Stadtohr

Stadtrundgang Görlitz · Station 16 von 16

Alte Waage

1453 · waage, zoll, renaissance, handel

Ausführlich

Sie stehen vor der Waage, einem Renaissancehaus auf dem Untermarkt. Sie ist Teil der Zeile auf der Platzmitte und schließt diese baulich auf der südöstlichen Seite ab. Hier endet unser Rundgang, an dem Ort, an dem Waren gewogen und verzollt wurden. Die Waage passt dazu, denn sie steht für das, was Görlitz groß gemacht hat: den Handel an der Via Regia. Zum Alter. Wikidata nennt 1453. Es heißt, das Erdgeschoss stamme vermutlich aus diesem Jahr; das Wort vermutlich ist seins. Darauf entstand 1600 das schlichte Renaissancegebäude. Das heutige Gebäude wurde auf früherer gotischer Grundlage errichtet, was man an dem spätgotischen Gewölbe sieht, das das gesamte Erdgeschoss überspannt. Baumeister war Jonas Roskopf, ein Nachfahre des berühmten Renaissancebaumeisters Wendel Roskopf des Älteren. Schauen Sie sich die Säulen im Erdgeschoss an. Auf ihnen scheinen die ausladenderen Obergeschosse zu ruhen. Über den ionischen Kapitellen zeigt eine Säule das Abbild von Jonas Roßkopf mit einem Zirkel. Auf anderen thronen die Abbilder des Maurermeisters Elias Ebermann mit einer Kelle, des Waagemeisters mit einem Gewicht, eines Ratsherren, eines Narren und eines Liebespaares. Zum Namen des Waagemeisters gibt es zwei Schreibweisen: Eine Quelle zur Waage nennt ihn Andreas Alert, eine Quelle zum Untermarkt Andreas Wert. Im Inneren existiert ein Schlussstein mit dem Namen Bartholomäus Scultetus und der Jahreszahl 1600. Was geschah hier? In der Waage wurden einst die in der Stadt eintreffenden Waren registriert, bewertet und verzollt. Die Akzise war bis 1823 im Haus untergebracht. Danach tagte hier der Gewerbeverein, den man 1830 gründete, nach dem Untermarkt-Quelle 1831. Er nutzte die Räume für Ausstellungen, bis er in das 1871 fertiggestellte Humboldthaus umzog. In den Anfangsjahren der DDR nutzte eine sozialistische Jugendorganisation das Gebäude, die Station junger Techniker. Zwischen 1978 und 1980 wurde es saniert. Damit schließt sich der Kreis. Sie haben eine Stadt gesehen, die an der Via Regia mit Waid und Tuch zur bedeutendsten Handelsstadt zwischen Erfurt und Breslau wurde. Sie hat Brände erlebt und Türme und Tore verloren. Im Zweiten Weltkrieg blieb sie fast völlig verschont, und der Fluss, an dem sie liegt, ist seit 1945 die Grenze zu Polen.

Kurzfassung

Sie stehen vor der Waage am Untermarkt, einem Renaissancehaus am Rand der Häuserzeile. Das Erdgeschoss stammt aus dem Jahr 1453, das Haus darüber entstand 1600. Hier wurden die in der Stadt eintreffenden Waren registriert, bewertet und verzollt.

Für Kinder

Du stehst vor der Waage. Hier wurden früher Waren gewogen und bewertet, wenn sie in die Stadt kamen, und es wurde Zoll erhoben. Das Erdgeschoss ist älter als das Obergeschoss: Es stammt wohl aus dem Jahr 1453, das Obergeschoss wurde 1600 gebaut. Schau dir die Säulen im Erdgeschoss an. Auf ihnen sitzen Köpfe von Menschen: ein Baumeister mit einem Zirkel, ein Maurer mit einer Kelle, der Waagemeister mit einem Gewicht, ein Narr und ein Liebespaar. Findest du einen der Köpfe? Welchen magst du am liebsten?

Quellen

Koordinaten: 51.156525, 14.991163 · auf der Karte

Kartendaten © OpenStreetMap-Mitwirkende, ODbL. Routing: Valhalla auf OSM-Daten. Objektdaten: Wikidata (CC0). Fotos: Wikimedia Commons, Urheber und Lizenz je Bild.