Stadtohr

Stadtrundgang Düsseldorf · Station 1 von 16

Schloss Jägerhof

1752–1763 · schloss, rokoko, museum, residenz

Ausführlich

Willkommen in Düsseldorf. Sie stehen vor Schloss Jägerhof, Jacobistraße 2 in Pempelfort, am östlichen Ende des Hofgartens. Von hier führt Ihr Weg in die Altstadt. Bleiben wir zuerst bei einer Jahreszahl: 1716. In diesem Jahr starb Kurfürst Jan Wellem, am 10. September 1717 reiste seine Witwe ab, und Düsseldorf verlor den Status einer Residenzstadt. Was das hieß, lässt sich an diesem Grundstück ablesen. Die Gebäude verfielen, das Gelände blieb jahrzehntelang ungenutzt. Erst Karl Theodor griff Mitte des 18. Jahrhunderts wieder zu. Er regierte die Herzogtümer Jülich-Berg mit ihrer Hauptstadt Düsseldorf nur als Nebenland, hegte aber große Pläne. Sein Baumeister Johann Joseph Couven entwarf 1749 ein dreigeschossiges Gebäude mit Mittelturm und Flügelbauten, um das die Düssel herumgeleitet werden sollte. Davon wurde wenig gebaut. Oberbaudirektor Nicolas de Pigage setzte nur einen Teil um, und so war das Haus 1762 ohne Seitenflügel fertig. Schauen Sie die Fassade entlang. Was links und rechts anschließt, kam erst nach 1821 dazu. Damals zog die Familie des Divisionskommandeurs Prinz Friedrich von Preußen ein, fand die Räume zu klein, und unter der Bauleitung von Anton Schnitzler holte man die alten Pläne wieder hervor. Bis 1885 blieb das Schloss eine Residenz der Hohenzollern. 1909 verkaufte der Staat es samt rückwärtigem Garten an die Stadt, zähneknirschend, wie es heißt. Die Stadt brach die Flügel wieder ab, weil sie einen Meter siebzig über die Fluchtlinie der verbreiterten Jacobistraße hinausragten. Die Bäume ließ sie fällen, den Schlosspark verkaufte sie großenteils als Bauland. Dazwischen liegt die französische Zeit. 1795 wäre der Jägerhof beinahe von Revolutionstruppen gesprengt worden, einer Plünderung entging er nicht, danach diente er als Lazarett und Nachtlager. Für den viertägigen Besuch Napoleons im Jahr 1811 wurde in aller Eile alles renoviert. Staatssekretär Graf Roederer schrieb seiner Frau, die hergerichtete Stadt sei ein „petit Paris“. Im 20. Jahrhundert wurde das Haus politisch. 1934 zog das Konsistorium der Evangelischen Kirche im Rheinland ein; sein Mietvertrag wurde auf erheblichen Druck des NSDAP-Gauleiters widerrechtlich aufgelöst, und am 30. Januar 1937 richtete die Gauleitung sich hier ein. Beim Luftangriff am 12. Juni 1943 wurde das Schloss stark beschädigt. Erst 1950 baute Helmut Hentrich es wieder auf, seit 1955 ist es Museum. Goethe selbst war 1774 und 1792 in Düsseldorf, aber nicht hier, sondern unweit im Haus des Philosophen Friedrich Heinrich Jacobi. Für die Fertigstellung nennt Wikipedia 1762, in der Einleitung den Zeitraum bis 1763, in einer Quelle zum Hofgarten das Jahr 1765. Ich nenne Ihnen die älteste Angabe und sage dazu, dass es drei gibt.

Kurzfassung

Sie stehen vor Schloss Jägerhof, Jacobistraße 2 in Pempelfort. Kurfürst Karl Theodor ließ es von 1752 bis 1763 bauen, damals noch vor den Toren der Stadt. Früher hieß es Vénerie, französisch für die Jagd. Seit 1987 sind hier das Goethe-Museum und die Stiftung Ernst Schneider untergebracht.

Für Kinder

Schau dir dieses Haus an. Es ist ein Schloss, aber ein kleines. Bauen ließ es ein Kurfürst, ein sehr mächtiger Fürst. Er hieß Karl Theodor und wollte hier nicht wohnen, sondern jagen. Darum heißt das Haus Jägerhof. Die Arbeit begann 1752, damals stand es noch außerhalb der Stadt. Weil die Straße später breiter werden sollte, riss die Stadt die beiden Seitenteile wieder ab. Heute ist hier ein Museum über den Dichter Johann Wolfgang von Goethe. Wofür wäre dein Schloss da: zum Wohnen, zum Jagen oder für etwas anderes?

Quellen

Koordinaten: 51.231, 6.78778 · auf der Karte

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