Stadtohr

Stadtrundgang Detmold · Station 7 von 16

Haus Münsterberg

· neorenaissance, kunstsammler, enteignung, verschiebung

Ausführlich

Sie stehen vor dem Haus Münsterberg an der Hornschen Straße. Dieses Haus wurde mehrfach verkauft, mit Kunst aus aller Welt ausgestattet, enteignet, beinahe abgerissen und dann verschoben. Gebaut wurde es 1840 für den Ratsherren und Lackierer Johann Spieß. Als Planer wird der Baubeamte Ferdinand Ludwig Merckel vermutet. 1862 verkaufte Spieß das Haus an den Architekten Barkhausen. 1886 erwarb es der Kunstsammler und Kaufmann Oskar Münsterberg aus Danzig, der von 1865 bis 1920 lebte. Er war damals als Gesellschafter bei der benachbarten Druckerei Klingenberg eingestiegen. Von 1888 bis 1890 stattete er das Haus mit Kunstwerken aus, die er aus aller Welt mitgebracht hatte. Von außen ist es ein Bau der Neorenaissance, aber der besondere Schutzwert ergibt sich aus dem Inneren: reiche Deckengemälde, barocke Holztüren, kunstgeschmiedete Schlossbeschläge, Delfter Kacheln, orientalische Fliesenteppiche und eine maurische Gebetsnische. Auch nach seinem Ausscheiden bei Klingenberg blieb das Haus in Münsterbergs Besitz. Seine Erben vermieteten es um 1917 an das Lippische Landeskonservatorium. Dann der dunkle Teil: Aufgrund ihrer jüdischen Herkunft wurden die Münsterbergs 1942 enteignet, und das Gebäude diente fortan als Sitz des Roten Kreuzes. 1981 übernahm die Stadt Detmold das Haus. Mitte der 1980er Jahre sollte die Hornsche Straße verbreitert werden, und dem Haus drohte der Abriss. Nach Bürgerprotesten entschied man sich anders: 1986 wurde das gesamte Gebäude in einer spektakulären Aktion um sieben Meter von der Straße weg verschoben. Das Haus steht also heute sieben Meter weiter von der Straße entfernt als zuvor. Nach gründlicher Sanierung ist es seit 1996 der Sitz des Literaturbüros Ostwestfalen-Lippe und der Gesellschaft für Christlich-Jüdische Zusammenarbeit in Lippe. Mit der jüdischen Geschichte Detmolds geht es gleich weiter.

Kurzfassung

Sie stehen vor dem Haus Münsterberg an der Hornschen Straße. Es wurde 1840 für den Ratsherrn Johann Spieß gebaut. 1886 erwarb es der Kunstsammler Oskar Münsterberg. 1986 wurde das ganze Gebäude um sieben Meter von der Straße weg verschoben. Heute sitzt hier das Literaturbüro Ostwestfalen-Lippe.

Für Kinder

Dieses Haus ist einmal verschoben worden. 1986 sollte die Straße vor dem Haus breiter werden, und das Haus stand im Weg. Viele Menschen protestierten, damit es nicht abgerissen wird. Dann hat man das ganze Haus um sieben Meter von der Straße weggeschoben. Gebaut wurde es 1840. Später gehörte es einem Mann, der Kunst sammelte, Oskar Münsterberg. Er brachte Kunstwerke aus aller Welt mit. Im Haus gibt es sogar eine Gebetsnische im maurischen Stil. Wie weit sind sieben Meter? Geh sieben große Schritte, dann weißt du es.

Quellen

Koordinaten: 51.9317, 8.88087 · auf der Karte

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