Stadtohr

Stadtrundgang Esslingen am Neckar · Station 5 von 16

Stadtkirche St. Dionys (Esslingen am Neckar)

· kirche, gotik, vitalis, staufer

Ausführlich

Sie stehen vor der evangelischen Stadtkirche St. Dionys, einer gotischen Kirche auf der Südseite des Marktplatzes. Wir bleiben hier etwas länger, denn dieser Platz reicht weit zurück. Unter der heutigen Stadtkirche dokumentierte man menschliche Siedlungsspuren aus der Zeit um 1000 vor Christus. Um 700 wurde hier die erste Kirche gebaut, eine Vitaliskirche, einschiffig, 18 Meter lang, mit Friedhof. Bei Ausgrabungen fand man 17 Gräber im Kirchenschiff. Auf dem Deckstein eines dieser Gräber steht die Inschrift IN NOMINE DOMINI NORDMAN, im Namen des Herrn, Nordman. Sie gilt als älteste mittelalterliche Grabinschrift rechts des Rheins. Abt Fulrad vom Kloster Saint-Denis vermachte in seinem Testament von 777 seinem Kloster sechs Zellen, darunter die in Esslingen. Das ist die erste urkundliche Erwähnung des Ortes. Die Reliquien des Vitalis, vielleicht auch des Dionysius, führten zu einem Markt und zu einer Wallfahrt. Deshalb wich die erste Kirche im späten 9. Jahrhundert einer größeren, mit 40 Metern Länge und einer Hallenkrypta. Sie war der größte Steinkirchenbau ihrer Zeit in Innerschwaben. Am 30. Dezember 1213 übergab König Friedrich II. die Pfarrkirche dem Domkapitel in Speyer, damit mit den Erträgen das Andenken seiner dort beigesetzten Vorfahren gepflegt werden konnte. Wahrscheinlich war das der Anlass für den Neubau. Um 1220 bis 1230 wurde die Krypta zugeschüttet, und um den Chor entstanden die ersten Teile der neuen Kirche. Die Pläne wandelten sich mehrfach. 1297 ersetzte man den Chor durch den heute noch bestehenden. Er ist 7,7 Meter länger als sein Vorgänger. Die Türme mussten deshalb aufgestockt werden. Der Nordturm erreichte 59 Meter, der Südturm 55,5 Meter. Das überlastete die Fundamente. Der Nordturm drohte einzustürzen, nach 1437 verstärkte man ihn. Der Südturm neigte sich um 56 Zentimeter nach Süden. Von 1643 bis 1650 baute man zwischen den Türmen zwei Holzbrücken mit eingezogenen Ketten ein. Schauen Sie hinauf zu den Türmen: Die obere Brücke ersetzte man 1900 durch eine holzverkleidete Stahlkonstruktion. In der Mitte des 14. Jahrhunderts war die Kirche 70 Meter lang und 24 Meter breit. Die Bronzetür an der Westfassade schuf Ulrich Henn 1968. Ihr Griff ist ein Fisch, der den Propheten Jona aus dem Maul entlässt.

Kurzfassung

Sie stehen vor der evangelischen Stadtkirche St. Dionys, einer gotischen Kirche auf der Südseite des Marktplatzes. An ihrer Stelle stand schon um 700 eine erste Kirche. König Friedrich II. übergab sie am 30. Dezember 1213 dem Domkapitel Speyer. Die heutige Kirche ist 70 Meter lang.

Für Kinder

Du stehst vor der Stadtkirche. Sie ist sehr alt. Schon vor etwa 1300 Jahren, um 700, stand an dieser Stelle eine kleine Kirche, nur 18 Meter lang. Die heutige ist 70 Meter lang. In einem Grab fand man einen Stein mit dem Namen Nordman darauf. Das ist die älteste Grabinschrift aus dem Mittelalter rechts des Rheins. Die Kirche hat zwei Türme. Zwischen ihnen hat man vor langer Zeit Holzbrücken mit Ketten eingebaut, weil sich ein Turm neigte. Schau mal, ob du die Brücke zwischen den Türmen siehst.

Quellen

Koordinaten: 48.7421, 9.306 · auf der Karte

Kartendaten © OpenStreetMap-Mitwirkende, ODbL. Routing: Valhalla auf OSM-Daten. Objektdaten: Wikidata (CC0). Fotos: Wikimedia Commons, Urheber und Lizenz je Bild.