Stadtohr

Stadtrundgang Frankfurt am Main · Station 4 von 16

Alte Oper

· konzerthaus, gründerzeit, wiederaufbau, preußen

Ausführlich

Vor Ihnen steht die Alte Oper. Schauen Sie hinauf zum Dachfries. Dort steht eine Inschrift, die auf Goethe zurückgeht: Dem Wahren Schönen Guten. Behalten Sie den Satz im Ohr, er kommt wieder. Angefangen hat alles mit einer Niederlage. 1866 annektierte Preußen die Freie Stadt Frankfurt. Die Eingliederung der ehemals souveränen Stadt in die preußische Provinz Hessen-Nassau empfand die Bürgerschaft als Demütigung. Dazu kam eine Kriegskontribution von 5,8 Millionen Gulden, aufzubringen von rund 8000 steuerpflichtigen Bürgern. Dann wendete sich das Blatt. Der Frankfurter Receß vom März 1869 gab Frankfurt nicht nur die Kontribution zurück, sondern zusätzlich drei Millionen Gulden Entschädigung für das staatliche Vermögen der ehemaligen Freien Stadt. Am 14. Dezember 1869 regte der von Preußen bestellte Oberbürgermeister Daniel Heinrich Mumm von Schwarzenstein den Neubau eines Theaters an. Am 23. Dezember versammelten sich 67 vermögende Bürger im Saalbau und gründeten einen Förderverein. Bis zum 12. Januar 1870 kamen 480.000 Gulden an Spenden zusammen. Noch 1854 hatten die Bürger sich erfolgreich gegen Pläne für einen Theaterneubau gewehrt. Jetzt zahlten sie freiwillig. Den Entwurf im Stil der Neorenaissance lieferte Richard Lucae, der Mann, dessen Brunnen hinter Ihnen steht. Das Schiedsgericht wählte ihn am 14. August 1871 einstimmig, kürzte aber die Prämie von 1250 auf 500 Taler. Die Presse kritisierte, dass detaillierte Pläne und eine belastbare Kostenkalkulation fehlten. Es lag nur eine grobe Schätzung von etwa 1,8 Millionen Mark vor. Im Mai 1874 standen die Arbeiten etwa ein Jahr still. Als Lucae am 26. November 1877 unerwartet starb, war erst der Rohbau fertig. Die Endabrechnung vom 27. November 1882 nennt 6.810.423 Mark und 92 Pfennig. Veranschlagt waren zwei Millionen. Der Oberbürgermeister, der das Projekt gegen alle Widerstände gefördert hatte, verlor darüber seine Wiederwahl und schied am 26. Februar 1880 aus dem Amt. Und nun der Satz vom Dachfries. Der Frankfurter Dichter Adolf Stoltze machte aus Dem Wahren Schönen Guten die Mundartzeile: Dem Wahre, Scheene, Gute, die Berjerschaft muß blute. Eröffnet wurde am 20. Oktober 1880 mit Mozarts Don Giovanni unter der Leitung von Otto Dessoff. Kaiser Wilhelm I. war unter den Gästen. Intendant Emil Claar erinnerte sich, der Kaiser habe im Treppenhaus lange nach oben gesehen und gesagt, das könne er sich in Berlin nicht erlauben. Ein Wikipedia-Quelle schreibt erlauben, ein anderer leisten. Es gibt zwei Fassungen. 1944 zerstörte ein Luftangriff das Haus. Es blieb Ruine, jahrelang bekannt als die schönste Ruine Deutschlands. Erst 1976 begann der Wiederaufbau, 1981 war er abgeschlossen. Gehen wir nun in die Große Bockenheimer Straße hinein. Die nächste Station ist ein kleines barockes Haus, in dem ein Mann sechsundzwanzig Jahre eingesperrt war.

Kurzfassung

Vor Ihnen steht die Alte Oper. Gebaut wurde sie von 1873 bis 1880 als Opernhaus der Städtischen Bühnen. Ein Luftangriff zerstörte sie 1944. Danach blieb sie jahrzehntelang Ruine. Der Wiederaufbau begann erst 1976 und war 1981 fertig. Heute ist das Haus ein Konzert- und Veranstaltungshaus.

Für Kinder

Das große Haus mit den Säulen heißt Alte Oper. Gebaut wurde es von 1873 bis 1880. Oben am Dach steht: Dem Wahren Schönen Guten. Das Haus wurde aber viel teurer als geplant. Darum dichtete ein Frankfurter in seiner Mundart: Dem Wahre, Scheene, Gute, die Berjerschaft muß blute. Im Krieg wurde das Haus 1944 zerstört. Danach stand es sehr lange als Ruine da. Erst 1976 fing man an, es wieder aufzubauen, 1981 war es fertig. Heute spielt dort Musik, aber keine Oper.

Quellen

Koordinaten: 50.115833333, 8.671944444 · auf der Karte

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