Stadtohr

Stadtrundgang Gießen · Station 12 von 16

Stadtkirche (Gießen)

· kirchturm, gotik, wahrzeichen, zerstörung

Ausführlich

Sie stehen am Turm der ehemaligen Stadtkirche. Der freistehende Glockenturm ist das älteste Gebäude der Kernstadt und gilt als Wahrzeichen Gießens. Er ist 50,70 Meter hoch. Die Geschichte beginnt mit einer Kapelle, die 1248 erstmals erwähnt wurde. Sie war dem Heiligen Pankratius und Maria geweiht und ein Filial der Peterskirche im Dorf Selters. Selters ist seit Ende des 15. Jahrhunderts von seinen Bewohnern verlassen. Als der hessische Landgraf 1265 die Stadt erwarb, wurde die Kapelle zur Stadtkirche. Der Turm entstand von 1484 bis 1520 im gotischen Stil, über dem Burggraben der 1152 errichteten Wasserburg Gießen, wie Ausgrabungen in den 1980er Jahren ergaben. Die Kuppel von etwa 1520 gilt als eines der frühesten Beispiele für eine Welsche Haube. 1527 führte Philipp der Großmütige die Reformation ein, die Stadt wurde evangelisch. Der erste lutherische Pfarrer, Daniel Greser, wirkte von 1532 bis 1542. 1699 wich die Kuppel einem barocken Helm mit einer kleinen Türmerwohnung, drei Zimmern und einer Küche. Einen Türmer gab es in Gießen bis 1910. Schauen Sie den Turm hinauf. Das Kirchenschiff daneben gibt es nicht mehr. 1785 bezeichnete der fürstliche Landbaumeister die Kirche als von elender Beschaffenheit. 1809 wurde die alte Stadtkirche abgerissen, nur der Turm blieb. Eine neue, klassizistische Kirche entstand von 1810 bis 1821 nach langem Streit; statt der veranschlagten 60.000 Gulden kostete sie 120.000. Bei den Gießenern war sie wenig beliebt. Am 6. Dezember 1944 wurde sie beim Bombenangriff vollständig zerstört. Auch der Turm brannte aus und verlor seinen Helm. Er sollte als Mahnmal ohne Helm bleiben, und das blieb er bis Ende der 1970er Jahre. 1979 wurde der dreigeschossige Helm rekonstruiert. 1947 sprengte die Baupolizei die Mauerreste, 1949 wurden die Trümmer beseitigt. Aus ihnen entstand die Pankratiuskapelle. Im unteren Turmgeschoss wurde am 6. Dezember 1952 eine Tauf- und Gedächtniskapelle eingeweiht. In einer Nische liegen drei Gedenkbücher für die Opfer der Bombardierung.

Kurzfassung

Sie stehen am Turm der ehemaligen Stadtkirche. Der freistehende Glockenturm ist das älteste Gebäude der Kernstadt und gilt als Wahrzeichen Gießens. Er ist 50,70 Meter hoch. Von der Kirche selbst blieb nach der Zerstörung am 6. Dezember 1944 nur der Turm.

Für Kinder

Du stehst vor einem Turm ohne Kirche. Früher gehörte er zur Stadtkirche. Er ist 50,70 Meter hoch und das älteste Gebäude der Gießener Kernstadt. Bis 1910 wohnte oben ein Türmer, also ein Turmwächter. Er hatte drei Zimmer und eine Küche. Am 6. Dezember 1944 zerstörte ein Bombenangriff die Kirche. Der Turm brannte aus und blieb stehen. Er verlor sein Dach, den Helm. Erst Ende der 1970er Jahre bekam er einen neuen. Wie wäre es, in einem Turm zu wohnen?

Quellen

Koordinaten: 50.587, 8.6743 · auf der Karte

Kartendaten © OpenStreetMap-Mitwirkende, ODbL. Routing: Valhalla auf OSM-Daten. Objektdaten: Wikidata (CC0). Fotos: Wikimedia Commons, Urheber und Lizenz je Bild.