Stadtohr

Stadtrundgang Gießen · Station 5 von 16

Stadttheater Gießen

· theater, jugendstil, bürgerinitiative, wiederaufbau

Ausführlich

Sie stehen vor dem Stadttheater Gießen am Berliner Platz. Es ist ein Fünfspartenhaus mit überregionaler Ausstrahlung: Oper, Musical und Operette, Schauspiel und Tanztheater. Das Große Haus hat 652 Plätze, das Kleine Haus 99. Die Geschichte beginnt bei den Bürgern. 1890 gründete sich ein Theaterverein um den Universitätsprofessor Carl Fromme, zunächst um die Theaterkultur der Stadt zu verbessern, etwa durch Gastspiele auswärtiger Ensembles. Ab 1901 wollte der Verein einen eigenen Theaterbau, aber das Geld fehlte. Im Juli 1903 wurden die Bemühungen wieder intensiviert. Die Stadt stellte ein Grundstück kostenlos zur Verfügung. Eine Bürgerinitiative forderte aus Anlass der 300-Jahr-Feier der Universität 1907 eine feste Spielstätte und spendete zwei Drittel der Baukosten. Gebaut wurde für insgesamt 630.000 Mark. Daher die Inschrift über dem Portal: Ein Denkmal bürgerlichen Gemeinsinns. Den Wettbewerb von 1905 gewann das Wiener Büro Fellner & Helmer, zusammen mit dem Gießener Architekten Hans Meyer, der die Bauleitung hatte. Am 27. Juli 1907 wurde das Theater eröffnet, unter anderem mit Wallensteins Lager von Schiller. Schauen Sie auf die Fassade. Sie ist sandfarben verputzt und erhebt sich über einem Sockelgesims aus Ettringer Tuffstein. Drei dunkelbraune Portale liegen unter einem Glasdach. Zwischen den langen, schmalen Fenstern enden schmale Pfeiler in sieben allegorischen Darstellungen: Bosheit, Hohn, Lust, Satyr, Verachtung, Witz und Zorn. Ganz oben stehen die Statuen der Thalia, der Muse des Lustspiels, und der Melpomene, der Muse des Trauerspiels. Nur die Frontfassade ist aufwendig gestaltet, die Seitenfassaden sind sehr schlicht. Am 6. Dezember 1944 fiel das Zuschauerhaus Brandbomben zum Opfer. 1951 wurde es mit Hilfe einer Theater-Tombola renoviert, dabei gingen die historischen Stilelemente verloren. Am 18. November 1951 eröffnete man mit Wagners Tannhäuser wieder. Heute ist das Stadttheater eines der wenigen erhaltenen Vorkriegsgebäude der Gießener Innenstadt.

Kurzfassung

Sie stehen vor dem Stadttheater Gießen am Berliner Platz. Das neoklassizistische, teils vom Jugendstil beeinflusste Haus wurde 1907 nach Plänen des Wiener Büros Fellner & Helmer erbaut. Bürger spendeten zwei Drittel der Baukosten. Über dem Portal steht: Ein Denkmal bürgerlichen Gemeinsinns.

Für Kinder

Du stehst vor dem Stadttheater. Es wurde 1907 eröffnet. Bürger der Stadt haben zwei Drittel der Baukosten gespendet. Darum steht über dem Eingang: Ein Denkmal bürgerlichen Gemeinsinns. Schau dir die Fassade an. Ganz oben stehen zwei Figuren: Thalia, die Muse des Lustspiels, und Melpomene, die Muse des Trauerspiels. Auf den Pfeilern sind sieben Darstellungen, zum Beispiel Bosheit, Hohn, Lust und Zorn. Im Zweiten Weltkrieg trafen Brandbomben das Haus, 1951 wurde es wieder eröffnet. Welche der Figuren findest du am spannendsten?

Quellen

Koordinaten: 50.5841, 8.6777 · auf der Karte

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