Stadtohr

Stadtrundgang Fürth · Station 16 von 16

Neuer Jüdischer Friedhof

1906 · friedhof, judentum, gedenken, franken

Ausführlich

Sie stehen am Neuen Jüdischen Friedhof, an der Erlanger Straße 99 im Stadtteil Ronhof, und hier endet unser Rundgang. Er ist eine von zwei Begräbnisstätten der Israelitischen Kultusgemeinde Fürth und seit 1906 in Gebrauch. Zur Lage widerspricht sich eine Quelle: Er nennt den Städtischen Hauptfriedhof einmal südlich, einmal nördlich des Grundstücks. Ich sage deshalb nur, dass beide Friedhöfe aneinandergrenzen. Im Westen verläuft das Tal der Regnitz. Wie kam es zu diesem Friedhof? Die jüdische Gemeinde in Fürth wuchs in der zweiten Hälfte des 19. Jahrhunderts schnell, denn die Industrialisierung zog viele jüdische Kaufleute aus den ländlichen Gebieten Frankens an. Als sich abzeichnete, dass der Alte Friedhof nicht mehr ausreichte, erwarb die Gemeinde 1880 ein Grundstück. Es lag damals weit außerhalb der Stadt, in einem Gemeindewald auf Ronhofer Gebiet. Eingeweiht wurde der Friedhof 1906. Die Trauerhalle, 1901/02 von Adam Egerer entworfen, kennen Sie von der vorigen Station. In ihr sind seit Juli 1997 die Namen von 890 ermordeten Fürther Juden angebracht. Auf dem Friedhof erinnert außerdem ein Kriegerdenkmal an die im Ersten Weltkrieg gefallenen Mitglieder der Gemeinde. Davor liegt ein Gedenkstein für die Opfer des Holocaust. In der Nähe steht ein weiteres Holocaust-Denkmal mit hebräischer Inschrift. Es wurde 1947 im DP-Lager Finkenschlag aufgestellt und 1949 an seinen heutigen Standort gebracht. Der Friedhof wurde schon 1928 geschändet. In der Zeit des Nationalsozialismus kam es zu weiteren Verwüstungen, auch die Trauerhalle wurde stark beschädigt. Und der Friedhof lebt: Er dient der Gemeinde noch heute als letzte Ruhestätte. Hier liegen unter anderem Nathan Krautheimer, Unternehmer und Stifter, gestorben 1910, und Leo Rosenthal, Mitglied des Fürther Stadtrats und Vorstand der Gemeinde. Auch David Spiro liegt hier, Rabbiner im Rabbinat Warschau und Mitbegründer der Gemeinde nach dem Zweiten Weltkrieg. 2019 erschien eine umfassende Dokumentation der Grabstätten mit biografischen Angaben zu den Verstorbenen. Damit schließt sich ein Bogen. Seit 1440 sind Juden in Fürth überliefert, und seit den 1880er Jahren nannte man die Stadt, wegen der von Juden gefühlten Toleranz und Freiheit, das Fränkische Jerusalem. Dieser Rundgang endet an einem Ort, der von beidem erzählt. Danke, dass Sie mitgegangen sind.

Kurzfassung

Sie stehen am Neuen Jüdischen Friedhof, Erlanger Straße 99. Er ist eine von zwei Begräbnisstätten der Israelitischen Kultusgemeinde Fürth und seit 1906 in Gebrauch. Er dient der Gemeinde noch heute als letzte Ruhestätte. Hier endet unser Rundgang.

Für Kinder

Das ist ein jüdischer Friedhof. Er wurde 1906 eingeweiht und wird bis heute benutzt. Die jüdische Gemeinde von Fürth war im 19. Jahrhundert schnell gewachsen, und der alte Friedhof wurde zu klein. Darum kaufte sie 1880 ein Grundstück außerhalb der Stadt. Auf dem Friedhof stehen Denkmäler für Menschen, die ihr Leben verloren haben. Hier endet unser Rundgang. Was hast du heute in Fürth zum ersten Mal gesehen?

Quellen

Koordinaten: 49.487531643, 10.993396562 · auf der Karte

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