Stadtohr

Stadtrundgang Frankfurt am Main · Station 3 von 16

Hauptwache

· barock, wache, café, wiederaufbau

Ausführlich

Sie stehen vor der Hauptwache. Das Haus ist klein, und es hat eine große Geschichte. 1729 und 1730 erbaute es der Stadtbaumeister Johann Jakob Samhaimer, an der Stelle eines kleinen Wachlokals, das seit 1671 hier stand. Der Rat wollte zwei Geschosse. Die Nachbarn protestierten, also wurde das Haus eingeschossig, aus Mainsandstein, mit Mansardgeschoss und Walmdach. Schauen Sie auf die Südseite: Dort liegt mit der Giebelfront die Schaufassade. Hier saß die Stadtwehr. Im Erdgeschoss lagen die Wachstuben, oben ein Verhörlokal und ein Gefängnis für, wie es hieß, honette Personen. Gewöhnliche Gefangene kamen in die Verliese im Keller, das Schanzerloch, denn sie mussten an der Stadtbefestigung arbeiten. Der prominenteste Häftling war der Ratsherr Johann Erasmus von Senckenberg: Vom 28. Februar 1769 bis zu seinem Tod am 21. Juni 1795 saß er im Eckzimmer des ersten Stocks. 1802 saß hier einige Tage der Schinderhannes, Johannes Bückler, und wurde verhört, bevor man ihn nach Mainz überführte. Auf dem Platz daneben standen im 18. Jahrhundert Richtstätten: ein Soldatengalgen, ein Schandesel, ein Pranger und bis 1779 das Trillerhäuschen, ein hölzerner Käfig, den jedermann drehen durfte, bis dem Eingesperrten übel wurde. 1866 annektierte Preußen die Stadt, und die Stadtwehr verschwand. 1903 verlegte die Armee die Wache ans Taunustor, die Stadt kaufte das Haus zurück. Forderungen nach einem Abriss gab es auch jetzt, doch sie entschied sich für die Verpachtung. Im Dezember 1905 eröffnete hier ein Café, und das ist es geblieben. Die Normaluhr daneben wurde zum bekanntesten Treffpunkt der Innenstadt. In den 1930er Jahren beschäftigte das Café 50 Angestellte, darunter 17 Kellner und sechs Konditoren. Es öffnete morgens um sieben und schloss nachts um zwei. Auch ein dunkles Kapitel gehört dazu. Am 7. April 1920, in der französischen Besatzungszeit, schossen Soldaten bei einer Demonstration in die Menge. Sieben Menschen starben, 26 wurden verletzt. Falsche Gerüchte hatten die Stimmung zuvor angeheizt. 1944 brannte die Hauptwache aus. 1954 war sie in vereinfachter Form wieder aufgebaut. 1967 wurde sie für den Bau des unterirdischen Bahnhofs abgebaut und ein Jahr später originalgetreu darüber neu errichtet. Seit April 2022 gibt es unter dem Haus ein Museum für elektronische Musik. Gleich daneben steht die nächste Station, die Katharinenkirche.

Kurzfassung

Sie stehen vor der Hauptwache, einem barocken Gebäude, das der Stadtbaumeister Johann Jakob Samhaimer 1729 und 1730 errichtete. Hier saß die Stadtwehr, im Haus lag ein Gefängnis. Seit Dezember 1905 ist es ein Café. Seit 1968 steht es originalgetreu über dem U-Bahnhof.

Für Kinder

Dieses kleine Haus heißt Hauptwache. Früher saßen hier Wächter der Stadt. Im Haus gab es auch ein Gefängnis. Einer der Gefangenen war der Ratsherr Johann Erasmus von Senckenberg. Er saß dort von 1769 bis zu seinem Tod im Jahr 1795. Seit Dezember 1905 ist die Hauptwache ein Café. Im Zweiten Weltkrieg brannte sie aus. Für den U-Bahnhof wurde sie abgebaut und danach genau so wieder aufgebaut, wie sie gewesen war. Heute fährt unter dem Haus die U-Bahn. Wie baut man ein Haus auseinander und setzt es wieder zusammen?

Quellen

Koordinaten: 50.113333333, 8.678888888 · auf der Karte

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