Stadtohr

Stadtrundgang Flensburg · Station 7 von 16

St. Marien

ab 1284 · kirche, backsteingotik, altar, denkmalstreit

Ausführlich

Sie stehen vor der Marienkirche, auf Dänisch Vor Frue Kirke. Sie ist die älteste Innenstadtkirche Flensburgs. Ein erster Bau, eine romanische Steinkirche, entstand wohl unter König Waldemar I. um 1165/70, nach anderen Quellen erst nach 1182. 1248 wurde er im Bruderkrieg zwischen König Erik IV. und Herzog Abel zerstört. Erhalten ist ein Gießlöwe vom Ende des 12. Jahrhunderts, der heute im Museum für Kunst und Gewerbe in Hamburg steht. Die heutige Kirche wird erstmals am 2. Mai 1284 erwähnt, in einem Ablassbrief des Bischofs Tycho von Aarhus, der im Stadtarchiv im Rathaus liegt. Darin steht, die Bürger hätten mit dem Bau der neuen Kirche begonnen. Es wurde eine dreischiffige gotische Backsteinhalle, an derselben Stelle wie der Vorgänger. Um 1400 erweiterte man sie um zwei Joche nach Osten. Den Turm mit dem spitzen Helm, den Sie sehen, baute man 1878 bis 1880 und ersetzte damit einen barocken Turm von 1730 bis 1731. Nun zum Innenraum, besonders zum Hochaltar. Bürgermeister Dietrich Nacke stiftete ihn testamentarisch. Heinrich Ringerink und ein weiterer Schnitzer fertigten ihn 1598 an, Jan von Enum malte die Bilder. Es ist der größte Altar der Spätrenaissance in Schleswig-Holstein, dreigeschossig, gegliedert durch Säulen und Karyatiden. Das Hauptbild zeigt das letzte Abendmahl nach einem Stich von Johann Sadeler. Daneben hängen vier Gemälde nach Stichen von Hendrick Goltzius von 1578, jedes von einem Rahmen aus 16 kleinen Bildern umgeben. Alle Überschriften und Bibelstellen sind lateinisch. Ein Beispiel: Die Demut zeigt Jesus, der seinen Jüngern die Füße wäscht. Dann ein Streit aus jüngerer Zeit. Im Januar 1967 begann der Flensburger Denkmalstreit. Auslöser war das Denkmal Steinerne Krieger, das drei Pastoren aus der Marienkirche verbannten. Der Streit brachte Flensburg bundesweit in die Schlagzeilen und gilt als Vorläufer der Studentenrevolte der späten 1960er Jahre. Und noch ein Kapitel Stadtgeschichte: Ab dem 8. Mai 1945 fanden die Gottesdienste dieser Kirche in der Heiliggeistkirche statt, denn deutsche Truppen hatten sie als Notquartier belegt.

Kurzfassung

Sie stehen vor der Marienkirche, der ältesten Innenstadtkirche Flensburgs. Die gotische Backstein-Hallenkirche wird 1284 zum ersten Mal in einem Ablassbrief erwähnt. In ihr steht der größte Altar der Spätrenaissance in Schleswig-Holstein, 1598 von Heinrich Ringerink angefertigt.

Für Kinder

Du stehst vor der ältesten Kirche in der Flensburger Innenstadt. Sie ist aus Backstein. Im Jahr 1284 wird sie zum ersten Mal in einem Brief erwähnt, darin steht, dass die Bürger mit dem Bau angefangen haben. Drinnen steht ein riesiger Altar von 1598. Um jedes der vier großen Seitenbilder liegt ein Rahmen aus 16 kleinen Bildern. Er ist der größte Altar seiner Art in Schleswig-Holstein. Wenn du dort bist: Kannst du die kleinen Bilder nachzählen?

Quellen

Koordinaten: 54.78986, 9.43214 · auf der Karte

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