Stadtohr

Stadtrundgang Frankfurt (Oder) · Station 9 von 16

Bolfrashaus

· renaissance, wiederaufbau, hanse, grenzregion

Ausführlich

Sie stehen vor dem Bolfrashaus an der Südostecke des Marktplatzes, heute Ecke Große Oder und Bischofstraße. Das Haus sieht alt aus und ist doch neu. Der Originalbau war ein Renaissancegebäude und gehörte zu den architektonisch aussagekräftigsten Bauten der Stadt. 1540 wurde er erstmals erwähnt, als Haus der Witwe eines Barthol Degenhardt. Von 1567 bis zu seinem Tod 1583 gehörte er Bürgermeister Albrecht Wins. Danach gehörte es Bürgermeister Adam Bolfras. Sein Name steckt im Namen des Hauses. 1596 gehörte er seinem Sohn Michael Bolfras, dem Syndikus der Universität und Kanzler der Ordensabtei Sonnenburg. Zu dieser Zeit entstand der markante Erker aus Sandstein an der westlichen Giebelecke. Er ließ das Haus unter den prächtigen Bauten am Markt hervorstechen. 1603 verkaufte Bolfras an Christoph Pelargus, Professor und Generalsuperintendent der Mark Brandenburg. 1744 ließ Johann Gabriel Brodbeck ein Kaffeehaus einrichten. Von 1773 an gehörte das Haus der Familie Harttung, bis 1945. Es war ein ganzer Komplex aus Vorderhaus, zwei Seitengebäuden und Hinterhaus. Zwölf bis fünfzehn Fabriken mieteten sich dort ein, dazu Geschäfte, Privathaushalte und eine Gaststätte. In der Nacht zum 24. März 1889 zerstörte ein Brand Dach und Renaissancehaube. Man baute sofort wieder auf und gab dem Haus eine Fassade aus Stuck. 1924 entfernte man sie bei einer denkmalpflegerischen Renovierung wieder. Am 21. oder 22. April 1945, kurz vor Kriegsende, zerstörte ein Bombeneinschlag das Haus. In den 1960er Jahren wurde an dieser Stelle ein Wohnhaus als Siedlungsneubau errichtet. 1999 malte der Frankfurter Künstler Christoph Neubauer an dessen Nordgiebel eine Illusionsmalerei, die das Bolfrashaus aus einem bestimmten Blickwinkel wieder sichtbar machte. 2013 und 2014 wurde nach dem vollständigen Abriss des Wohnblocks das neue Bolfrashaus errichtet, auf den historischen Fundamenten und mit dem Erker aus dem originalen Warthauer Sandstein. 4,2 Millionen Euro kamen aus Mitteln der Europäischen Union. Projektpartner waren auch die Nachbarstädte Słubice und Frankfurt sowie der Tourismusverein. Heute befinden sich hier moderne Büros und Veranstaltungsräume mit einer Simultandolmetscheranlage. Im großen Hansesaal erinnern handgemalte Stadtwappen daran, dass Frankfurt eine Hansestadt war. Spätestens seit 1430 war die Stadt Mitglied der Hanse, denn nur Mitglieder durften an der Lübecker Tagfahrt jenes Jahres teilnehmen, in deren Akten Frankfurt genannt wird. Im Erdgeschoss finden Sie die Deutsch-Polnische Touristinformation.

Kurzfassung

Sie stehen vor dem Bolfrashaus an der Südostecke des Marktplatzes. Das Renaissancehaus wurde 1540 erstmals erwähnt und im April 1945 zerstört. 2013 und 2014 wurde es auf den historischen Fundamenten neu errichtet. Im Erdgeschoss befindet sich die Deutsch-Polnische Touristinformation.

Für Kinder

Dieses Haus sieht alt aus, ist aber neu. Das Original war ein Renaissancehaus. Am 21. oder 22. April 1945, kurz vor Kriegsende, traf es eine Bombe. In den 1960er Jahren baute man an dieselbe Stelle ein Wohnhaus. 1999 malte ein Künstler das alte Haus an dessen Wand. Aus einem bestimmten Blickwinkel sah es aus, als stünde es wieder da. 2013 und 2014 wurde das Wohnhaus abgerissen und das alte Haus neu gebaut, auf den alten Fundamenten. Der Erker ist aus dem ursprünglichen Sandstein. Würdest du ein Haus so an eine Wand malen, dass es echt aussieht?

Quellen

Koordinaten: 52.34365, 14.55528 · auf der Karte

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