Stadtohr

Stadtrundgang Esslingen am Neckar · Station 9 von 16

Frauenkirche (Esslingen)

· kirche, gotik, hallenkirche, buergerkirche

Ausführlich

Sie stehen vor der evangelischen Frauenkirche, die als erste gotische Hallenkirche im Südwesten Deutschlands gilt. Ihre Geschichte ist eine Geschichte der Bürger. Esslingen war seit 1181 Freie Reichsstadt. Die älteste Kirche der Stadt, die Stadtkirche St. Dionys, gehörte jedoch dem Domkapitel zu Speyer. Der Rat der Bürgerschaft forderte deshalb am 26. Mai und am 1. Juni 1321 die Bürger zum Bau einer eigenen Kirche zu Unserer Lieben Frau auf. Sie entstand an der Stelle einer Marienkapelle und gilt seither als Bürgerkirche. Der Bau begann etwa 1325 am Chor im Osten. Nach fast 200 Jahren, 1508, wurde er mit dem Fassadenturm im Westen vollendet. Beteiligt waren die Baumeisterfamilien Ensinger und Böblinger. Sie arbeiteten auch am Ulmer Münster. Schauen Sie hinauf zum Turm. Er ist 72 Meter hoch und wird nach oben immer reicher, filigraner und mit kunstvollem Maßwerk gestaltet. Er zählt zu den wenigen gotischen Türmen, die noch im Mittelalter vollendet wurden. Nun der Blick auf die Dachkante und die Wasserspeier: 63 historische Wasserspeier zieren die Frauenkirche. Im Volksmund heißen sie Zimtrotzer, Pfefferhuster, Sackzwicker, Madonnenbeißer, Zwiebelfresser, Schwabenbrüller oder Ewigkeitsdackel. Der Künstler HAP Grieshaber schuf 1968 vier Holzschnitte nach ihnen. Am Rand des Chordaches ist Jakobus zu erkennen, als fünfte Figur von links, mit Stock, Tasche und Muschel am Hut. Einer der Zweige der europäischen Jakobspilgerwege führte über Esslingen. Das Original der Figur, verwittert, steht im Inneren nahe der Kanzel. Im Inneren tragen schlanke Bündelpfeiler ohne Kapitelle die Wölbung. Im Chor ist mittelalterliche Glasmalerei erhalten, in Esslinger Werkstätten ab 1300 oder 1310 entstanden. Sie zählt zu den wichtigsten Zeugnissen der Glasmalerei im deutschen Südwesten ihrer Zeit. 1803 verlor die Stadt ihre Unabhängigkeit, die Kirche geriet außer Gebrauch und verwahrloste. 1860 bis 1863 rettete sie der Hofbaumeister Joseph von Egle vor dem Verfall. Der Ringstraßenbau in den 1960er Jahren und der Abriss von Häuserzeilen isolierten die Frauenkirche vom Rest der Innenstadt. Von 1994 bis 2016 wurde sie außen saniert. Dabei kamen drei Glocken aus den Jahren 1350, 1496 und 1587 wieder zum Einsatz.

Kurzfassung

Sie stehen vor der evangelischen Frauenkirche, der ersten gotischen Hallenkirche im Südwesten Deutschlands. Der Rat rief 1321 die Bürger zum Bau auf. Der Bau dauerte fast 200 Jahre. Der Turm ist 72 Meter hoch und wurde 1508 vollendet.

Für Kinder

Du stehst vor der Frauenkirche. Sie sollte eine Kirche für die Bürger der Stadt sein. Ihr Turm ist 72 Meter hoch, und gebaut hat man fast 200 Jahre daran. Schau nach oben an den Rand des Daches: Dort sitzen 63 historische Wasserspeier, zum Teil monströse Figuren. Manche haben lustige Namen: Zimtrotzer, Pfefferhuster, Zwiebelfresser, Ewigkeitsdackel. Such dir einen aus. Wie sieht er wohl aus? Und ganz oben am Chor steht Jakobus mit Stock und Tasche. Er erinnert an die Pilger, die über Esslingen zogen.

Quellen

Koordinaten: 48.74368, 9.30537 · auf der Karte

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