Stadtohr

Stadtrundgang Fürth · Station 6 von 16

Glockenspiel im Rathaus Fürth

2007 · glockenspiel, rathaus, rockklassiker, porzellan

Ausführlich

Sie stehen vor dem Rathaus Fürth, gebaut von 1840 bis 1850. Hoch oben im Turm, direkt unter den vier Rathausuhren, sitzt das Glockenspiel. Es ist ein mechanischer Musikautomat mit fünfundzwanzig chromatisch gestimmten Bronzegussglocken. Überregional bekannt wurde es durch ein Stück: Stairway to Heaven von Led Zeppelin. Aber der Reihe nach. Die ersten Glocken lieferte die Glockengießerei Lotter aus Bamberg, drei Stück mit 350, 450 und 850 Kilogramm. Sie trafen am 25. November 1850 ein und ertönten angeblich erstmals in der Neujahrsnacht, womit das Rathaus als vollendet galt. Bis zum 17. Dezember 1902 läuteten sie. Dann empfahl das Bauamt, damit aufzuhören, denn der Turm komme, wie neue Risse zeigten, nicht zur Ruhe. 1941 gingen die Glocken bei der Metallspende des deutschen Volkes verloren. Nun der kuriose Teil. Zum hundertjährigen Rathausjubiläum 1950 suchte Oberbürgermeister Hans Bornkessel Ersatz. Die Prüfung des Turms ergab, dass er schwingenden Glocken kaum gewachsen sei. Also ließ die Stadt bei Rosenthal in Selb fünf Porzellanglocken anfertigen, jede höchstens drei Kilo schwer und viel billiger als Bronze. Ein Verstärker und acht Lautsprecher in den Turmfenstern trugen den Klang zwei bis drei Kilometer weit. Im Volksmund hießen sie nach dem Oberbürgermeister Bornkesseli. Ihr Klang erinnerte eher an klirrendes Geschirr als an ein Musikinstrument. Im Juni 1956 bestätigten siebzig Glockenfachleute bei einem Besuch den schlechten Klang. Am 16. September 1968 beschloss der Stadtrat, die Porzellanglocken außer Dienst zu stellen. Heute sind sie verschollen. Das Glockenspiel, das Sie heute hören, hat eine eigene Geschichte. Der Stadtheimatpfleger Alexander Mayer suchte Ersatz für das 1000-jährige Stadtjubiläum 2007. Auf den 1. November 1007 geht die erste Erwähnung Fürths zurück: König Heinrich II. vermachte den Ort dem neu gegründeten Domkapitel Bamberg. Im Juni 2007 bot Karl Ludwig Dittmar Mayer ein gebrauchtes Glockenspiel an, das bis dahin auf einem Autoanhänger für Messen und Weihnachtsmärkte gedient hatte. Ende Juli 2007 beschloss der Stadtrat den Kauf für 20.000 Euro, mit 24 zu 18 Stimmen. Am 1. November 2007, dem Tag des Stadtjubiläums, läutete es offiziell zum ersten Mal, vor rund tausend Besuchern im Rathausinnenhof. Seit dem 2. November 2007 erklingen täglich um 12:04 Uhr die Takte acht bis sechzehn von Stairway to Heaven. Der Zeitversatz zu Mittag vermeidet einen Konflikt mit den nahegelegenen Kirchenglocken. Mayer wählte das Stück aus, weil sich nach seiner Meinung mehr Menschen mit dem Rockklassiker von 1971 identifizieren können als mit einem Volkslied. Von Mai 2022 bis Juni 2023 schwieg das Glockenspiel nach einem technischen Defekt.

Kurzfassung

Sie stehen vor dem Fürther Rathaus. In seinem Turm sitzt ein Glockenspiel mit 25 Bronzeglocken. Täglich um 12:04 Uhr spielt es Takte aus dem Rockklassiker Stairway to Heaven von Led Zeppelin. Zum ersten Mal läutete es am 1. November 2007, dem Tag des 1000-jährigen Stadtjubiläums.

Für Kinder

Hoch oben im Rathausturm sitzen fünfundzwanzig Glocken aus Bronze. Jeden Tag um vier Minuten nach zwölf spielen sie ein Stück von Led Zeppelin: Stairway to Heaven. Früher war das anders. 1950 hängte man Glocken aus Porzellan in den Turm, jede höchstens drei Kilo schwer. Sie klirrten wie Geschirr, und viele Leute beschwerten sich über den Klang. Heute sind diese Glocken verschollen. Hast du schon einmal gehört, wie Porzellan klirrt? So ähnlich klang es.

Quellen

Koordinaten: 49.477220703, 10.98908441 · auf der Karte

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