Stadtohr

Stadtrundgang Detmold · Station 8 von 16

Fachwerksynagoge (Detmold)

· synagoge, fachwerk, gedenken, judentum

Ausführlich

Sie stehen vor der ehemaligen Fachwerksynagoge in der Exterstraße. Um zu verstehen, warum sie so aussieht, braucht es einen Blick zurück. Seit 1666 war es den Juden in Detmold erlaubt, Neujahrsfest und Bettag zu feiern. Ab 1670 durften sie gegen eine Abgabe an die Rentkammer in ihren Privathäusern gemeinsam mit anderen Juden im Land Gottesdienste und Festtage begehen. Eine öffentliche Synagoge zu bauen, war ihnen noch nicht gestattet. Als Vorgänger gelten zwei Räume in der Krummen Straße: von 1712 bis 1742 eine Synagoge im Haus des Musikanten Spangenberg und nebenan eine Privatsynagoge des Hofagenten Raphael Levi. Untersuchungen im Jahr 2010 ergaben, dass ein Hinterhaus von 1633 in der Krummen Straße vermutlich schon zur Bauzeit als Synagoge genutzt wurde. Ob es mit einem der beiden anderen Gebäude identisch ist, lässt sich nicht eindeutig klären. Das Gebäude, vor dem Sie stehen, wurde 1683 gebaut, ursprünglich als Scheune. 1742 erwarb die jüdische Gemeinde sie vom Advokaten Johann Philipp Culemann, restaurierte sie und baute sie zur Synagoge aus. Warum steht sie nicht an der Straße? Kennzeichnend für ein jüdisches Gotteshaus vor der Emanzipation war die zurückgesetzte Lage. Zugleich kaufte die Gemeinde das Haus Exterstraße 8, das 1803/04 zu einer jüdischen Schule umgebaut wurde. Anfang des 20. Jahrhunderts beschloss die Gemeinde den Neubau einer Synagoge in der Lortzingstraße. 1905 verkaufte sie die Gebäude in der Exterstraße an den Gastwirt Wilhelm Schmidt. Die neue Synagoge brannte in der Reichspogromnacht nieder. Die alte diente als Schlosserei und Lager, heute nutzt die Christengemeinschaft sie als Kirche und nennt sie Michael-Kapelle. Im Hinterhof steht ein Denkmal von Winfried Hogrebe, mit vier unbeschädigt gebliebenen Gewändesäulen der 1938 zerstörten Synagoge. Es ging aus einem Wettbewerb hervor, den die Stadt 1987 ausgeschrieben hatte, und wurde am 3. November 1988 eingeweiht. Eine Tafel erinnert an die Opfer der nationalsozialistischen Gewaltherrschaft, unter ihnen die sechs Millionen Juden, die in deutschen Konzentrationslagern ermordet wurden. Eine weitere Gedenktafel nennt die Opfer der Judenverfolgung in Detmold. Sie wurde am 9. November 1995 eingeweiht und war zu der Zeit in ihrer Vollständigkeit einmalig in Ostwestfalen-Lippe. Seit 1988 findet im Hof jedes Jahr am 9. November eine Gedenkveranstaltung statt.

Kurzfassung

Sie stehen vor der ehemaligen Fachwerksynagoge in der Exterstraße. Das Gebäude von 1683 war zuerst eine Scheune. 1742 kaufte die jüdische Gemeinde sie und baute sie zur Synagoge um. Heute nutzt die Christengemeinschaft das Haus als Michael-Kapelle.

Für Kinder

Dieses Haus wurde 1683 als Scheune gebaut. Dann kaufte die jüdische Gemeinde es und machte daraus 1742 eine Synagoge. Eine Synagoge ist das Gotteshaus der Juden, ein Ort zum Beten und Feiern. Das Haus steht nicht direkt an der Straße, sondern ein Stück zurückgesetzt. So baute man jüdische Gotteshäuser früher. 1938 brannte die neue Synagoge der Stadt nieder. Im Hof erinnert heute ein Denkmal mit vier Säulen daran. Heute ist in diesem Haus eine kleine Kirche. Warum, meinst du, treffen sich die Menschen jedes Jahr am 9. November hier im Hof?

Quellen

Koordinaten: 51.9341, 8.87929 · auf der Karte

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