es den Betrieb auf. Dieser Turm ist nicht erhalten. Dann kommt Tobias Mayer. Der Kartograph und Mathematiker übernahm 1755 die Leitung und nutzte die Sternwarte bis zu seinem frühen Tod 1762 vor allem für Mondbeobachtungen. Sein Hauptinstrument war ein Mauerquadrant: ein Viertelkreis mit beweglichem Fernrohr, in Nord-Süd-Richtung an einer Mauer befestigt. Damit messen Sie die Höhe eines Sterns über dem Horizont und die Zeit seines Durchgangs durch den Südmeridian. Das Gerät von 1756 kam aus der Londoner Werkstatt von John Bird und gilt als eines der besten seiner Zeit. Mayer erreichte damit eine Ablesegenauigkeit von etwa zwei Bogensekunden, und er teilte den Mond erstmals in Längen- und Breitengrade ein. Der Quadrant ist erhalten und steht im Institut für Astrophysik, zusammen mit einem Spiegelteleskop von Wilhelm Herschel, einem Geschenk Georgs III., das Herschel 1786 persönlich aufstellte. Nach Mayer fiel das Haus zurück. Unter Abraham Gotthelf Kästner wurde kaum beobachtet. Lichtenberg nannte es das ungenützte Observatorium zu Göttingen. Weltgeltung kam erst mit Carl Friedrich Gauß. 1819 wurde hier ein Meridiankreis eingerichtet, 1821 stellte man einige Kilometer nördlich und südlich zwei Meridianzeichen auf, an denen das Instrument ausgerichtet werden konnte. 1833 verbanden Gauß und Wilhelm Weber die Sternwarte mit dem Physikalischen Kabinett im Papendiek, mitten in der Stadt. Das war die erste Telegrafenverbindung der Welt. Schauen Sie die Südfassade entlang. Über der Terrasse für die Instrumente führt eine Freitreppe zum säulenbegleiteten Mittelteil. Die Kuppel darüber war zunächst nur Zierde und nicht zum Beobachten gedacht. Erst 1887 und 1888 ersetzte man sie durch eine bewegliche Kuppel von Howard Grubb aus Dublin. Heute arbeiten hier Graduiertenschulen der Universität. Wir gehen zu dem Friedhof, auf dem Gauß liegt.

Kurzfassung

Sie stehen vor der Universitätssternwarte an der Geismar Landstraße. Gebaut wurde sie von 1803 bis 1816, bezahlt hat sie König Georg III. Erster Direktor war Carl Friedrich Gauß, der in einem Seitenflügel auch wohnte. Bis 2005 war sie die älteste original genutzte Sternwarte Deutschlands.

Für Kinder

Du stehst vor einer Sternwarte. Das ist ein Haus, in dem Forscher den Himmel beobachten. Hier arbeitete Carl Friedrich Gauß, ein berühmter Mathematiker. Er wohnte sogar in einem Seitenflügel des Hauses. Vor ihm beobachtete Tobias Mayer von Göttingen aus den Mond und zeichnete Karten davon. Damals gab es noch kein Telefon. 1833 zogen Gauß und sein Freund Wilhelm Weber einen Draht von hier bis in die Stadt und schickten darin Zeichen hin und her. Das war die erste Telegrafenleitung der Welt. Was würdest du damit als Erstes melden?

Quellen

Koordinaten: 51.5285, 9.94308 · auf der Karte

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