Stadtohr

Stadtrundgang Essen · Station 1 von 16

Alte Synagoge

1911 · synagoge, jüdisches leben, novemberpogrom, stahlbeton

Ausführlich

Willkommen in Essen. Wir beginnen an der Alten Synagoge, Steeler Straße 29, nahe dem Rathaus. Essen liegt im Zentrum des Ruhrgebiets und hatte Ende 2025 573.618 Einwohner. Wie aus einem Frauenstift eine Stadt der Kohle und des Stahls wurde, erzählen wir unterwegs. Zuerst dieses Haus. Anfang des 20. Jahrhunderts war die Synagoge in der Gerswidastraße zu klein für die wachsende jüdische Gemeinde. Sie ließ 1911, vertreten durch ihren ersten Rabbiner Salomon Samuel, einen Neubau planen, vom Architekten Edmund Körner. Der Bau sollte selbstbewusst die Integration und Anerkennung der Juden im Kaiserreich ausdrücken. Darum steht er mitten in der Stadt: Die zentrale Lage sollte die Ankunft des Judentums in der deutschen Gesellschaft versinnbildlichen. Die Grundsteinlegung war am 11. Juli 1911, eingeweiht wurde am 25. September 1913. Wikidata nennt 1911, eine Quelle nennt die Fertigstellung 1913. Ich nenne Ihnen die ältere Angabe und sage dazu: 1911 begann der Bau, 1913 war er fertig. Schauen Sie hinauf zur Kuppel. Sie schwebt frei, ist 37 Meter hoch, das Gebäude ist 70 Meter lang. Es ist das größte freistehende Synagogengebäude nördlich der Alpen. Im Hauptraum fanden über 1500 Menschen Platz, es gab Emporen, eine Orgel und einen großen Bima-Bereich. 1933 zählte die Gemeinde rund 4500 Mitglieder. In der Nacht vom 9. auf den 10. November 1938 wurde das Innere durch Brandstiftung stark beschädigt. Das Äußere blieb fast unversehrt. Wegen des Stahlbetons konnten die Nationalsozialisten das Gebäude nicht abreißen, und eine Sprengung war wegen der umliegenden Häuser unmöglich. Von 1945 bis 1959 stand es als Ruine am Rand der Innenstadt. Die Stadt kaufte es und richtete 1960/61 ein Museum für Industriedesign ein. Dafür wurden alle noch vorhandenen synagogalen Einrichtungselemente beseitigt. 1980 richtete der Rat der Stadt hier die Institution Alte Synagoge ein, seit Juli 2010 ist das Haus als Haus der jüdischen Kultur wieder eröffnet. Die Sanierung von Kupferdach und Fassade ist Stand Mitte 2026 noch nicht abgeschlossen. Gleich nebenan steht die nächste Station: eine Kirche, die den Ruß dieser Nacht noch trägt.

Kurzfassung

Sie stehen vor der Alten Synagoge an der Steeler Straße 29, nahe dem Rathaus. Der Architekt Edmund Körner baute sie, 1913 wurde sie eingeweiht. Sie ist das größte freistehende Synagogengebäude nördlich der Alpen. Heute ist sie das Haus der jüdischen Kultur in Essen.

Für Kinder

Du stehst vor einer Synagoge. Das ist ein Haus, in dem Menschen jüdischen Glaubens zusammenkommen. Diese hier ist riesig: Die Kuppel ist 37 Meter hoch und das Gebäude 70 Meter lang. Im großen Raum hatten über 1500 Menschen Platz. Im November 1938 legten Menschen Feuer im Inneren. Das Haus ist aus Stahlbeton, deshalb blieb das Äußere fast heil. Schau mal nach oben: Kannst du die Kuppel sehen? Heute heißt das Haus Haus der jüdischen Kultur.

Quellen

Koordinaten: 51.4564, 7.01667 · auf der Karte

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