Stadtohr

Stadtrundgang Flensburg · Station 16 von 16

Rathaus Flensburg

1965 · rathaus, hochhaus, 1960er jahre, atombunker

Ausführlich

Sie stehen vor dem Rathaus, dem letzten Halt unseres Rundgangs. Es ist Sitz der Ratsversammlung und des Oberbürgermeisters und beherbergt große Teile der Stadtverwaltung und das Stadtarchiv. Der Weg hierher begann am Thingplatz. 1445 wurde dort Flensburgs Altes Rathaus errichtet, es diente bis 1882. Danach nutzte die Stadt den Regierungshof am Holm als Provisorium, der bald nicht mehr ausreichte. Im März 1960 bot der Kaufhauskonzern Hertie der Stadt drei Millionen D-Mark für den Regierungshof. Für den Neubau des Rathauses veranschlagte man fünf Millionen. Als Bauplatz wählte man ein Grundstück bei der Straße Am Pferdewasser, am Rande der Innenstadt, wo zuvor Gebäude eines Baustoffhandels standen. Das neue Rathaus sollte repräsentativer ausfallen und ein neues Wahrzeichen der Stadt werden. Der Rat entschied sich für den Entwurf von Carl-Friedrich Fischer. Am 3. August 1961 wurde der erste Pfahl gerammt, am 18. November folgte die Grundsteinlegung, am 21. Mai 1964 war der Umzug abgeschlossen und am 10. April 1965 die offizielle Übergabe. Der Hochbau besteht aus einem zwölfstöckigen Hochhaus, einem vierstöckigen Sockel und einem fünfstöckigen Nordflügel, zusammen siebzehn Stockwerke. Die Außenwände aus Stahlbeton waren mit Platten aus norwegischem Quarzit verkleidet. Unter dem Rathaus gibt es eine Tiefgarage von Ende 1968, die im Kalten Krieg auch als atombombensicherer Bunker dienen sollte. Die Decke ist zwei bis drei Meter stark, im Ernstfall hätte der Bunker 2000 Menschen Raum geboten, mit Vorräten für zwei Wochen. Die Anlage wurde offenbar schrittweise stillgelegt, der Bunkerwart räumte wohl 1996 seinen Arbeitsplatz, und 2012 gab man den Bunker wohl ganz auf. Schauen Sie auf die Fassade: Anfang der 1990er Jahre war die Betonfassade in schlechtem Zustand. Ab 1991 mussten Fanggitter angebracht werden, weil sich Betonbrocken lösten. Man erwog den Abriss, entschied sich aber aus Kostengründen für eine Sanierung mit neuer Fassade. Die kostete 51 Millionen Mark, der Neubau hatte 23 Millionen gekostet. Die Fassade wurde zu großen Teilen mit orangefarbenen Flächenziegeln verschalt. Das große Stadtwappen verschwand dabei. In den 1970er Jahren setzte ein Umdenken zum historischen Stadtbild ein, und das Rathaus wurde zunehmend als Symbol für den unsensiblen Umgang mit dem alten Stadtbild gewertet. Der Kreis schließt sich: Aus der Versammlung unter freiem Himmel wurde ein Hochhaus am Rand. Der politische Mittelpunkt der Stadt liegt heute hier. Damit endet unser Rundgang durch Flensburg.

Kurzfassung

Sie stehen vor dem Rathaus, Rathausplatz 1. Hier sitzen die Ratsversammlung, der Oberbürgermeister und große Teile der Verwaltung. Der Architekt Carl-Friedrich Fischer entwarf den Hochbau mit siebzehn Stockwerken, offiziell übergeben wurde er 1965. Hier endet unser Rundgang.

Für Kinder

Du stehst vor dem Rathaus, einem Hochhaus. Hier arbeiten der Oberbürgermeister und die Verwaltung der Stadt. Unter dem Haus gibt es eine große Tiefgarage, die im Notfall auch ein Atombunker sein sollte. Sie hätte 2000 Menschen Platz geboten, mit Vorräten für zwei Wochen. Nach nur dreißig Jahren löste sich Beton aus der Fassade, und man baute sie neu. Der Umbau kostete mehr als doppelt so viel wie der Neubau. Wo würdest du in einem Bunker schlafen?

Quellen

Koordinaten: 54.7811, 9.4339 · auf der Karte

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