Stadtohr

Stadtrundgang Gießen · Station 2 von 16

Kaiserliches Postamt Gießen

1862 · post, neugotik, denkmalschutz, sanierung

Ausführlich

Sie stehen vor der Alten Post in der Bahnhofstraße 91, dem früheren Kaiserlichen Postamt. Zuerst Dazu zwei Angaben: Wikidata nennt für den Bau das Jahr 1862, eine Quelle 1863. Ich nenne Ihnen die ältere Angabe, 1862, und sage dazu, dass es zwei gibt. Beim Anbau schwankt eine Quelle selbst zwischen 1898 und 1899. Schauen Sie auf die Fassade. Das neugotische Gebäude auf dem Seltersberg besteht aus roten Sandsteinquadern und hat drei Staffelgiebel. Ursprünglich gab es einen Mittelteil und zwei seitliche Giebel-Risalite, später wurde es symmetrisch nach Nordosten erweitert, im selben historisierenden Stil. Die Fenster des ersten Obergeschosses haben Traufleisten, die der englischen Gotik entlehnt sind. Dahinter steht das ehemalige Telegraphenamt, 1925 von der Oberpostdirektion Frankfurt geplant und von 1927 bis 1929 in den Formen der Neuen Sachlichkeit gebaut. Beide Bauten stehen unter Denkmalschutz. Bis 1994 nutzte die Bundespost die Alte Post, dann zog sie in einen Neubau direkt gegenüber. 1998 kaufte eine Gießener Unternehmerfamilie das Haus. Sie nutzte es zunächst nur sporadisch, seit 2000 gar nicht mehr. Im Dezember 2012 wurde der Gehweg gesperrt, weil die Fassade bröckelte. Die Stadt versuchte, den Eigentümer zu Sanierung oder Verkauf zu bewegen. Anfang 2016 bot sie 1,2 Millionen Euro, der Eigentümer lehnte ab. Im Januar 2017 entstand ein Fußgängertunnel, im Dezember 2017 spannte die Stadt Netze über die empfindlichen Fassadenbereiche. Im Juli 2017 gründete sich eine Bürgerinitiative, ihre Onlinepetition erreichte über 500 Unterstützende. Nach einer Umfrage der Gießener Allgemeinen Zeitung wurde das Ringen um die Alte Post zum Gießener Ereignis 2017. Seit Oktober 2018 gehört das Ensemble Kai Laumann aus Wettenberg, der ab April 2019 in Abstimmung mit der Denkmalpflege sanierte. Die Fassade blieb erhalten. Am 11. Juni 2021 eröffnete das Benediktiner Weissbräuhaus, und im alten Telegraphenamt und einem modernen Anbau sitzt der Tech-Hub des Unternehmens Klarna. Die Sanierung erhielt den 2. Platz des Hessischen Denkmalschutzpreises 2022.

Kurzfassung

Sie stehen vor der Alten Post, dem früheren Kaiserlichen Postamt in der Bahnhofstraße 91. Der neugotische Bau aus rotem Sandstein entstand Anfang der 1860er Jahre und wurde bis 1994 von der Bundespost genutzt. Heute ist er Kulturdenkmal mit Gastronomie und einem Tech-Hub.

Für Kinder

Dieses rote Haus war einmal die Post. Es steht in der Bahnhofstraße und ist über 160 Jahre alt. Es ist aus rotem Sandstein gebaut und hat drei Giebel, die wie Treppen aussehen. 1994 zog die Post aus. Danach stand das Haus lange leer, und Stücke der Fassade bröckelten. Deshalb baute man einen Tunnel für Fußgänger, damit ihnen nichts auf den Kopf fällt. Heute ist das Haus saniert: Es gibt ein Lokal darin, und nebenan arbeitet eine Technikfirma. Kannst du die drei Giebel zählen?

Quellen

Koordinaten: 50.580687, 8.664997 · auf der Karte

Kartendaten © OpenStreetMap-Mitwirkende, ODbL. Routing: Valhalla auf OSM-Daten. Objektdaten: Wikidata (CC0). Fotos: Wikimedia Commons, Urheber und Lizenz je Bild.