Hier geht es um die Bremer Pulvertürme. So bezeichnete man seit dem späten Mittelalter drei große Rundtürme in Bremen, in denen die für den Kriegsfall benötigten Pulvervorräte, Waffen und Munitionen gelagert wurden. Daneben wurden in den Erdgeschossen der Pulvertürme aber auch Gefangene festgehalten. Über den Köpfen der Gefangenen lagen Tonnen Schwarzpulver. Der erste war der Ostertorzwinger, erbaut von 1512 bis 1514 nach Plänen des Architekten Jacob Bockes van Vollenhoff, am östlichen Tor der Stadt, und der kleinste der drei. Am 9. Juni 1624 entzündeten sich die eingelagerten Sprengstoffe durch einen Blitzschlag. Achtzig Tonnen Pulver und dreißig Tonnen Salpeter explodierten, der Turm wurde bis auf die Grundmauern zerstört. Zwölf Menschen starben, die meisten von ihnen Gefangene aus dem Zwinger. Ab 1720 war er kein Pulverlager mehr, das Gefängnis blieb. 1826 brach man ihn ab. Der zweite war der größte und hatte einen Namen, der zu diesem Rundgang passt. Er entstand 1522 auf der Herrlichkeit, einer Halbinsel zwischen der großen und der kleinen Weser. Die Bremer nannten ihn liebevoll Braut, weil die Stadt dem Turm wie einer Braut zu Füßen lag. Die Maße: fünfundfünfzig Meter hoch, dreißig Meter Durchmesser, vier Meter Mauerstärke. Damit war er hinter dem Dom und der Ansgarii-Kirche das dritthöchste Gebäude der Stadt. Am 22. September 1739 gegen zwanzig nach eins schlug während eines Gewitters ein Blitz in die Haube ein. Das Dach wurde von einer Feuersäule emporgerissen, die meterdicken Wände zerbarsten. Brennende Trümmer setzten die Gebäude auf der Herrlichkeit und mehrere Straßenzüge auf der Altstadtseite der Weser in Brand. Die Feuersbrunst vernichtete etwa ein Sechstel der Stadt, bevor ein anhaltender Regenschauer die Brände löschte. Zweiunddreißig Menschen starben, unter ihnen der Akzisemeister mit seiner Frau und seinen fünf Kindern. Wiederaufgebaut wurde der Turm nicht. Geblieben sind die Brautstraße und die kleine Brautbrücke. Der dritte hieß im Volksmund Bräutigam, in Anlehnung an die Braut. Der Stephanitorzwinger stand im Westen der Altstadt am Weserufer südlich des Stephanitores, wurde von 1525 bis 1534 errichtet und war knapp vierzig Meter hoch. Am 4. August 1647 gegen sechzehn Uhr zerstörte ihn ein Blitzschlag, sechs Tonnen Pulver explodierten. Dreimal derselbe Vorgang, dreimal Blitz, dreimal Pulver. Das ist keine Pechsträhne, das ist ein Konstruktionsfehler einer Epoche: hoher Turm, kein Blitzschutz, Sprengstoff im Keller. Die genaue Lage des Bräutigams war zeitweise nicht mehr bekannt. Im Sommer 2012 legten Archäologen bei Baumaßnahmen im heutigen Ortsteil Überseestadt Überreste frei. Die Wucht der Detonation ist an einem etwa fünf Zentimeter breiten Riss im Fundament zu erkennen. Wir gehen jetzt in die Sögestraße.
Hier ging es um die Bremer Pulvertürme. So nannte man seit dem späten Mittelalter drei große Rundtürme, in denen Pulvervorräte, Waffen und Munition lagerten. In den Erdgeschossen wurden außerdem Gefangene festgehalten. Alle drei Türme wurden durch Blitzschlag zerstört. Keiner steht mehr.
Jetzt geht es um drei Türme, die es nicht mehr gibt. Sie hießen Pulvertürme. Darin lagerte Schwarzpulver für die Kanonen. Und ganz unten saßen Gefangene. Über ihnen lagen also Tonnen von Pulver. Der größte Turm war fünfundfünfzig Meter hoch, die Leute nannten ihn Braut. Dann passierte dreimal das Gleiche: Bei einem Gewitter schlug ein Blitz ein, und alles explodierte. 1739 brannte danach ungefähr jedes sechste Haus in Bremen. Heute hat ein hohes Haus einen Blitzableiter. Damals kannte man das nicht.
Koordinaten: 53.07673, 8.80245 · auf der Karte