Stadtohr

Stadtrundgang Coburg · Station 9 von 16

Gymnasium Casimirianum Coburg

1605 · schule, renaissance, johann casimir, tradition

Ausführlich

Sie stehen vor dem Gymnasium Casimirianum, dem ältesten Gymnasium Coburgs. Es ist nach seinem Stifter benannt, Herzog Johann Casimir, der von 1564 bis 1633 lebte. Am 2. September 1601 legte er den Grundstein, am 3. Juli 1605 wurde das von Peter Sengelaub erbaute Renaissancegebäude eingeweiht. Dort stand zuvor das 1496 erbaute Ratskornhaus, ein Getreidespeicher. Der Herzog ließ es abreißen. Gebaut wurde die Schule von Nikolaus Bergner und Peter Sengelaub, der im Haus gegenüber wohnte. Nach der Stiftungsurkunde sollte die Schule ein Mittel zwischen einer Trivialschule und einer Hohen Schule oder Akademie sein. Die Vorlesungen waren öffentlich und unentgeltlich, und im Internat gab es für vierundzwanzig Knaben zwei Tische, einen davon kostenlos. Schauen Sie auf die Fassade. Sechs Zwerchhäuser mit Schweifgiebeln stehen in einer Reihe, jedes mit einer Pyramide als Spitze. An der Nordostecke, zur Kirche hin, steht in Höhe des Obergeschosses die Steinfigur des Stifters. Ihr gilt eine Tradition. Am Ende jedes Schuljahres wird beim Stiftungsfest die Figur bekränzt. Ein Schüler oder eine Schülerin hält eine Rede und steigt dann mit den Jahrgangsbesten auf einer Leiter zur Figur hinauf, um ihr einen Kranz aufzusetzen. Danach reicht man drei Gläser hinauf, die er oder sie mit den Worten vivat, crescat und floreat in aeternum leert und zu Boden wirft. Die Scherben werden eifrig gesammelt, denn sie sollen im nächsten Schuljahr Glück und gute Noten bringen. Die Schule hatte auch eine dunkle Seite. Am 3. Juli 1922 sollte Hans Morgenthau als zweitbester Schüler seiner Klasse die Lobrede halten. Er war Jude. Gegen seinen Auftritt wurden antisemitische Flugblätter verteilt, während seines Vortrags verließ eine größere Anzahl von Personen zeitweise die Veranstaltung, und beim Abmarsch wurde er beschimpft. Und noch eine große Idee: 1677 erteilte Kaiser Leopold I. das Privileg für eine Universität in Coburg. 1705 wurde sie anlässlich der Hundertjahrfeier der Schule proklamiert. 1723 gab man den Plan auf, wegen Streitigkeiten unter den sieben beteiligten ernestinischen Fürsten und fehlender Mittel. Es wäre die zweite Universität neben Jena geworden. Auf der Rückseite überragt ein Treppenturm den Dachfirst, 41 Meter hoch, mit Zwiebelhaube und Laterne. In ihr hängt das Gymnasiumsglöckle.

Kurzfassung

Sie stehen vor dem Gymnasium Casimirianum, dem ältesten Gymnasium Coburgs. Herzog Johann Casimir stiftete es. Der Grundstein wurde am 2. September 1601 gelegt, am 3. Juli 1605 war die Einweihung des Renaissancebaus. Hinten ragt ein 41 Meter hoher Treppenturm auf.

Für Kinder

Das ist die älteste höhere Schule von Coburg. Ein Herzog hat sie gegründet, er hieß Johann Casimir. Deshalb heißt sie Casimirianum. An der Ecke steht eine steinerne Figur von ihm. Am Ende jedes Schuljahres bekommt sie einen Kranz auf den Kopf. Ein Schüler klettert dafür auf einer Leiter hinauf. Danach leert er drei Gläser und wirft sie zu Boden. Die Scherben sammeln alle ein, denn sie sollen Glück und gute Noten bringen. Warum, glaubst du, wollen Schüler Scherben haben?

Quellen

Koordinaten: 50.25701509, 10.965162081 · auf der Karte

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