Sie stehen am Ende dieses Rundgangs, im Albertinum, vor der Galerie Neue Meister. Etwa dreihundert Bilder des 19. und 20. Jahrhunderts sind hier zu sehen, ausgewählt aus einem Bestand von rund dreitausend. Dass es diese Sammlung gibt, hängt an einer Person und einem Privatvermögen. Bernhard August von Lindenau wurde 1830 Leiter der Königlichen Museen. Ab 1843 kaufte er für eine neu geschaffene Moderne Abteilung verstärkt zeitgenössische Kunst an und stellte dafür jährlich siebenhundert Taler aus seinem eigenen Vermögen bereit. Trotzdem war das Geld knapp. Man musste sich im Wesentlichen auf deutsche Maler beschränken. Und nun eine Zahl, die man sich merken sollte: Bis 1882 befanden sich nur vier bedeutende Werke der deutschen Romantik in der Sammlung. Von Caspar David Friedrich die Zwei Männer in Betrachtung des Mondes und das Hünengrab im Herbst, von Ludwig Richter der Brautzug im Frühling und die Überfahrt über die Elbe am Schreckenstein bei Aussig. Vier Bilder. Die Romantik, die heute als Kern dieses Hauses gilt, war zu ihrer Zeit nicht gefragt. Erst unter dem Direktor Karl Woermann wurde erweitert, nach der internationalen Kunstausstellung von 1897 kaufte man auch ausländische Werke. Unter Hans Posse, ab 1910 Leiter der Galerie, bildeten sich die drei Schwerpunkte heraus, die noch heute gelten: deutsche Romantik, bürgerlicher Realismus der zweiten Hälfte des 19. Jahrhunderts, Impressionismus. 1931 wurde die Moderne Abteilung ausgelagert, in die Sekundogenitur an der Brühlschen Terrasse, und in diesem Jahr entstand die Galerie als eigenes Haus. Dann zwei Verluste in kurzer Folge. Durch die Aktion Entartete Kunst beschlagnahmten und verkauften die Nationalsozialisten 56 bedeutende Werke dieser Sammlung. Und bei den Luftangriffen am 13. Februar 1945 verbrannten 196 Gemälde auf einem Lastwagen. In der Zeit der DDR konnte man einige der abgegebenen Bilder zurückkaufen. 1959 wurde die Galerie neu gegründet, seit 1965 hängt sie in den Oberlichtsälen dieses Hauses. Am 19. Juni 2010 wurde das Albertinum wiedereröffnet, nachdem nach dem Elbehochwasser von 2002 ein hochwassersicheres Depot eingebaut worden war. Der Rundgang durch die Sammlung beginnt mit Caspar David Friedrich und führt über die Romantiker, die Impressionisten und die Expressionisten bis zu Otto Dix und den Künstlern der Brücke, und er endet bei Gerhard Richter. Georg Baselitz und A. R. Penck haben eigene Räume. Damit sind wir am Schluss. Wir haben vor einer Kirche angefangen, die zweimal gebaut wurde, und stehen jetzt vor Bildern, von denen ein Teil zweimal gekauft werden musste. Beides erzählt dasselbe über diese Stadt: Was hier steht und hängt, ist meist nicht einfach geblieben. Es wurde zurückgeholt. Danke, dass Sie mitgegangen sind.
Sie stehen am Ende des Rundgangs, im Albertinum. Hier hängt die Galerie Neue Meister mit etwa dreihundert Bildern des 19. und 20. Jahrhunderts. Schwerpunkte sind deutsche Romantik, bürgerlicher Realismus und Impressionismus. Die Galerie ging 1931 aus der Modernen Abteilung der Gemäldegalerie hervor.
Du bist am Ende des Rundgangs. In diesem Haus hängen etwa dreihundert Bilder aus den letzten zweihundert Jahren. Die Sammlung begann mit einem Mann, der sein eigenes Geld dafür ausgab: siebenhundert Taler im Jahr. Lange hatte das Museum nur vier wichtige Bilder von Malern der Romantik. Heute sind genau die berühmt. Später nahmen die Nationalsozialisten 56 Bilder weg und verkauften sie. Einige kaufte die Stadt viele Jahre später zurück. Welches Bild von heute sollte man in zweihundert Jahren noch aufhängen?
Koordinaten: 51.051944388, 13.744444388 · auf der Karte