Sie stehen vor dem Postmichelbrunnen in der Fischbrunnenstraße. Er illustriert eine Sage. An einem Herbstmorgen 1491 fand man an der Esslinger Steige bei Stuttgart den Esslinger Bürger Amandus Marchthaler ermordet und ausgeraubt. Der Täter blieb unbekannt, das Vermögen erbte der Neffe. Zwei Jahre später fand der Botenreiter Michel Banhard in der Nähe einen Ring des Toten. Er steckte ihn an den Finger, um ihn abzugeben. Doch in der Botenherberge erkannte man den Ring. Banhard wurde festgenommen und gefoltert, gestand schließlich und sollte enthauptet werden. Als letzte Gnade durfte er auf seinem Schimmel zum Richtplatz reiten und sein Horn blasen. Vor dem Haus des Neffen blies er ein letztes Stück und beschuldigte den Bewohner. In dem Augenblick, in dem er enthauptet wurde, hörte man auf der Straße nach Stuttgart Hufgetrappel und Hornblasen. Jedes Jahr in der Michaelsnacht erschien ein Reiter mit dem Kopf unter dem Arm. Der Neffe gestand erst kurz vor seinem Tod in der Beichte, dass er selbst den Onkel ermordet hatte. Nun Dazu zwei Angaben: Die Erzählung erschien 1845 in der Stuttgarter Stadt-Glocke, einem Unterhaltungsblatt. Eine Quelle nennt sie eine frei erfundene Geschichte. Schon 1844 hatte Johann Gottlieb Munder ein Gedicht über den Postmichel veröffentlicht, mit dem Zusatz Stuttgarter Ammenmärchen. Das Sühnekreuz in Stuttgart gab es wirklich, seine Errichtung hatte aber andere, unbekannte Gründe. Nun zum Brunnen. Gestiftet hat ihn Anna von Hecker, die im Dezember 1911 starb. Die Stadt schrieb 1912 einen Wettbewerb unter vier Bildhauern aus, die 13 Modelle einreichten. Im März 1914 fiel die Wahl auf Emil Kiemlen. Wegen des Krieges stellte man die Figur erst im März 1916 auf. Es ist ein Laufbrunnen mit rundem Trog aus vier Naturstein-Segmenten, deren Reliefs Szenen der Sage zeigen. Die bronzene Figur des Postmichels auf der Säule trägt die Jahreszahl 1915. Und hier die Pointe: Kiemlens Entwurf hatte das Pferd anders ausgerichtet. Nach der Aufstellung stand der Postmichel zur Empörung der Bürger falsch herum, er kehrte der Ritterstraße den Rücken zu. Die Figur wurde noch vor der Einweihung gedreht. Am heutigen Standort wird schon 1381 und 1409 ein Brunnen erwähnt, der Kouffbrunnen. 1510 taucht der Name Fischbrunnen auf.
Sie stehen vor dem Postmichelbrunnen in der Fischbrunnenstraße. Er illustriert die Sage vom Postmichel, einem Botenreiter, der enthauptet worden sein soll und als Reiter ohne Kopf wiederkehrt. Die Bronzefigur schuf Emil Kiemlen, aufgestellt wurde sie im März 1916.
Du stehst vor einem Brunnen mit einem Reiter auf einem Pferd. Das ist der Postmichel. Er war ein Botenreiter. Die Sage erzählt, dass er zu Unrecht als Mörder bestraft wurde. Seitdem soll er jedes Jahr in der Michaelsnacht als Reiter ohne Kopf unterwegs sein. Aber das ist eine Sage, kein bewiesenes Ereignis. Der Brunnen wurde 1916 aufgestellt. Und weißt du, was passiert ist? Zuerst stand die Figur falsch herum. Die Leute waren empört, und man hat sie gedreht. Schau, in welche Richtung der Postmichel jetzt blickt.
Koordinaten: 48.7417, 9.30766 · auf der Karte