Stadtohr

Stadtrundgang Eisenach · Station 1 von 16

Wartburg

1067 · burg, mittelalter, luther, welterbe

Ausführlich

Willkommen in Eisenach, und willkommen oben. Bevor wir hinuntergehen, bleiben wir bei der Frage, wann diese Burg entstanden ist, denn an ihr lässt sich zeigen, wie Geschichte belegt wird. Zuerst die Sage. Ludwig der Springer soll gerufen haben: Wart, Berg, du sollst mir eine Burg werden. Nur gehörte ihm der Berg nicht, und mit seinen zwölf Rittern hätte er ihn auch nicht erobern können. Also ließ er Erde aus seinem eigenen Herrschaftsgebiet heraufschaffen und auf dem Berg ausstreuen. Vor Gericht rammten seine Ritter die Schwerter in diesen Boden und beschworen, die Klingen steckten vollends in Ludwigs Erde. Der Trick hatte Erfolg, sagt die Sage. Nun die Überlieferung. Eine thüringische Fürstenchronik berichtet, Ludwig habe seinen Besitz bis zu dem Berg erweitert, den man Wartberg nennt, und dort mit Hilfskräften des gesamten Landes eine uneinnehmbare Burg errichtet. Wann das geschah, steht dort nicht. Belegt ist, dass Ludwig 1063 heiratete und damit wohl volljährig war. Belegt ist auch die erste Nennung der Burg 1080, bei Bruno, in seiner Abhandlung zum Sachsenkrieg. 1067 startete König Heinrich IV. sein Burgenbauprogramm und griff dabei auf treue Gefolgsmänner aus dem niederen Adel zurück; Ludwig war ein solcher. Wikidata nennt deshalb 1067 als Jahr, eine Quelle nennt 1080 als erste Nennung. Ich sage Ihnen beide Angaben und nicht nur eine. Schauen Sie jetzt auf den Palas, den langen Bau mit den Reihen von Rundbogenfenstern. Er entstand etwa 1156 bis 1162 unter Landgraf Ludwig II., dem wichtigsten Bauherrn der Ludowinger, und ist der erste Bau dieses Typs im deutschsprachigen Raum. Von der älteren Burg ist fast nichts erhalten; wahrscheinlich bestanden wesentliche Teile aus Holz. Die östliche Ringmauer und Teile des Torhauses stammen noch aus dem 12. Jahrhundert. Was Sie an Hauptturm und Neuer Kemenate sehen, geht auf Großherzog Carl Alexander von Sachsen-Weimar-Eisenach zurück, der die Burg von 1838 bis 1890 nach Entwürfen von Hugo von Ritgen wiederherstellen ließ. Dass diese Burg als deutsches Nationaldenkmal gilt, hat vier Gründe, und alle vier sind Menschen oder Versammlungen. Elisabeth von Thüringen, die von 1211 bis 1227 hier lebte und zeitweise als Nationalheilige galt. Heinrich Raspe IV., Gegenkönig zu Friedrich II., der im Februar 1247 hier starb. Luther, der hier elf Wochen an der Bibel arbeitete. Und die Studenten, die 1817 und im Revolutionsjahr 1848 heraufkamen und einen Nationalstaat mit eigener Verfassung forderten. Noch eines. 1113 wurde Ludwig der Springer in Dortmund gefangen gesetzt und musste für seine Freilassung die Wartburg an den Kaiser übergeben. Am 21. November 1116 stand er hier wieder in Freiheit. Gehen wir hinunter.

Kurzfassung

Sie stehen vor der Wartburg, 411 Meter hoch über Eisenach. Erbaut haben sie die Landgrafen von Thüringen, die Ludowinger; erstmals genannt wird sie 1080. Elisabeth von Thüringen lebte hier, Martin Luther übersetzte hier das Neue Testament. Seit 1999 gehört die Burg zum UNESCO-Welterbe.

Für Kinder

Du stehst vor einer echten Burg. Sie heißt Wartburg und steht 411 Meter hoch. Von hier oben konnte man weit sehen, und genau dafür war sie da: wachen. Eine Sage erzählt, der Burgherr habe gerufen: Wart, Berg, du sollst mir eine Burg werden. Nur gehörte ihm der Berg nicht. Also ließ er Erde von seinem Land heraufbringen und hier ausstreuen. Dann steckten seine Ritter die Schwerter in diese Erde und sagten vor Gericht, sie stünden auf seinem Boden. War das ehrlich? Später versteckte sich hier Martin Luther. Er nannte sich Junker Jörg.

Quellen

Koordinaten: 50.966111111, 10.306388888 · auf der Karte

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