Stadtohr

Stadtrundgang Düsseldorf · Station 9 von 16

Jan-Wellem-Reiterdenkmal

1703–1711 · denkmal, barock, bronze, kurfürst

Ausführlich

Sie stehen vor dem Jan-Wellem-Reiterdenkmal in der Mitte des Marktplatzes, und Sie stehen vor einem Denkmal, das nur zum Teil ausgeführt wurde. Begonnen hat es Gabriel Grupello, ein italienisch-flämischer Bildhauer, im Jahr 1703; aufgestellt wurde es 1711. Dargestellt ist Johann Wilhelm von Pfalz-Neuburg, Kurfürst von der Pfalz und Herzog von Jülich-Berg, bei den niederfränkisch sprechenden Düsseldorfern Jan Wellem. Schauen Sie zuerst die Figur an: der Landesherr in voller Rüstung, mit Kurhut, Ordenskette und Marschallstab, gerade sitzend, das Pferd trabend. Die Bronze wurde im Gießhaus gegossen, dem späteren Theater am Marktplatz, also hier am Markt. Jetzt schauen Sie nach unten, auf den Sockel, denn hier fehlt etwas. Grupellos Entwurf sah einen wesentlich höheren Sockel vor, und an allen vier Seiten sollten Allegorien stehen: Löwen, die je ein Laster niederwerfen, Geiz, Hochmut, Neid und Unmäßigkeit. Die Modelle der Löwen waren fertig. Der Guss wurde nicht mehr ausgeführt. Statt der geplanten Prachtanlage, deren Zeichnung im historischen Museum zu sehen war, entstand ein einfacher Sockel. Vier Löwen, die vier Laster niederwerfen, hätten die Haltung des ganzen Denkmals verändert; so bleibt ein Reiter auf einem Block. Der heutige Sockel ist klassizistisch, aus Granit, und er dekoriert sich bescheidener: vergoldete bronzene Palmenzweige und Lorbeerkränze, auf den Breitseiten größere Inschriftentafeln mit Widmung und Datum. Eingezäunt ist die Anlage mit einem klassizistischen Lanzengitter, dessen Pfosten als Lanzenbündel gestaltet sind. Die lateinische Inschrift auf der rechten Seite des Sockels lautet, übersetzt auf der Bodentafel: Gesetzt durch die dankbare Bürgerschaft 1711, der Sockel wurde geschaffen 1831. Die linke Inschrift nennt die Titel und zwei Verdienste: Erweiterer der Stadt, Gründer der Gemäldegalerie. Das zweite ist der Grund, warum dieses Denkmal hier steht. Die Gemäldegalerie, zwischen 1709 und 1712 als erster selbständiger Galeriebau Europas an das Schloss angebaut, machte Düsseldorf international bekannt. Jan Wellem starb 1716, und mit seinem Tod verlor die Stadt die Residenz, worüber Sie am Anfang dieses Rundgangs gehört haben. Das Denkmal auf dem Marktplatz ist also älter als der Verlust, den es überdauert hat. Der Wikipedia-Quelle nennt für den klassizistischen Granitsockel das Jahr 1830 und als Bildhauer Kramberger. Die Inschrift am Denkmal selbst nennt 1831, und die Bodentafel schreibt den Sockel Adolf von Vagedes zu. Ich nenne Ihnen die älteste Angabe und sage dazu, dass es zwei Jahre und zwei Namen gibt.

Kurzfassung

Sie stehen vor dem Jan-Wellem-Reiterdenkmal in der Mitte des Marktplatzes. Gabriel Grupello begann es 1703, aufgestellt wurde es 1711. Es zeigt Johann Wilhelm von Pfalz-Neuburg, den die Düsseldorfer Jan Wellem nannten. Es ist heute ein Wahrzeichen der Stadt.

Für Kinder

Vor dir reitet ein Mann aus Bronze. Er heißt Johann Wilhelm und war Kurfürst. Die Leute in Düsseldorf nannten ihn Jan Wellem. Der Bildhauer Gabriel Grupello fing 1703 an, die Figur zu gießen, und 1711 stand sie hier. Aber etwas fehlt. Der Künstler wollte einen viel höheren Sockel, und an den vier Seiten sollten Löwen sitzen. Jeder Löwe sollte einen Fehler besiegen: Geiz, Hochmut, Neid und Maßlosigkeit. Die Modelle waren fertig, dann ging das Geld aus. Welchen Fehler würde dein Löwe besiegen?

Quellen

Koordinaten: 51.2258, 6.77202 · auf der Karte

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