Sie stehen in der Neustadt. Sie war die erste Erweiterung der Stadt über die alte Stadtmauer hinaus. Graf Friedrich Adolf veranlasste sie zu Beginn des 18. Jahrhunderts zusammen mit dem Friedrichstaler Kanal. Dazu gehörten diese Häuserzeile und das Haus Favorite, später Neues Palais, heute Hochschule für Musik. Zehn Gebäude bilden die Reihe, ursprünglich nach identischen Plänen gebaut. Einfache Putzbauten mit einem Obergeschoss und Mansarddach, mittig die Eingangstür, darüber ein ovales Oberlicht, im Obergeschoss fünf Fenster zur Straße. Das war Vorschrift: Jeder Bauherr musste die Kopie einer verbindlichen Bauzeichnung erwerben. Wer baute, bekam nach dem Neustädter Privileg von 1708 das Grundstück kostenlos und zwanzig Jahre Abgabenfreiheit. Hier wohnten überwiegend höhere Hofbeamte und ihre Familien. Schauen Sie die Reihe entlang und suchen Sie, was davon geblieben ist. Nicht viel, denn gegen Ende des 19. Jahrhunderts wurden die meisten Häuser deutlich verändert. Nummer 2, das nördlichste, zeigt noch am ehesten den Originalzustand: über der Tür ANNO 1707 und ein kleines Allianzwappen, im Oberlicht die Inschrift, übersetzt: „Mit Hilfe Gottes und meines allergnädigsten Herren“. Nummer 16 nennt Carol Senfu und Johanna Magdalena Winters mit der Jahreszahl 1708. Nummer 12 nennt Johann Friedrich Schenck und die Jahreszahl 1734, und über dem Oberlicht steht, übersetzt: „Aufrichtig und beharrlich“. Dort ist eine Weinhandlung belegt. Eine Zahlenfrage: Eine Quelle nennt als Jahr der ursprünglichen Neustadt 1720. Die Inschriften an den Häusern sind älter. Ich nenne beide Angaben. Auch die Straße hat eine bewegte Geschichte. In der NS-Zeit hieß sie auf Beschluss der Stadt „Hitlerdamm“, ab 1945 wieder Neustadt. 1970 oder 1975, eine Quelle nennt beide Jahre, wurde sie Teil der Allee auf der anderen Kanalseite, und die Häuser bekamen neue, gerade Hausnummern. Erst 1993 beschloss der Stadtrat, die Neustadt wieder Neustadt zu nennen, mit den Hausnummern der Allee.
Sie stehen in der Neustadt, einer Reihe von zehn Häusern. Graf Friedrich Adolf ließ sie zu Beginn des 18. Jahrhunderts zusammen mit dem Friedrichstaler Kanal anlegen, als erste Erweiterung der Stadt über die alte Stadtmauer hinaus. Ursprünglich sahen alle zehn Häuser gleich aus.
Hier stehen zehn Häuser in einer Reihe. Früher sahen sie alle gleich aus: ein Obergeschoss, in der Mitte die Tür und darüber ein ovales Fenster. Ein Graf hat sie vor über dreihundert Jahren bauen lassen. Und wer hier bauen wollte, bekam das Grundstück geschenkt. Aber er musste sich vorher eine Bauzeichnung kaufen, damit sein Haus genauso aussah wie die anderen. Heute sehen die meisten Häuser anders aus, weil sie später umgebaut wurden. Findest du das Haus, das noch am ehesten so aussieht wie früher? Es ist Nummer 2, das nördlichste Haus.
Koordinaten: 51.932, 8.87696 · auf der Karte