Sie stehen vor dem Markgrafentheater, dem ältesten noch bespielten Barocktheater Süddeutschlands. Von außen fällt es kaum auf. Es steckt in einem Gebäudekomplex nördlich des Schlossgartens, zusammen mit dem Redoutensaal und dem sogenannten Langen Haus, dem einstigen Marstall, und ist durch einen Durchgang erschlossen, der die Wasserturmstraße mit dem Theaterplatz verbindet. Gebaut wurde es von 1715 bis 1719 im Auftrag des Markgrafen Georg Wilhelm von Brandenburg-Bayreuth als Opern- und Komödienhaus. Am 10. Januar 1719 wurde es mit der Oper Argenis und Poliarchus eingeweiht. Zwei Bilder von Johann Baptist Homann aus dem Jahr 1721 zeigen, wie es damals aussah: ein breiter Orchestergraben vor der Bühne, das tiefer gelegte Parkett mit einfachen Holzbänken, die Logen über Außentreppen erreichbar und vermutlich vornehmeren Personen vorbehalten. Nun zu 1736, und das ist die Geschichte dieses Hauses. Der opernfreudige Markgraf Georg Wilhelm war 1726 gestorben. Ein Jahrzehnt später, zur Regierungszeit des Markgrafen Friedrich, wollte man das Theater in ein Salzmagazin umwandeln. Ein Lagerhaus. Dass es nicht dazu kam, lag am Wunsch von Georg Wilhelms Witwe Sophia, die theaterbegeistert war und das Erlanger Schloss nach seinem Tod acht Jahre lang als Witwensitz bewohnte. Stattdessen ließ das Bayreuther Markgrafenpaar Friedrich und Wilhelmine 1743 und 1744 den Innenraum durch den italienischen Theaterarchitekten Giovanni Paolo Gaspari neu gestalten, unter teilweiser Verwendung der vorhandenen Bausubstanz. Im Karneval des Jahres 1744 wurde das neue Theater mit der Oper Sirace gefeiert. Schauen Sie sich diesen Raum an, wenn Sie hineinkommen. Gegenüber der elf Meter breiten und zwölf Meter tiefen Bühne und dem absenkbaren Orchestergraben für vierzig Musiker verlaufen drei durch Kolonnaden gestützte Ränge in Hufeisenform. Die Fürstenloge erstreckt sich über drei Achsen und zwei Zonen der Ränge, bekrönt von einem gestuften Baldachin, den vergoldete Hermen für Komödie und Tragödie stützen. Auf die zeittypischen Rocaillen hat man verzichtet und stattdessen Gitterwerk mit Voluten und Blattwerk verwendet. Weil wenig plastische Details vorkommen, beruht die Wirkung des Raums vor allem auf der Bemalung. Und nun der Punkt, an dem sich dieses Haus von anderen unterscheidet. Im Markgrafentheater unterblieb weitgehend jene Ausstattung, die von fürstlichem Absolutismus zeugt. Vergleichbare Bauten wie das Markgräfliche Opernhaus in Bayreuth oder das Cuvilliés-Theater in München dienten vorwiegend der Repräsentation der Hofgesellschaft. Das Erlanger Theater war primär ein Haus für alle, und der Fürst darin nur der Erste unter Gleichen. Danach wechselte es die Besitzer: 1810 an das Königreich Bayern, 1817 als Geschenk des späteren Königs Ludwig I. an die Universität, 1838 an die Stadt Erlangen, die es am 4. Dezember 1838 als Erlanger Stadttheater wiedereröffnete. 1903 wurde es elektrifiziert, 1907 erhielt es eine zum Theaterplatz vorgeblendete Jugendstilfassade. 1956 wurde es wegen Baufälligkeit geschlossen. 1957 stand zur Debatte, ob das einsturzgefährdete Haus abgerissen oder erhalten werden sollte. Der Stadtrat stimmte für den Erhalt. Im Dezember 1959 wurde das Markgrafentheater mit der Hochzeit des Figaro wieder eröffnet.
Sie stehen vor dem Markgrafentheater, dem ältesten noch bespielten Barocktheater Süddeutschlands. Erbaut wurde es von 1715 bis 1719 als Opern- und Komödienhaus. Am 10. Januar 1719 wurde es eingeweiht. Heute ist es die Hauptspielstätte des Schauspiel Erlangen.
Hinter dieser schlichten Fassade steckt das älteste Theater in Süddeutschland, in dem noch gespielt wird. Gebaut wurde es von 1715 bis 1719 für einen Markgrafen. Drinnen gibt es drei Ränge, eine Bühne von elf Metern Breite und einen Graben für vierzig Musiker, den man nach unten fahren kann. Jetzt kommt das Verrückte: 1736 wollte man aus dem Theater ein Lagerhaus für Salz machen. Gerettet hat es die Witwe des Markgrafen, weil sie Theater liebte. Fast zweihundertzwanzig Jahre später, 1956, war das Haus so baufällig, dass es zumachen musste. Man hätte es abreißen können. Was hättest du entschieden?
Koordinaten: 49.5997, 11.0057 · auf der Karte