Stadtohr

Stadtrundgang Frankfurt (Oder) · Station 2 von 16

Marienkirche

1253 · kirche, backsteingotik, bleiglasfenster, wiederaufbau

Ausführlich

Sie stehen vor der Marienkirche, der ehemaligen Hauptpfarrkirche der Stadt. Beginnen wir mit der Stadt selbst. Nach 1200 entwickelte sich auf einer Talsandinsel an einer schmalen Stelle der Oder eine Kaufmannssiedlung, an der Kreuzung mehrerer Fernhandelsstraßen. Am 12. Juli 1253 stellte Markgraf Johann I. die Urkunde zur Stadtgründung aus. Es sollte das Berliner Stadtrecht gelten, das vom Magdeburger Stadtrecht abgeleitet war. Im selben Jahr entstand der Ursprungsbau dieser Kirche, mit einer der frühesten Emporen der Mark Brandenburg. Danach wurde mehr als 250 Jahre weitergebaut, bis ein Gebäude von 77 Metern Länge und 45 Metern Breite dastand, eines der größten der norddeutschen Backsteingotik. Schauen Sie auf die Westwand. Als die Fassade im 15. Jahrhundert verbreitert wurde, entstand zwischen Turm und Anbau eine Baufuge, so weit, dass Licht hindurchscheint. Und suchen Sie das Sandsteinportal am nördlichen Querschiff. Sein Figurengewände ist für Deutschland ungewöhnlich prächtig, und es steht dem Schaugiebel des Rathauses gegenüber. Am 15. Mai 1826 stürzte der Südturm ein. Der preußische Oberbaurat Karl Friedrich Schinkel ließ daraufhin eine gotische Schauwand aus dem 13. Jahrhundert komplett abmauern. Sie geriet in Vergessenheit und wurde erst in den 1990er Jahren wiederentdeckt. Die Instandsetzung überließ Schinkel seinem Schüler Emil Flaminius, und den zerstörten Südturm baute man nicht wieder auf. Die eigentliche Kostbarkeit hing aber in den Fenstern. Drei große Bleiglasfenster entstanden zwischen 1360 und 1370, zusammengesetzt aus 117 Bildern, bezahlt von Bürgern der Stadt. Wie eine Bilderbibel zeigen sie die Schöpfung, Adam und Eva, den Bau der Arche Noah, das Leben Christi und die Antichristlegende. 1941 wurden die Felder ausgebaut, um sie vor dem Krieg zu schützen. Im April 1945 kam die Zerstörung der Innenstadt, und die Kirche wurde zur Ruine. Die Fenster waren da schon nach Potsdam ins Neue Palais gebracht worden. Im Juni 1946 verbrachte die Sowjetische Militäradministration sie als Beutekunst nach Berlin, im August weiter nach Leningrad. Die Eremitage protokollierte den Inhalt der Kisten als 102 Glasfenster und Splitterhaufen. Die Gemeinde suchte 1946 vergeblich nach ihnen, die Fenster galten als verschollen. Erst im April 1991 gab ein russischer Kunsthistoriker den ersten Hinweis, 1994 begannen die deutschen Bemühungen um die Rückgabe. Am 23. Juni 2002 wurden 111 gefundene Felder in Sankt Petersburg feierlich an die Bundesrepublik Deutschland übergeben. Ausgebaut worden waren 1941 noch 117. Die Kirche selbst bekam 1998 wieder ihre Hauptdächer. Der Dachstuhl ist 21 Meter hoch, der größte Holzdachstuhl, der im 20. Jahrhundert errichtet wurde.

Kurzfassung

Sie stehen vor der Marienkirche, der ehemaligen Hauptpfarrkirche der Stadt. Der Ursprungsbau entstand 1253, nach der Stadtgründung. Sie gehört zu den größten Bauten der norddeutschen Backsteingotik. Im Zweiten Weltkrieg wurde sie zur Ruine, heute ist sie ein soziokulturelles Zentrum.

Für Kinder

Diese Kirche ist riesig: 77 Meter lang und 45 Meter breit, aus Backsteinen gebaut. Mehr als 250 Jahre dauerte der Bau. Im Zweiten Weltkrieg wurde sie zur Ruine. Ihre großen Glasfenster waren aber vorher in Sicherheit gebracht worden: 117 Bilder, zum Beispiel von Adam und Eva und von der Arche Noah. Dann nahm die Sowjetunion die Fenster mit nach Leningrad, das heute wieder Sankt Petersburg heißt. Lange galten sie als verschwunden. Erst 2002 bekam Deutschland sie zurück. Welche Geschichte würdest du in ein Glasfenster malen?

Quellen

Koordinaten: 52.34315, 14.55449 · auf der Karte

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