Stadtohr

Stadtrundgang Flensburg · Station 2 von 16

Franziskanerkloster Flensburg

1263 · kloster, franziskaner, reformation, mittelalter

Ausführlich

Sie stehen hinter dem Südermarkt, nahe der Roten Straße. Viel ist von diesem Kloster nicht übrig, und das ist die erste Beobachtung: Durch Überbauung und moderne Anbauten am Ende des 20. Jahrhunderts ist es als historisches Kloster kaum noch erkennbar. Ein kleiner Museumsraum bewahrt die Überreste der Klostermauer, die zugleich Teil der Flensburger Stadtbefestigung war. Gegründet wurde das Franziskanerkloster 1263. Woher die Brüder kamen, ist nicht sicher belegt: Eine Quelle nennt den Handelsweg von der Nordseeküste, das Kloster Ripen oder das Graukloster in Schleswig. Wegen ihrer grauen Kutte nannte man sie Graubrüder. Sie waren ein Bettelorden, zur Armut verpflichtet. Das stand in starkem Kontrast zum aufkommenden Reichtum der Bürger und Fernkaufleute, etwa der Flensburger Knudsgilde. Schon bald gründeten sie das Hospital zum Heiligen Geist und, außerhalb der Stadt, das Leprosenhospital St. Jürgen. 1269 fand hier das erste Ordenskapitel der Franziskanerprovinz Dacia statt. Dann die Reformation. 1528 sollen der Priester Swend und einige Flensburger Bürger die Brüder vertrieben haben. Die Sage erzählt dazu eine Szene: Ein Laienbruder namens Johannes, zuständig für die Vorratskammern, weigerte sich, die Schlüssel herauszugeben, weil dort kürzlich Getränke eingelagert worden waren. Am Ende durften die Brüder noch ein Mahl ausrichten, bei dem die Speisekammer geleert wurde, und die Bürger saßen mit am Tisch. Ob es so war, lässt eine Quelle offen: Die Geschehnisse werden zum Teil als Sage, zum Teil als historisch eingestuft. Am 8. April 1529 fand im Kloster die Flensburger Disputation statt, unter dem Vorsitz des Kronprinzen Herzog Christian. Melchior Hofmann, als Schwärmer verdächtigt, stand gegen die Lutheraner Johannes Bugenhagen und Hermann Tast. Es ging um die Gegenwart Christi beim Abendmahl. Mit 400 weiteren Persönlichkeiten war die Versammlung groß, und sie beschloss die Einführung der Reformation in Dänemark und Schleswig-Holstein. 1530 schenkte der König der Stadt die Klostergebäude, und die machte daraus ein Armenhaus. 1545 entstand die Stiftung Hospital und Kloster zum Heiligen Geist, die es noch heute gibt. Heute dient das Kloster dieser Stiftung als Altenpflegeheim. Die Kirche des alten Hospitals sehen wir später noch.

Kurzfassung

Sie stehen bei den Resten des Franziskanerklosters, hinter dem Südermarkt, nahe der Roten Straße. Es wurde 1263 gegründet, schon 1269 tagte hier das erste Ordenskapitel der Franziskanerprovinz Dacia. Die Brüder hießen wegen ihrer grauen Kutten Graubrüder. Heute dient der Ort als Altenpflegeheim.

Für Kinder

Du stehst an einem sehr alten Kloster, das 1263 gegründet wurde. Die Mönche hießen Graubrüder, weil sie graue Kutten trugen. Sie waren ein Bettelorden und sollten arm leben, während ringsum Kaufleute reich wurden. Später, so erzählt es die Sage, wurden sie vertrieben. Zum Abschied durften sie noch ein Essen ausrichten, bei dem die Speisekammer leer gegessen wurde. Was würdest du als Letztes aus einer vollen Speisekammer essen?

Quellen

Koordinaten: 54.7822, 9.43611 · auf der Karte

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