Stadtohr

Stadtrundgang Frankfurt am Main · Station 8 von 16

Römer

· rathaus, mittelalter, königswahl, wiederaufbau

Ausführlich

Vor Ihnen steht der Römer. Schauen Sie auf die drei Treppengiebel. Römer sagt man seit Jahrhunderten zum ganzen Rathauskomplex, und woher der Name kommt, weiß niemand sicher. Es gibt verschiedene Deutungen, und sie widersprechen sich. Das erste Rathaus stand nicht hier, sondern dort, wo heute der Turm des Domes steht. Es wird am 25. Mai 1288 erstmals urkundlich erwähnt. Am 20. Juni 1329 erlaubte Kaiser Ludwig IV. den Frankfurtern, sich ein anderes Rathaus zu bauen, wo es ihnen am nützlichsten sei. Dann geschah fast ein Dreivierteljahrhundert nichts. Hören Sie die Gründe als Liste: das Magdalenenhochwasser 1342, der Schwarze Tod 1349, Fehden mit der benachbarten Ritterschaft, der Zünfteaufstand von 1355 bis 1368, die Niederlage bei Kronberg 1389. Beim Judenpogrom von 1349 wurde praktisch die gesamte damalige jüdische Bevölkerung Frankfurts ermordet, und ein Feuer zerstörte den Dom und das angrenzende Judenviertel. Ein Stadtchronist des frühen 18. Jahrhunderts schrieb, das Feuer sei vom alten Rathaus ausgegangen. Das ist nicht zu belegen und gilt als legendär, denn die sonst sehr genauen Rechnungsbücher verzeichnen für die Folgejahre keine Reparaturen. Ende des 14. Jahrhunderts war das alte Rathaus zu klein und baufällig, Frankfurt mit knapp 10.000 Einwohnern nach mittelalterlichen Verhältnissen eine größere Stadt. Ab 1401 wurde ein Neubau am Römerberg vorbereitet: ein Baumeister berufen, ein Modell gefertigt, Steinquader schon behauen. Und dann wurde nicht gebaut, denn die Verhandlungen mit den Besitzern zweier Privathäuser am Römerberg gingen gut aus. Der Vertrag vom 11. März 1405 ist noch erhalten. Die Gebrüder zum Römer bekamen 600 Gulden und eine jährliche Leibrente von 40 Gulden, die Witwe des Hensel zum Römer 200 Gulden und eine Leibrente von 25 Gulden bis zum Tod ihrer Tochter. Eine Quelle nennt das ein außerordentlich gutes Geschäft. Nun zum Umbau. Am 20. Juni 1405 brach man sämtliche Fußböden des Hauses zum Römer heraus. Aus den beiden Obergeschossen entstand eine große Kaufhalle, und diese Halle wurde später als Kaisersaal bekannt. Dahinter lag die große Ratsstube, später das Wahlzimmer der Kurfürsten. Eine Kaufhalle wurde zum Krönungssaal. Die Goldene Bulle Kaiser Karls IV. bestätigte Frankfurt 1356 als rechtmäßigen Ort der Königswahlen, nachdem seit 1147 bereits 14 von 20 Wahlen hier stattgefunden hatten. Jedes Jahr zur Herbstmesse fand im Römer außerdem das Pfeifergericht statt, 1380 erstmals erwähnt: eine zeremonielle Bestätigung der Zollfreiheit für die Kaufleute, die zur Messe kamen. Über fast fünf Jahrhunderte wuchs der Komplex auf elf verbundene Bürgerhäuser. Zum Schluss das Unbequeme. Die Luftangriffe des Zweiten Weltkriegs ließen nur die steinernen Fassaden und die Erdgeschosse der mittelalterlichen Häuser stehen. Hinter dieser Fassade steckt der Neubau eines modernen Bürohauses im Stil der frühen 1950er Jahre. Drehen Sie sich um. Der Platz hinter Ihnen ist die eigentliche Bühne.

Kurzfassung

Vor Ihnen steht der Römer, seit dem 15. Jahrhundert das Rathaus der Stadt. Am 11. März 1405 kaufte der Rat zwei Bürgerhäuser und zog ein. Aus zwei Häusern wurden über die Jahrhunderte elf. Heute sitzen hier die Stadtvertreter und der Oberbürgermeister. Woher der Name kommt, ist nicht geklärt.

Für Kinder

Das Haus mit den drei spitzen Giebeln heißt Römer. Es ist das Rathaus von Frankfurt, und zwar schon seit mehr als sechshundert Jahren. Vorher stand das Rathaus woanders, dort, wo heute der Domturm ist. Es war zu klein geworden. Da kaufte die Stadt am 11. März 1405 zwei Wohnhäuser und machte ein Rathaus daraus. Später kaufte sie immer mehr Häuser dazu, bis es elf waren. In dem großen Saal im ersten Stock aßen die Kaiser nach ihrer Krönung. Weißt du, was niemand sicher weiß? Warum das Haus Römer heißt.

Quellen

Koordinaten: 50.1104963, 8.680981013 · auf der Karte

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