Stadtohr

Stadtrundgang Frankfurt am Main · Station 9 von 16

Römerberg

· platz, kaiserkrönung, rekonstruktion, archäologie

Ausführlich

Sie stehen auf dem Römerberg. Schauen Sie zuerst auf den Boden. In die Pflasterung ist ein Steinring eingelassen. Er markiert einen Fund von 1942: ein ringförmiges Fundament mit einer Mauerstärke von 6,20 Metern und einem Durchmesser von 21,75 Metern. Es gehörte zum Bergfried des Saalhofes, der staufischen Königsburg, die in der zweiten Hälfte des 12. Jahrhunderts etwa 200 Meter südwestlich der karolingischen Pfalz entstand. Dieser Turm erreichte seine geplante Höhe von 45 Metern nie. Er soll um 1240 trotzdem der höchste Turm Deutschlands gewesen sein. Sechs Meter Mauerstärke, und geblieben ist ein Ring im Pflaster. Nun zur Form des Platzes. Er liegt zwischen der Dominsel im Osten und dem Karmeliterhügel im Westen. Sein höchster Punkt, der Samstagsberg, erhebt sich etwa vier Meter über die Senken ringsum, und die waren im frühen Mittelalter sumpfig. Am Nordrand floss ein Mainarm, die Braubach, im Mittelalter verlandet. Die Braubachstraße trägt den Namen eines verschwundenen Flusses. Das Nordufer des Mains lag im frühen Mittelalter etwa an der heutigen Saalgasse. Dieser Platz war also eine trockene Kuppe zwischen Wasser und Sumpf. Deshalb liegt er hier. Der Name Samstagsberg weist auf den Wochenmarkt und ist schon um 1350 belegt, in der Topographie des Baldemar von Petterweil. Davor hieß der Platz einfach Berg oder Auf dem Berg. Er markierte die Grenze zwischen der von Handwerkern bewohnten Oberstadt im Osten und der Unterstadt. Das Straßennetz blieb danach über fünfhundert Jahre weitgehend unverändert. Seit dem Mittelalter ist dieser Platz eine Bühne. Bei zehn Kaiserkrönungen zwischen 1562 und 1792 fand hier ein großes Volksfest statt, während der neue Kaiser im Kaisersaal beim Krönungsmahl saß. Aufgebaut war dann eine Ochsenküche. Goethe hat die Krönungsfeier Josephs II. von 1764 in Dichtung und Wahrheit beschrieben, die drittletzte dieser Feiern. Seit 1543 steht hier der Gerechtigkeitsbrunnen. Und nun die unbequeme Frage. Schauen Sie auf die Fachwerkhäuser an der Ostseite. Sie sehen alt aus. Sie sind es nicht. Die historische Bebauung, teils gotisch, teils barock, wurde 1944 weitgehend zerstört. Die Ostzeile wurde von 1981 bis 1984 nach den historischen Vorbildern wieder errichtet, und davor wurde lange diskutiert, ob man das überhaupt darf. Die Häuser tragen ihre alten Namen: Großer und Kleiner Engel, Goldener Greif, Wilder Mann, Schwarzer Stern. An derselben Stelle hatte man in den 1950er Jahren schlicht gebaut, und dieses Nachkriegswerk wurde 1969 für den U-Bahn-Bau wieder abgerissen. Zweimal abgerissen, einmal rekonstruiert. Auch beim Römer ließen die Luftangriffe nur die steinernen Fassaden und die Erdgeschosse stehen. Die Frage an diesem Platz ist also nicht, was alt ist. Die Frage ist, was man wiederhaben wollte. Gehen wir nach Süden, zum Mainkai hinunter.

Kurzfassung

Sie stehen auf dem Römerberg, dem Rathausplatz. Seit dem Hochmittelalter ist er das Zentrum der Altstadt. Der östliche Teil heißt Samstagsberg, nach dem Wochenmarkt. Die Fachwerkhäuser dort sind eine Rekonstruktion von 1981 bis 1984. Auf dem Platz steht seit 1543 der Gerechtigkeitsbrunnen.

Für Kinder

Du stehst auf dem Römerberg. Hier wurden früher Kaiser gefeiert. Zehnmal, zwischen 1562 und 1792, gab es auf diesem Platz ein großes Fest, während der neue Kaiser drinnen im Rathaus aß. Draußen stand eine Ochsenküche. Such einmal im Boden nach einem Ring aus Steinen. Er zeigt, wo vor achthundert Jahren ein riesiger Turm stand. Seine Mauern waren über sechs Meter dick. Und noch etwas: Die schönen Fachwerkhäuser hier sind nicht alt. Die alten wurden 1944 im Krieg zerstört. Diese wurden von 1981 bis 1984 nachgebaut.

Quellen

Koordinaten: 50.110278, 8.682222 · auf der Karte

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