Stadtohr

Stadtrundgang Frankfurt am Main · Station 16 von 16

Japan Center

1996 · hochhaus, architektur, japan

Ausführlich

Vor Ihnen steht das Japan Center, das letzte Haus dieses Rundgangs. Es ist 115 Meter hoch und wurde 1996 fertiggestellt. Nehmen Sie sich Zeit für die Fassade, denn an ihr lässt sich ablesen, was innen passiert. Zuerst die Ordnung. Der Grundriss ist ein Quadrat von 36,9 auf 36,9 Metern, und in seiner Mitte sitzt ein ebenfalls quadratischer Kern, der neun Aufzüge, zwei Nottreppenhäuser und alle Schächte für die Haustechnik enthält. Diese Maße sind kein Zufall. Das Grundmaß leitet sich von der japanischen Tatami-Matte ab, die 0,9 auf 1,8 Meter misst und hier zu einem Quadrat verdoppelt wurde. Ein Hochhaus im Bankenviertel, gerechnet in Fußbodenmatten. Entworfen haben es die Berliner Architekten Joachim Ganz und Walter Rolfes. Die Natursteinverkleidung ist terrakottafarben, die Formen streng geometrisch, und das entspricht klassischem japanischem Design. Schauen Sie jetzt hinauf zum Dach. Es kragt weit aus, und zusammen mit dem Baukörper erinnert das an die Form einer japanischen Steinlaterne. Nun die Fenster. Die Fassadenstruktur wirkt so, als seien sechsgeschossige Bürotrakte jeweils um 90 Grad verdreht übereinandergestapelt. Alle sechs Geschosse wechseln große und kleine Lochfenster, und diese Fenster sagen die Wahrheit über das Haus: Hinter den großen liegen Großraumbüros mit einer Raumtiefe von 10,5 Metern, hinter den kleinen Einzelbüros. Sie können von der Straße aus sehen, wie die Menschen darin arbeiten. Noch ein paar Zahlen. Vier Untergeschosse, darüber eine transparente Sockelzone mit umlaufender Arkade und einem Café, dann 21 Bürogeschosse mit etwa 26.900 Quadratmetern vermietbarer Fläche und im 25. Obergeschoss ein Restaurant. Gekostet hat das Haus rund 200 Millionen Euro. Seit 2017 mietet die Europäische Zentralbank etwa 93 Prozent der Fläche, und damit schließt sich der Kreis zum Haus, von dem wir gerade kamen. Und nun zum Schluss. Wir haben heute drei Dinge gesehen, die eigentlich nicht zusammenpassen. Eine Furt: eine Felsbarriere im Main, über die man bei normalem Wasserstand hinüberkam, und die der Stadt den Namen Franconofurd gab, Furt der Franken, 794 erstmals urkundlich. Eine Krone: zehn Kaiserkrönungen zwischen 1562 und 1792, gefeiert auf dem Römerberg, während der neue Kaiser im Kaisersaal beim Essen saß. Und eine Glasfassade: eine Skyline, die in Deutschland eine Besonderheit ist und der Stadt den Beinamen Mainhattan eingetragen hat. Zwischen der Furt und diesem Haus liegen zwölfhundert Jahre. Dazwischen liegt auch 1944, und deshalb ist vieles von dem, was heute alt aussah, nachgebaut. Schauen Sie sich noch einmal um. Sie stehen zwischen Türmen, die alle jünger sind als Sie vielleicht denken, in einer Stadt, die ihren Namen von einer flachen Stelle im Wasser hat.

Kurzfassung

Vor Ihnen steht das Japan Center, 115 Meter hoch, fertiggestellt 1996. Der Grundriss ist ein Quadrat von 36,9 auf 36,9 Metern. Das Grundmaß leitet sich von der japanischen Tatami-Matte ab. Das weit auskragende Dach erinnert an eine japanische Steinlaterne. Hier endet der Rundgang.

Für Kinder

Dieses Hochhaus heißt Japan Center. Es ist 115 Meter hoch. Der Grundriss ist ein genaues Quadrat. Weißt du, wonach die Architekten gerechnet haben? Nach einer japanischen Matte zum Draufsitzen. Sie heißt Tatami und ist 0,9 auf 1,8 Meter groß. Schau dir die Fenster an: große und kleine wechseln sich ab. Hinter den großen Fenstern arbeiten viele Menschen in einem Raum, hinter den kleinen sitzt jemand allein. Und das Dach steht weit über, wie bei einer japanischen Steinlaterne. Hier ist unser Rundgang zu Ende.

Quellen

Koordinaten: 50.111111111, 8.6725 · auf der Karte

Kartendaten © OpenStreetMap-Mitwirkende, ODbL. Routing: Valhalla auf OSM-Daten. Objektdaten: Wikidata (CC0). Fotos: Wikimedia Commons, Urheber und Lizenz je Bild.