Stadtohr

Stadtrundgang Görlitz · Station 1 von 16

Oberlausitzische Bibliothek der Wissenschaften

· bibliothek, aufklärung, jakob böhme, klassizismus

Ausführlich

Willkommen in Görlitz. Sie stehen vor der Oberlausitzischen Bibliothek der Wissenschaften. Vorweg ein paar Sätze zur Stadt. Görlitz ist die östlichste Stadt Deutschlands und die größte Stadt der Oberlausitz. Sie liegt an der Lausitzer Neiße, und die bildet seit 1945 die Grenze zu Polen. Die Grenze trennte die östlichen Stadtteile ab. Sie sind heute die eigenständige polnische Stadt Zgorzelec. Seit 1998 bilden beide Städte zusammen eine Europastadt. Görlitz blieb im Zweiten Weltkrieg von Zerstörungen fast völlig verschont. An den Häusern der Altstadt erkennt man alle wesentlichen Phasen der mitteleuropäischen Baustile, Spätgotik, Renaissance und Barock. Mit über viertausend großteils restaurierten Denkmalen gilt Görlitz oft als das flächengrößte zusammenhängende Denkmalgebiet Deutschlands. Wegen dieses Stadtbildes wird es häufig als Filmkulisse genutzt, man spricht von Görliwood. Nun zur Bibliothek. Am 21. April 1779 trafen sich in Görlitz, damals eine Stadt mit etwa siebeneinhalbtausend Einwohnern, zwanzig Vertreter des gebildeten Bürgertums und des aufgeklärten Adels. Sie gründeten eine wissenschaftliche Gesellschaft, ab 1792 hieß sie Oberlausitzische Gesellschaft der Wissenschaften. Die Anregung kam vom siebenundzwanzigjährigen Juristen Karl Gottlob Anton und vom Naturwissenschaftler Adolf Traugott von Gersdorff. Beide überließen der Gesellschaft ihre Bibliotheken, jeweils rund zehntausend Bände. Aus Gersdorffs Erbe stammt die umfangreichste Sammlung zum Blitzschutz des 18. Jahrhunderts. Anton kaufte 1804 dieses Haus und stellte es der Gesellschaft ein Jahr später für ihre wachsenden Sammlungen zur Verfügung. Der große Büchersaal wurde 1806 bezogen. Sein Vorbild ist die Bibliothek der Franckeschen Stiftungen in Halle. Die Grundidee folgt der barocken Theaterarchitektur: Triumphbögen des Wissens gliedern den Saal wie Kulissen. Prunkvoller Schmuck fehlt, allein Buchrücken zieren den Raum. Die älteren Stuckdecken wurden abgeschlagen, damit nichts von der Macht des Wortes ablenkte. Der älteste Band ist ein handschriftlicher Kodex aus dem 11. Jahrhundert mit Texten des römischen Geschichtsschreibers Sallust. Dazu kommen Inkunabeln, Flugschriften der Reformationszeit und etwa dreitausend historische Karten und Atlanten. Eine besondere Sammlung gilt Jakob Böhme, dem Mystiker und Theosophen, der von 1575 bis 1624 lebte. Zu seinen Lebzeiten wurde nur eine Schrift gedruckt, Der Weg zu Christo, 1623 in der Görlitzer Druckerei von Johannes Rhambau. Böhme begegnet uns an der Peterskirche noch einmal.

Kurzfassung

Willkommen in Görlitz. Sie stehen vor der Oberlausitzischen Bibliothek der Wissenschaften. Mit über hundertfünfzigtausend Bänden ist sie die größte Bibliothek der Stadt. Ihre Anfänge liegen in einer Gelehrtengesellschaft von 1779.

Für Kinder

Du stehst vor einer großen Bibliothek. Sie hat mehr als hundertfünfzigtausend Bücher. Das älteste ist mit der Hand geschrieben und stammt aus dem 11. Jahrhundert. Die Stadt Görlitz liegt an einem Fluss, der Neiße. Er ist die Grenze zu Polen, und Görlitz ist die östlichste Stadt Deutschlands. In dem großen Saal der Bibliothek gibt es kaum Schmuck. Man hat sogar die alten Stuckdecken abgeschlagen, damit nichts vom geschriebenen Wort ablenkt. Was glaubst du: Wie viele Bücher stehen bei dir zu Hause im Regal?

Quellen

Koordinaten: 51.1558, 14.9922 · auf der Karte

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