Stadtohr

Stadtrundgang Dresden · Station 14 von 16

Brühlsche Terrasse

1748 · terrasse, festung, denkmal

Ausführlich

Sie stehen auf der Brühlschen Terrasse, rund fünfhundert Meter lang, bis zu zehn Meter hoch, zwischen zehn und vierzig Metern breit. Zuerst die Quellenlage: Wikidata nennt als Jahr 1748, der Wikipedia-Quelle sagt, errichtet wurde sie im 16. Jahrhundert, als Teil der Dresdner Befestigungsanlagen. Ich nenne Ihnen die ältere Angabe und sage dazu, dass es zwei gibt. Das ist auch inhaltlich der Punkt: Sie stehen auf einer Festung. Den Namen gab ihr Heinrich von Brühl. Er ließ hier durch Johann Christoph Knöffel die sogenannten Brühlschen Herrlichkeiten errichten: Galerie, Bibliothek, Belvedere, Palais und eine Gartenanlage mit Pavillon. Durch diese Bebauung verlor die Festungsanlage ihre militärische Bedeutung. Aus einem Wehrbau wurde eine Adresse. Nun der Moment, dem Sie Ihren Standort verdanken. 1814, nach der Niederlage Sachsens in der Völkerschlacht bei Leipzig, war Fürst Nikolai Grigorjewitsch Repnin-Wolkonski Generalgouverneur über das besetzte Königreich Sachsen. Er erließ den Befehl, die Terrasse der Öffentlichkeit zugänglich zu machen. Ein Besatzungsgeneral öffnet den Privatgarten eines Ministers für alle. Der Architekt Gottlob Friedrich Thormeyer baute dafür die Freitreppe am westlichen Ende, in nur vier Monaten. Schauen Sie die Treppe hinunter: Dort steht die Figurengruppe Die vier Tageszeiten von Johannes Schilling, ausgeführt von Franz Schwarz, aufgestellt 1868 für Abend und Nacht und 1871 für Morgen und Mittag. 1908 wurden sie durch Bronzeabgüsse ersetzt. Die Südseite ist mit öffentlichen Gebäuden bebaut, und jedes hat etwas verdrängt. Der Lipsius-Bau, 1887 bis 1894 für Kunstverein und Kunstakademie errichtet, steht an der Stelle der Brühlschen Galerie. Von Brühls Herrlichkeiten blieben im Osten nur Reste des Gartens auf dem Belvederehügel. Unter Ihren Füßen liegt die ältere Schicht weiter: Teile der Dresdner Kasematten mit dem Ziegeltor sind als Museum Festung Dresden zugänglich, und erhalten ist auch der nahezu vergessene Salzausfall. Zwei Denkmäler zum Hinschauen. Die Büste für den Bildhauer Ernst Rietschel wurde am 21. Februar 1876 enthüllt, an seinem fünfzehnten Todestag, mit der Inschrift: Auf der Stätte seines Schaffens. Sein Atelier lag in dem Brühlschen Gartenpavillon, der vorher hier stand. Und im Boden, gegenüber dem Aufgang von der Münzgasse, ist ein Planetensystem eingelassen, 1988 von Vinzenz Wanitschke. Die Medaillons in den konzentrischen Ringen tragen die Namen der Bastionen, die 1721 nach Planeten benannt wurden. Sie gehen hier also über eine Festung, die als Sternkarte beschriftet ist. Schauen Sie nach Norden: Das Panorama reicht über die Elbe von der Dresdner Heide im Osten bis zur Lößnitz im Westen. Am östlichen Ende der Terrasse steht das Haus, in dem wir aufhören.

Kurzfassung

Sie stehen auf der Brühlschen Terrasse, etwa zehn Meter über der Elbe. Sie zieht sich über rund fünfhundert Meter zwischen Augustusbrücke und Carolabrücke. Errichtet wurde sie im 16. Jahrhundert als Teil der Dresdner Befestigungsanlagen. Seit 1814 ist sie öffentlich zugänglich.

Für Kinder

Du stehst auf einer Mauer, zehn Meter über dem Fluss. Früher war das eine Festung, damit Feinde nicht in die Stadt kommen. Dann baute ein reicher Minister namens Brühl hier oben seine Häuser, einen Garten und eine Bibliothek, nur für sich. Normale Leute durften nicht herauf. Das änderte sich 1814. Sachsen war besetzt, und ein fremder General befahl: Die Terrasse wird für alle geöffnet. Darum darfst du hier stehen. Unter dir ist die Mauer hohl, man kann in die alten Gänge hinein. Findest du im Boden einen Planetennamen?

Quellen

Koordinaten: 51.053427, 13.740206 · auf der Karte

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